Neuer CEO: Überraschender Chef-Wechsel bei Toyota

Neuer Toyota-CEO löst Koji Sato ab
Überraschender Chef-Wechsel bei Toyota

ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.02.2026
Als Favorit speichern
Koji Sato, President and CEO, Toyota Motor Corporation und Kenta Kon, Operating Officer, Toyota Motor Corporation.
Foto: Toyota

Toyota stellt seine Führung neu auf – und das überraschend früh. Nur drei Jahre nach seinem Amtsantritt gibt CEO Koji Sato den Chefposten ab. Zum 1. April übernimmt Finanzvorstand Kenta Kon die Leitung des weltgrößten Autobauers. Sato wird stattdessen Vize-Chairman und übernimmt die neu geschaffene Funktion des Chief Industry Officer (CIO).

Neue Arbeitsteilung an der Spitze

Toyota begründet die Rochade mit einer klaren strategischen Neuaufstellung. Sato soll sich künftig auf die "breitere Industrie" konzentrieren – also auf Verbandsarbeit, politische Rahmenbedingungen und Allianzen. Kon hingegen soll sich auf das operative Geschäft und die interne Transformation des Konzerns fokussieren. Noch gibt es keine Anzeichen, dass dies auch die angekündigte Modelloffensive inklusive neuer Sportwagen betrifft.

"Diese Veränderung soll Management-Entscheidungen beschleunigen und eine Struktur schaffen, die es Toyota ermöglicht, seine gesellschaftliche Verantwortung über die Industrie hinweg wahrzunehmen", teilte das Unternehmen mit.

Hintergrund ist unter anderem Satos wachsende Rolle außerhalb des Konzerns. Seit Januar ist er Vorsitzender des japanischen Automobilverbands JAMA, zudem fungiert er seit Mai 2025 als Vizechef des mächtigen Wirtschaftsverbands Keidanren. Toyota argumentiert, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Autoindustrie müsse angesichts zunehmender Konkurrenz – insbesondere aus China – stärker koordiniert werden. Sato soll dabei als "Kapitän der Nationalmannschaft" agieren, wie es sein Nachfolger Kon mit einer Fußballmetapher formulierte.

Starke Zahlen – trotz Gegenwind

Mit den jüngsten Geschäftszahlen lässt sich der Führungswechsel kaum erklären. Toyota hob seine Prognose für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr an. Zwar rechnet der Konzern mit einem um rund ein Fünftel niedrigeren operativen Gewinn und einem um ein Viertel geringeren Nettogewinn im Jahresvergleich. Doch der operative Gewinn soll dennoch bei 3,8 Billionen Yen (rund 20,6 Milliarden Euro) liegen – deutlich über den Erwartungen der Analysten. Die operative Marge beträgt 8,6 Prozent.

Belastend wirkten unter anderem US-Zölle in Höhe von 1,45 Billionen Yen (etwa 7,8 Milliarden Euro). Trotzdem gelang es Toyota, durch Kostensenkungen und starke Verkaufszahlen gegenzusteuern. Der Absatz soll um 2,6 Prozent auf 11,3 Millionen Fahrzeuge steigen, der Umsatz um 4,1 Prozent auf 50 Billionen Yen (370 Milliarden Euro). An der Börse wurde die Kombination aus angehobener Prognose und Chefwechsel bereits positiv aufgenommen: Die Aktie legte um rund zwei Prozent zu.

Regimewechsel bei Toyota

Mit Kon rückt erstmals seit 2009 kein klassischer "Car Guy" an die Spitze – also kein Ingenieur oder Rennfahrer wie Sato oder Aufsichtsratschef Akio Toyoda. Stattdessen übernimmt ein Finanzexperte, der als Architekt der robusten Ertragsstruktur gilt. Kon ist seit 1991 bei Toyota und machte vor allem im Finanzressort Karriere. 2020 wurde er CFO, später Mitglied des Verwaltungsrats. Zwischenzeitlich wechselte er zu Woven by Toyota, dem Software- und Hightech-Ableger des Konzerns im Silicon-Valley-Stil. Dort sammelte er Erfahrungen mit agilen Entwicklungsprozessen und leitete unter anderem die Integration der Software-Plattform Arene sowie das Smart-City-Projekt Woven City.

"Diese Erfahrung, Toyota von außen zu betrachten, war sehr wertvoll", sagte Kon. Er habe Dinge verstanden, die ihm innerhalb des Konzerns verborgen geblieben seien.

Allerdings dürfte der zuletzt immer stärkere emotionale Blick auf die Fahrzeuge und Produktentwicklung etwas verschoben werden. Während Sato etwa als Produktentwickler den Multi-Path-Ansatz bei den Antrieben – also die parallele Entwicklung von Hybrid-, Elektro- und Verbrennertechnologien – fortsetzte und damit erfolgreich gegen den reinen Elektrotrend schwamm, dürften nun strukturelle Themen stärker in den Vordergrund rücken.

Fokus auf Ertragskraft und Wertschöpfungskette

Kon übernimmt in einer Phase, in der Toyota trotz hoher Gewinne strukturellen Druck verspürt. Der Konzern will seine Gewinnschwelle weiter senken und die Organisation verschlanken. "Konkrete Maßnahmen sind dringend erforderlich", heißt es von Toyota. Ziel sei es, Reformen nicht isoliert in einzelnen Funktionen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette umzusetzen.

Gerade die Konkurrenz aus China setzt neue Maßstäbe bei Entwicklungszeiten und Softwareintegration. Bei autonomen Fahrfunktionen gilt Toyota als weniger dynamisch als einige chinesische Anbieter. Kon betonte, seine Aufgabe bestehe darin, "ein robustes Investitionsumfeld zu schaffen, in dem Ingenieure frei experimentieren können".

Toyota in japanischer Autoindustrie

Die neue Doppelspitze spiegelt die besondere Rolle Toyotas in Japan wider. Der Konzern hält Beteiligungen an Subaru, Mazda, Suzuki und Isuzu und prägt weite Teile der Lieferkette – dominiert also die japanische Autoindustrie. Sato soll diese industriepolitische Verantwortung künftig stärker wahrnehmen, während Kon den Konzern intern auf Effizienz, Profitabilität und schnellere Entscheidungswege trimmt.

Fazit