Vorstandschef Hans Dieter Pötsch fordert rasche Entscheidungen über den Konzernumbau und stellt sich hinter den Sparkurs von VW-Chef Oliver Blume.
Der Milliardenverlust ist vor allem eine Folge der schwächeren Entwicklung bei Volkswagen. Die Porsche SE musste den bilanziellen Wert ihrer VW-Beteiligung um drei Milliarden Euro nach unten korrigieren. Hinzu kamen weitere 200 Millionen Euro für die Beteiligung an der Porsche AG. Dadurch fiel im ersten Halbjahr ein Verlust von 2,218 Milliarden Euro an. Im Vorjahreszeitraum hatte die Holding noch einen Gewinn von 338 Millionen Euro erzielt.
Porsche SE fordert schnelle Entscheidungen
Bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen fand Pötsch ungewöhnlich deutliche Worte. Volkswagen stehe an einem "historischen Wendepunkt". "Je länger sich die Entscheidungen hinziehen, desto größer werden die Probleme", erklärte der Vorstandschef. Nun müsse sich der Konzern auf das wirtschaftlich Notwendige konzentrieren.
Auch Finanzvorstand Johannes Lattwein erhöhte den Druck. Bestehende Überkapazitäten müssten abgebaut, die Kosten deutlich gesenkt und die Entscheidungswege im Konzern verbessert werden. Die Porsche SE stehe als Mehrheitsstammaktionär hinter den Vorschlägen des Volkswagen-Vorstands. "Auf dem Weg dahin darf es keine Denkverbote geben", sagte Lattwein.
Streit um Blumes Sparpläne hält an
Die Forderungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Gespräche über den künftigen Sparkurs festgefahren sind. VW-Chef Oliver Blume war mit seinem Sanierungsprogramm im Aufsichtsrat zuletzt auf Widerstand der Arbeitnehmervertreter und des Landes Niedersachsen gestoßen.
Zu den Spar-Maßnahmen zählten – nicht offiziell – der Abbau von bis zu 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze sowie die Schließung bis zu vier deutsche Werke. Volkswagen selbst hat diese Maßnahmen bisher nicht beschlossen. Ziel von Blume sei es nach Medienberichten, bis zum Jahresende eine Einigung zu erreichen.
Operatives Geschäft bleibt positiv
Trotz des hohen Verlusts lief das eigentliche Geschäft der Porsche SE weiter profitabel. Das angepasste Konzernergebnis nach Steuern lag im ersten Halbjahr bei 949 Millionen Euro nach 1,110 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.
Den größten Beitrag lieferte erneut die Beteiligung an Volkswagen mit rund 800 Millionen Euro. Von der Porsche AG kamen rund 100 Millionen Euro. Die Abschreibungen wirkten sich zwar auf das ausgewiesene Ergebnis aus, führten aber nicht zu einem entsprechenden Geldabfluss.
Andere Beteiligungen entwickeln sich positiv
Neben Volkswagen und der Porsche AG investiert die Porsche SE seit einigen Jahren verstärkt in Technologieunternehmen. Dieser Bereich entwickelte sich im ersten Halbjahr deutlich besser. Das Ergebnis stieg von 29 Millionen Euro auf 148 Millionen Euro.
Den größten Beitrag lieferte der Drohnenhersteller Quantum Systems. Nach einer neuen Finanzierungsrunde wurde die Beteiligung höher bewertet, was einen positiven Ergebniseffekt von 111 Millionen Euro brachte. Weitere Investitionen flossen in Quantum Motion und Waabi. Bereits im ersten Quartal hatte die Porsche SE außerdem ihre Beteiligung an Celestial AI verkauft und daraus 60 Millionen Euro erlöst.
Prognose bleibt unverändert
Die Nettoverschuldung verringerte sich bis zum 30.06.2026 leicht von 5,099 Milliarden Euro auf 4,982 Milliarden Euro. An ihrer Prognose für das Gesamtjahr hält die Porsche SE fest. Erwartet wird weiterhin ein angepasstes Konzernergebnis zwischen 1,5 und 3,5 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung soll zum Jahresende zwischen 4,7 und 5,2 Milliarden Euro liegen.





