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Betrug: Geklaute Autos als Gebraucht-Schnäppchen

Betrug statt Schnäppchen Geklaute Autos als billige Gebrauchte

Die Polizei warnt aktuell vor einer neuen Betrugsmasche bei Gebrauchtwagen. Dabei werden den Käufern geklaute Autos zum Schnäppchenpreis untergejubelt. Das böse Erwachen folgt bei der Zulassung.

Sicher hatten Sie schonmal das Gefühl, etwas sei zu schön um wahr zu sein. Mit Blick auf die jüngste Betrugsmasche beim Gebrauchtwagen-Kauf, sollten Sie bei besonders günstig angebotenen Auto-Schnäppchen gerade besonders misstrauisch sein! Die Masche: Auf einschlägigen Online-Marktplätzen werden vermeintliche Preiskracher eingestellt, die sich im Nachhinein als geklaute Fahrzeuge herausstellen. Blöd für den Käufer, denn sowohl Auto als auch Geld sind in der Folge einfach weg. Alleine die Polizei in Köln verzeichnete bislang mehr als 100 Fälle.

Polizei Kripo Jürgen Endres Köln
Polizei Köln
Kriminalhauptkommissar Jürgen Endres ist für die Ermittlungen und die Aufklärung der Bürger zuständig.

Das Team um Kriminalhauptkommissar Jürgen Endres aus Köln kümmert sich derzeit um die Bearbeitung der Betrugsfälle und um die Aufklärung der Bürger. Um die Vorgehensweise der dreisten Verbrecher zu beschreiben, hat Jürgen Endres ein exemplarisches Fallbeispiel verfasst, das wir Ihnen hier natürlich nicht vorenthalten möchten.

So gehen die Betrüger vor

Familie K. sitzt gemeinsam vor dem Computer, sucht auf den gängigen Internetseiten nach einem neuen Familienauto und wird auf ein Wahnsinnsangebot aufmerksam. Das Objekt der Begierde wird dort zu einem deutlich niedrigeren Preis als vergleichbare Autos angeboten. Herr K. greift zum Telefon. Eine männliche Stimme meldet sich: "Hallo! Ja, der Wagen ist noch zu haben." Nach wenigen Minuten wird man sich handelseinig. Das Tolle daran: Auf Nachfrage geht der Verkäufer mit dem Preis nochmals um 1.000 Euro runter.

Er bietet ein Treffen zum Kauf an. Aber anders als in der Annonce beschrieben, steht der Wagen nicht in Starnberg, sondern in Köln. Der Vater läge dort im Krankenhaus, so die Geschichte. Ein Treffen wird für drei Tage später vereinbart. Damit der Kaufvertrag vorab ausgefüllt werden könne, bittet der Anbieter darum, ihm eine Kopie des Personalausweises mit Anschrift des Interessenten zuzuschicken. Herr K. kommt der Bitte nach. Schließlich geht es das Traumauto zum Schnäppchenpreis. Als er im Gegenzug um eine Kopie der Zulassungspapiere bittet, sagt der Verkäufer, dass er keine Kopie schicken könne – wegen möglicher Betrüger im Internet.

Am vereinbarten Übergabetag wird per SMS die Anschrift in Köln übermittelt. Doch dann ist zur vereinbarten Zeit niemand am Treffpunkt. Stattdessen ein Anruf – "Vater geht es schlecht, wir müssen die Übergabe um ein paar Stunden verschieben". Geduldig, das Schnäppchen und die lange Anreise im Hinterkopf, wartet Familie K. und merkt nicht, wie sie vom Verkäufer und weiteren Komplizen beobachtet wird. Dadurch soll ausgeschlossen werden, dass der Verkauf unter den Augen der Polizei erfolgt und eine Festnahme droht.

Nach einiger Zeit fühlt sich der Verkäufer sicher. Keine Polizei. Das Treffen wird erneut vereinbart, in einer Wohnstraße. Es ist bereits 21 Uhr und es ist dunkel. Anstelle des Anbieters, erscheint seine Frau. Ihr Mann sei beim Vater im Krankenhaus. Sie stehe jedoch mit ihm telefonisch in Verbindung. Der Wagen hält was er verspricht – Baujahr 2020, 4.000 km gelaufen und 6.000 Euro unter dem Preis vergleichbarer Autos. Die Probefahrt läuft prima und es kommt zum ersehnten Kauf. Der Vertrag ist ausgefüllt, Zulassungspapiere liegen vor, das Geld in der Tasche.

Gefälschte Fahrzeugpapiere Brief Schein Gebrauchtwagen Betrug
Polizei Köln / Patrick Lang
Was mit den Fahrzeugpapieren der Betrüger nicht stimmt (hier ein Originalfoto der Polizei Köln), erfährt der Käufer erst auf der Zulassungsstelle.

Dann gibt die Verkäuferin plötzlich an, den Zweitschlüssel vergessen zu haben und auch die angebotenen Winterreifen seien noch zu Hause. Man einigt sich darauf, nochmals 1500 Euro einzubehalten und diese bei Erhalt von Schlüssel und Reifen zu übergeben. Alles wird korrekt im Kaufvertrag festgehalten und beide Parteien unterschreiben. Das Geld wechselt den Besitzer und die Verkäuferin verabschiedet sich schnell. Familie K. hat es geschafft. Das Wunschauto zum Top-Preis gehört ihnen. Es ist sogar noch zugelassen und so begibt sich Familie K. auf die Heimreise nach Bayern.

