Nissan trennt sich von Daimler Patrick Lang
VW Amarok Exterieur
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Nissan steigt bei Daimler aus: Daimler ist Richtung China orientiert

Nissan steigt bei Daimler aus Daimler ist Richtung China orientiert

Nach Renault ist jetzt auch Nissan aus seiner Partnerschaft mit Daimler ausgestiegen und wirft alle Aktien auf den Markt.

Renault hat sich bereits im März von seinem milliardenschweren Daimler-Aktienpaket getrennt, jetzt steigt auch Nissan aus der Überkreuz-Beteiligung mit dem schwäbischen Autobauer aus. Nissan hatte einen Anteil in Höhe von 1,5 Prozent an Daimler gehalten, die Aktien kommen jetzt für 69,85 Euro pro Aktie auf den Markt – für Nissan bedeutet dies Einnahmen in Höhe von 1,15 Milliarden Euro. Nach Bekanntgabe der Nachricht gab die Daimler-Aktie zum Xetra-Handelsschluss um 1,8 Prozent nach.

Mercedes X 350d V6 Pickup
Mercedes
Die Mercedes X-Klasse (Bild) basierte auf der gleichen Plattform wie der Nissan Navara und der Renault Alaskan.

Trennung nach elf Jahren

Die Daimler-Renault-Nissan-Allianz bestand seit April 2010, wobei sich anscheinend die Erwartungen der Partner an diese Zusammenarbeit nicht erfüllt haben. Die Zahl der Früchte dieser Kooperation ist überschaubar: Renault hat den Kangoo als Mercedes Citan gebaut, der Renault Twingo und der Smart Forfour basierten auf der Twingo-Plattform, der Infiniti Q30 basierte auf der Mercedes-A-Klasse-Plattform, der Mercedes GLA lief auch als Infiniti QX30 vom Band und die Pick-ups der bis Mai 2020 gebauten Mercedes X-Klasse basierten auf der gleichen Plattform wie der Nissan Navara und der Renault Alaskan. Außerdem hatten Renault und Daimler gemeinsam kleine Vierzylinder-Benziner und -Dieselmotoren (Hubräume von 1,33 bis 1,6 Liter) als Einstiegsmotorisierungen für Daimler-Modelle entwickelt.

11/2015 Infiniti QX30 L.A. Autoshow
Infiniti
Der Mercedes GLA lief auch als Infiniti QX30 (Bild) vom Band.

Daimler hält seine Anteile in der Pensionskasse

An seinen Ex-Partnern Renault und Nissan hält Daimler insgesamt noch 3,1 Prozent. Allerdings hat der schwäbische Autobauer die beiden Aktienpakete bereits am 29. Juni 2016 in sein Pensionsvermögen übertragen – damals hatten die Pakete einen Gesamtwert in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Aus diesem Pensionsvermögen bezahlt Daimler die Betriebsrenten seiner Mitarbeiter. Der deutsche Autobauer bekräftigte zwar seinerzeit, dass die Zusammenarbeit mit Renault und Nissan von der Vermögensverschiebung unberührt bleibe, aber Analysten gingen schon damals davon aus, dass die Daimler-Verantwortlichen die Beteiligungen nicht mehr für strategisch wichtig hielten.

Infiniti Q30 1.5 d, Frontansicht
Rossen Gargolov
Der Infiniti Q30 (Bild) war eine umgebdage Mercedes A-Klasse.

Orientierung Richtung China

Daimler hat sich längst stärker Richtung China orientiert und arbeitet mit dem chinesischen Autohersteller Geely zusammen. Geely-Eigentümer Li Shufu ist als Großaktionär bei Daimler eingestiegen. Beim Bau eines künftigen Elektro-Smarts und von Motoren wollen die Unternehmen zusammenarbeiten.

Mercedes Citan
Mercedes
Der Mercedes Citan (Bild) basierte auf dem Renault Kangoo.

Mehrere Kooperations-Auflösungen

Bereits 2005 trennte sich der damalige Daimler-Chrysler-Konzern von Mitsubishi, was ihm 500 Millionen Euro Aktienerlös einbrachte. Teil der Kooperation war, dass der Smart Forfour auf der Plattform des Mitsubishi Colt basierte. 2007 trennte sich Daimler dann von Chrysler und 2014 verkaufte der Konzern seinen Tesla-Anteil für 600 Millionen Euro. Im Mai 2009 war Daimler bei Tesla mit 9,1 Prozent eingestiegen, um den klammen Elektroauto-Pionier zu retten. Und dies war nicht die erste Rettungs-Aktion von Daimler: Im April 1958 kaufte der Konzern beispielsweise mit der Auto Union auch die Marke Audi – und sicherte dem Konzern damit das Überleben. Seit 1960 war der oberbayerische Hersteller, der seine Wurzeln im sächsischen Zwickau hat, dann eine 100-prozentige Daimler-Tochter. 1965 reichten die Schwaben Audi an VW weiter.

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Nein, die Chinesen sind nur an einem Know-how-Transfer und dem Markennamen interessiert.

Fazit

Kooperationen kommen und gehen – das ist in der Autoindustrie nicht anders als in vielen anderen Industriezweigen. Daimler hat sich in jüngster Zeit stark Richtung China orientiert und arbeitet eng mit dem chinesischen Autobauer Geely zusammen. Die Allianz mit Renault und Nissan war anscheinend ermüdet. Jetzt haben Renault und Nissan die Konsequenzen gezogen und sind aus der Partnerschaft ausgestiegen. Daimler behält seine Anteile an den Ex-Partnern in seiner Pensionskasse.

Auffällig ist bei den Daimler-Kooperationen die fieberhafte Suche nach Partnern für die Herstellung des Smart: Der erste Smart Fourfor basierte auf der Colt-Plattform von Mitsubishi, der Nachfolger teilte sich eine Basis mit dem Renault Twingo und die nächste Generation fährt anscheinend mit viel Geely-Technik. Mit seinen kleinsten Modellen Geld zu verdienen, scheint Daimler nach wie vor schwer zu fallen.

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