Zu Beginn der Elektromobilität galten Hybrid-Fahrzeuge als Brückentechnologie. Sie sollten das Beste aus beiden Welten vereinen. Der Verbrenner bringt Emotionen und Reichweite, der Elektromotor Effizienz und Nachhaltigkeit. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass genau dieser elektrische Teil oft auf der Strecke bleibt. Viele Fahrer von Plug-in-Hybriden nutzen überwiegend den Verbrennungsmotor, anstatt regelmäßig zu laden und elektrisch zu fahren.
So kommt es vor, dass bei der Rückgabe eines geleasten PHEVs das Ladekabel noch originalverpackt im Kofferraum liegt. Eine groß angelegte Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) auf Basis von rund einer Million Fahrzeugen zeigt, dass Fahrer ihre Plug-in-Hybride im Alltag deutlich seltener elektrisch nutzen als angenommen. Im Schnitt fahren die Autos nur zu einem Viertel rein elektrisch.
Regulierungen als Lösung?
Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Braucht es zusätzliche Regeln, um die Fahrer von Plug-in-Hybriden zum Laden zu bewegen? Bentley-CEO Frank-Steffen Walliser beantwortet diese Frage im Moove-Podcast von auto motor und sport mit Ja. Er persönlich glaubt außerdem, "es sei nicht so schwer, einen gewissen Ladezwang zu erzeugen".
Walliser übernahm im Juli 2024 den Posten als CEO beim britischen Luxusautohersteller. Seine Karriere begann 1995 bei Porsche, wo er nach seinem Maschinenbaustudium mit Schwerpunkt Verbrennungsmotoren und Technologiemanagement an zahlreichen Projekten beteiligt war – darunter auch an der Entwicklung von Hybridfahrzeugen. Ein prominentes Beispiel ist der Porsche 918 Spyder, dessen Entwicklung ab 2008/2009 die Kombination aus Verbrenner und Elektroantrieb auf ein neues Niveau hob. Auch privat nutzt Walliser einen Plug-in-Hybrid und fährt ihn nach eigener Aussage überwiegend elektrisch.
Technische Lösungen denkbar
Beim Thema mögliche technische Regulierungen kommt ihm unmittelbar das AdBlue-Prinzip in den Sinn. "Ist der Tank leer, fährt das Auto nicht weiter." Ein ähnlicher Mechanismus wäre auch beim Ladeverhalten denkbar. "Beim AdBlue verstehen es die Leute ja auch", so Walliser. Zusätzlich bringt der Bentley-Chef ein Punktesystem ins Gespräch, das regelmäßiges Laden belohnt.
Dieser Ansatz wäre allerdings konsequent und heikel zugleich, denn er greift direkt in das Nutzungsverhalten der Kunden ein. Gerade im Premiumsegment dürfte die Bereitschaft, sich vorschreiben zu lassen, wie ein Fahrzeug zu nutzen ist, begrenzt sein. Gleichzeitig wächst der Rechtfertigungsdruck: Wenn Plug-in-Hybride ihre Klimavorteile im Alltag nicht einlösen, geraten sie zunehmend in die Kritik und könnten langfristig die politische Unterstützung durch Subventionen verlieren.
Am Ende entscheidet der Markt
Walliser sieht die Entscheidung letztlich beim Markt. Die Nachfrage werde bestimmen, welche Antriebskonzepte sich durchsetzen. Seine persönliche Haltung ist klar: Aus seiner Sicht gibt es heute kaum noch Gründe, einen Plug-in-Hybriden nicht regelmäßig zu laden oder gleich vollständig elektrisch zu fahren.
Damit verschiebt sich die Debatte weg von der Technologie hin zur Nutzung. Denn ein Plug-in-Hybrid, der nicht geladen wird, ist letztlich ein schwerer Verbrenner mit zusätzlicher ungenutzter Technik.