Am nächsten Tag geht es zur Zulassungsstelle, um wie vereinbart das Auto sofort umzumelden. Zuvor ist es natürlich auf Hochglanz poliert worden – so sind dann auch alle Spuren beseitigt…doch dann kommt das böse Erwachen. Die Dame am Schalter der Zulassungsstelle sagt, dass die Papiere nicht zum Fahrzeug gehören und der Wagen in der polizeilichen Fahndungsliste steht. Die Polizei wird hinzugerufen, diese stellt den Wagen sicher. Wie sich herausstellt, stammt das Auto aus einem Einbruch in Frankreich. Der Versuch, den Anbieter telefonisch zu erreichen, scheitert. Das Telefon ist tot. An der angegebenen Anschrift ist der Verkäufer nicht gemeldet. (Text: Jürgen Endres)

Das können Sie tun

Damit Sie dieser Betrugsmasche entgehen, gibt die Kölner Polizei einige Tipps, die sich auch generell auf den Gebrauchtwagenkauf von Privat zu Privat (also ohne gewerblichen Händler) übertragen lassen, wenn Sie eine gewisse Skepsis verspüren.

  • Achten sie beim Kauf darauf, den Wagen an der Wohnanschrift des Anbieters zu besichtigen
  • Seien sie achtsam, wenn an der angegebenen Anschrift der Name des Anbieters nicht auf der Klingel verzeichnet ist und dieser erst nach Ihnen am vereinbarten Ort eintrifft. Warum sollte man auf der Straße einen hohen Geldbetrag in bar übergeben?
  • Schauen sie sich die Zulassungspapiere gut an. Rechtschreibfehler in amtlichen Dokumenten weisen auf eine Fälschung hin. So wird aus dem Geländewagen" schnell ein "Gelendewagen"
  • Achten sie auf die in den Zulassungspapieren eingetragenen Ausstellungsbehörden. Auf der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) ist auf der Rückseite die Ausstellungsbehörde bereits aufgedruckt. Stimmt diese mit der Behörde auf der Vorderseite überein oder wurde sie nachträglich verändert?
  • Lassen sie sich während der Verkaufsverhandlungen den Personalausweis des Verkäufers zeigen. Handelt es sich um einen vorläufigen Personalausweis, welcher leicht zu fälschen ist? Zeigt der vorgelegte Ausweis tatsächlich das Bild des Anbieters? Oft werden aus Taschendiebstählen erlangte Ausweise für Verkäufe genutzt
  • Kündigen Sie die telefonische Überprüfung des Autos bei der Polizei an. Allein durch diese Androhung werden die Verkaufsverhandlungen oft direkt beendet

    Fahrverbot Recht
    Getty Images
    Geschädigte sind doppelt gestraft: Einerseits ist die Kaufsumme futsch, andererseits können Sie das gestohlene Auto natürlich nicht behalten.

Die Rechtslage

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei allein in Köln und Leverkusen knapp 120 Fälle, bei denen Hehler gestohlene Fahrzeuge zum Kauf angeboten hatten. Die Tendenz dieses Vorgehens steigt stetig an – im Jahr zuvor waren es noch 70. Das Problem für die Geschädigten: An einer gestohlenen Sache kann man laut § 935 BGB generell kein Eigentum erwerben. Damit ist also einerseits die Kaufsumme weg und andererseits wird das gestohlene Fahrzeug eingezogen und dem rechtmäßigen Besitzer wieder überstellt.

Die Täter zu ermitteln gestaltet sich dabei schwierig, denn Spuren sind kaum vorhanden. Von Wegwerf-Handys bis zu gestohlenen persönlichen Dokumenten nutzen die Betrüger alles, um die eigene Identität zu verschleiern. Auch die Zulassungspapiere der angebotenen Fahrzeuge scheinen auf den ersten Blick meistens echt. Häufig stammen diese aus Einbrüchen in Zulassungsstellen.

Unter falschem Namen mieten einige der Kriminellen sogar normale Mietfahrzeuge an und stellen diese dann sofort zum Spott-Preis ins Internet. Manchmal werden vorsätzlich leichte Streifschäden oder ähnliches verursacht, um den niedrigen Preis einigermaßen zu rechtfertigen. Deshalb gilt: Bleiben Sie beim Gebrauchtwagenkauf stets wachsam – und sollte Ihnen etwas merkwürdig vorkommen, befolgen Sie die Tipps der Polizei und lassen im Zweifel lieber die Finger von der Sache. Welche Modelle bei Autodieben in Deutschland besonders beliebt sind, erfahren Sie in unserer Fotoshow.

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Fazit

Die Kreativität der Kriminellen kennt kaum eine Grenze. Mit einem perfide konstruierten Verwirr-Spiel werden hier Gebrauchtwagenkäufer um ihr Geld gebracht. Sollten Sie also auf ein Angebot stoßen, das wirklich "zu schön ist, um wahr zu sein", könnte dieser Eindruck möglicherweise auch der Wahrheit entsprechen. Schauen Sie lieber zweimal hin.