Mercedes Kombi T-Modell Streichliste Shooting Brake Modell Portfolio Collage Mercedes / Patrick Lang
Mercedes GLB 180d, Exterieur
Mercedes-AMG GLA 35, Fahrbericht
Mercedes GLC 300 Coupé, Exterieur
Mercedes A-Klasse Limousine 40 Bilder

Mercedes T-Modelle: Sterben die legendären Kombis?

Kombis im Abschwung Killt die Elektrifizierung die Mercedes T-Modelle?

Die Elektrifizierung verstärkt den SUV-Trend auch bei Mercedes. Kommen nach den Vans die Kombis unter die Räder? Was wird aus den C- und E-Klasse T-Modellen? Wie verändert sich die Modellpalette mit der Elektrifizierung?

Zu Beginn seiner Amtszeit musste Ola Källenius Milliarden-Verluste beim Daimler melden. Bei den Gegenmaßnahmen orakelte der CEO damals – 2020 – schon: "Wir werden das Portfolio überprüfen, um uns auf die vielversprechendsten Produkte zu konzentrieren!". Und: Es gebe zudem Potenzial in der "Simplifizierung des Verbrenner-Portfolios". Aber was heißt das konkret?

Neue E-Autos verdrängen Verbrenner-Modellreihen

01/2022_BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber
Alternative Antriebe

Mercedes hatte angekündigt, bis 2022 zehn reine Elektroautos im Programm zu haben. Neben dem Smart EQ, dem SUV EQC auf Basis des Verbrenner-Modells GLC sowie der V-Klasse mit E-Antrieb (EQV) sind inzwischen der elektrische GLA (EQA), der EQB (auf GLB-Basis) das luxuriöse Stufenheckmodell EQS und das elektrische E-Klasse-Pendant EQE am Start. Auf der reinen E-Plattform (EVA 2) der beiden sollen außerdem EQS- und EQE-SUV folgen. Außerdem will Smart noch 2022 mit seinem Elektro-SUV auf den Markt kommen.

Smart SUV für 2022: Das Concept Car in Bildern

Smart Concept #1 SUV-Studie
Smart
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Teure E-Auto-Entwicklung

Die EVA 2 (für EQS und EQE), die Batterieentwicklung sowie die Electric First-Architektur MMA für kompakte Fahrzeuge bis C-Klasse-Größe erforderten große Investitionen. Im Juli 2021 hat Mercedes zudem drei komplett neue rein elektrische Architekturen angekündigt: Die MB.EA: für mittelgroße und große Pkw, also den Nachfolger von EVA 2 als skalierbare Basis des künftigen BEV-Angebots, die AMG.EA für leistungsorientierte Modelle und die VAN.EA für Vans und leichte Nutzfahrzeuge.

Mercedes Elektro-Plattformen 2025
Politik & Wirtschaft

Entsprechend werden konventionell betriebene Modelle weichen müssen, vor allem wenn sie wegen zu geringer Stückzahlen keinen ordentlichen Deckungsbeitrag liefern. Tatsächlich hatte Mercedes zuvor seine Palette immer weiter differenziert und verbreitert: 40 Modelle umfasste sie zwischenzeitlich und nicht jede Variante war ein Erfolg. So verschwand beispielsweise der CLS Shooting Brake beim Generationswechsel genauso wie das S-Klasse Coupé, die X-Klasse ist längst eingestellt. Inzwischen finden sich auf der Startseite des Mercedes-Konfigurators (ohne Smart) immer noch 37 Modelle. Und auch wenn zu dieser Zahl Baureihen mit überschaubaren Unterschieden wie die Maybach-Derivate oder der CLS und der AMG GT 4-Türer beitragen, wächst bei Daimler die Überzeugung, dass die Kunden selbst bei weniger Vielfalt den passenden Mercedes für sich finden.

E-Auto-Kombis sind rar

Bei den Elektro-Modellen zeichnet sich allerdings ein vor allem für europäische oder speziell deutsche Kunden beängstigender Trend ab: Kombis sterben aus. Der SUV-Trend hat sich hingegen bei praktisch allen Herstellern mit der Elektrifizierung verstärkt; in einer zweiten Welle kommen jetzt eher SUV-Coupés und Limousinen mit E-Antrieb – ihre lang auslaufenden Heckpartien ermöglichen einen besseren cW-Wert und damit mehr Reichweite als steile Kombi-Hecks. Prompt kennt das E-Auto-Angebot insgesamt 2022 nur einen Kombi. Und der kommt ausgerechnet von der chinesischen Marke MG, in deren Heimat sind Kombis gar nicht gefragt sind.

Erst 2023 kommt der Peugeot e-308 als SW aus Europa, ein Opel E-Astra Sportstourer dürfte folgen. Vom EQE, schon namenstechnisch Elektro-Ersatz für die E-Klasse, wird es keinen Kombi geben. Statt eines EQE T-Modells muss wie beim EQS ein SUV reichen, das es in der Verbrenner-Welt als GLE gibt.

Erlkönig Mercedes EQE SUV
E-Auto

Wir wagen den Blick in die Glaskugel der Zukunft des Mercedes-Portfolios.

Die Zukunft der Mercedes E-Klasse (T-Modell)

Die neue E-Klasse steht in den Startlöchern – sie debütiert wohl noch 2022 und wird 2023 auf den Markt kommen. Auch das neue Modell steht auf der Verbrenner-Heckantriebsarchitektur MRA. Wie bei EQS und S-Klasse gibt es wenig Zeitversatz zum entsprechenden Elektromodell EQE, der erst 2022 ins erste volle Jahr geht. Ein EQE II würde dem klassischen Produktzyklus zufolge 2028 debütieren, eine E-Klasse der dann 7. Generation 2029 (Markstart 2030). Das heißt, Mercedes könnte das Verbrenner-Modell irgendwann nahtlos mit dem Stromer ablösen oder es auch nach Bedarf bzw. Markt noch ein wenig weiterlaufen lassen. Da auch für die 2023 kommende E-Klasse ein T-Modell geplant ist, gilt das traditionsreiche Kombi-Modell bis 2030 als sicher. Das gilt selbst für die erneut gesetzte Offroad-Variante Allterrain. Nur einen rein elektrischen E-Klasse-Kombi wird es, wenn überhaupt, von Mercedes frühestens 2028 geben – eben als EQE II T-Modell.

Mercedes EQE
Neuheiten

Aber wer weiß, ob der SUV-Boom bis dahin abebbt oder selbst die Kombi-Kunden in Europa auf die hochbauende Karosserieform mit meist kombiartigem Steilheck abfahren; anders als bei Audi etwa ist bei Mercedes jedenfalls noch kein elektrisches SUV Coupé in Sicht, obwohl das dem cW-Wert und damit der Reichweite erfahrungsgemäß gut tut.

Die Zukunft der Mercedes C-Klasse (T-Modell)

Der kompaktere Mercedes-Hecktriebler (auch auf der MRA) kam 2021 in 5.Generation komplett neu; das T-Modell hat Daimler quasi zeitgleich vorgestellt, auch als Offroad-Version Allterrain. Damit ist das Kombiangebot bei der C-Klasse schon mal bis 2028 gesichert, auch wenn der C-Klasse-Kombi vor allem ein auf dem deutschen Markt nachgefragtes Modell ist, während das geräumige E-Klasse T-Modell in ganz Europa Freunde hat.

Audi A4 Avant, BMW 3er Touring, Mercedes C-Klasse T-Modell, Exterieur
Tests

Vermutlich wird es sogar ein C-Klasse-Coupé wieder geben; es dürfte aber höher positioniert sein als bislang – wie einst der CLK. Und es wird dann das E-Klasse Coupé gleich mitersetzen. Bei den Cabrio-Modelle, dasselbe Spiel, was auch andersrum interpretierbar ist: Ein E-Klasse Coupé ersetzt das der C-Klasse. Nur für die zweitürigen Varianten der S-Klasse ist derzeit kein Nachfolger in Sicht – wer weiß: Vielleicht könnten sich die Schwaben für die Kombination aus leisem, emissionsfreien E-Antrieb und Open-Air-Feeling begeistern und bringen einen offenen EQS? Die Form des geschlossenen erinnert ohnehin an ein viertüriges Coupé.

Die Zukunft der Mercedes Kompaktklasse (A-Klasse Familie)

Schon kraft ihres Segments sind vor allem A-Klasse und die SUV GLA sowie GLB Absatzbringer. Die Rendite ist bei den günstigeren Modellen auf Basis der Frontantriebsplattform MFA II aber überschaubar. Abseits der SUV könnte die Modell-Vielfalt (acht Karosserievarianten) übertrieben sein: Warum eine kurze Limousine für Europa und das schickere viertürige Coupé CLA? Für wen ist dessen Kombi-Version CLA-Shootingbreak gedacht, der nicht mit dem C-Klasse T-Modell glücklich wird? Auch die Kompaktvan-artige B-Klasse wollen viele Beobachter angezählt sehen. Seit es für China die lange A-Klasse-Limousine als Chauffeurs-Auto gibt, ist die B-Klasse nur mehr in Europa gefragt. VW hat beispielsweise den Golf Sportsvan (ehemals Plus) eingestellt – zugunsten der E-Auto-Produktion in Zwickau. Wer Platz braucht, kauft heutzutage SUV – vom GLB bietet Mercedes sogar eine siebensitzige Variante.

05/2019  Mercedes GLB Erlkönig Fahrbericht
Fahrberichte

MMA könnte eine SUL bringen

Daimler Strategie Update 2020
Alternative Antriebe

Elektroversionen (EQA und EQB) hat Mercedes von den SUV ebenfalls im Programm, während Flachboden-Autos erst mit der neuen Electric-First (aber nicht only) Architektur MMA zu erwarten sind, die 2024 debütieren soll. Weil das nicht zu den Modellzyklen der bestehenden Baureihen passt – die A-Klasse kam als erstes 2018 – entstanden Spekulationen über eine neuartige Karosserievariante: Eine Mischung aus Limousine und SUV, eine so genannte SUL (Sports Utility Limousine) oder ein Sports Utlity Sedan (SUS). Das höher gelegte Stufenheck-Auto, wie es Daimler schon mal als Maybach-Concept Car gezeigt hat, könnte Limousinen-Kunden bei der Stange halten, die sich täglich von SUV-Fahrern aufs Dach gespuckt fühlen und die das Segment selbst in China immer mehr schrumpfen lassen. Statt dem SUV-Coupé käme also in der Kompaktklasse die SUV-Limousine.

Maybach Ultimate Luxury: Die SUV-Limousine in Bildern

Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury
Gregor Hebermehl
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Kompaktklasse – was fliegt aus dem Programm?

Als 9. Variante der Baureihenfamilie ist der SUS schwer vorstellbar, zumal es von Smart noch einen weiteren kompakten SUV geben wird. Daher könnten andere Aufbauformen mit der MFA II verschwinden. Die B-Klasse könnte auf einer Streichliste stehen – aber erst, wenn die aktuelle (Verbrenner)-Generation ausläuft (2026). Genauso könnte es den "normalen" A-Klasse-Limousinen (kurz und lang) gehen; das viertürige Coupé CLA böte mit seinem hervorragenden cW-Wert (vor dem EQS mit 0,22 Rekordhalter) hingegen eine prima Basis für ein elektrisches Stufenheck mit vier Türen (2026).