Der Cybertruck verkauft sich schleppend. Tesla könnte deutlich mehr der elektrischen Pick-ups produzieren. Die Spezialisten von Cox Automotive haben festgestellt, dass 2025 nur 20.200 Cybertrucks an Kunden gegangen sind – nach 39.000 im Jahr 2024. Macht 59.200 Elektro-Pick-ups innerhalb von zwei Jahren. Elon Musk hatte für die Gigafactory 5 in Austin/Texas eine jährliche Produktions-Kapazität von 125.000 Exemplaren angekündigt, und bei Bedarf eine Erhöhung auf 250.000 Exemplare in Aussicht gestellt. Jetzt hat Musk das Ende der Produktion der legendären großen Limousine Model S und ihrer SUV-Variante Model X angekündigt. Beide Modelle zusammen haben sich im vergangenen Jahr 30.650 Mal verkauft – sie befinden sich zwar in einer völlig anderen Lebenszyklus-Phase, aber aus Musks Sicht sind die Zahlen zu niedrig. Der Cybertruck rangiert im Verkauf 10.450 Exemplare darunter. Ob dieser Rückgang primär Nachfrage- oder Angebots-getrieben ist, lässt sich allerdings nicht eindeutig sagen.
Ein Fahrzeug aus einer anderen Zeit
Bei seiner Vorstellung im November 2019 war der Cybertruck medial ein Mega-Erfolg. Das kantige Edelstahl-Design wirkte modern, unangepasst und wie gemacht für eine dystopische Welt. Eine wirklich finstere Zukunft schien damals noch ganz weit weg – aber schon eine Woche später mehrten sich die Nachrichten über ein unbekanntes Atemwegs-Virus aus China, Anfang 2020 war die Pandemie dann in Europa angekommen. Die für 2021 terminierte Auslieferung des Serien-Cybertrucks verzögerte sich. Im Februar 2022 hat Russland die Ukraine überfallen, im Oktober 2023 verübte die Hamas einen massiven Terroranschlag auf Israel, Iran ist ein geopolitischer Brennpunkt, die USA und China tragen einen Handelskonflikt aus und die Bevölkerung vieler westlicher Länder muss eine enorme Inflationsrate aushalten. In dieser Poly-Krise wirkt der Cybertruck auf einmal vielleicht nicht mehr witzig und lustig, sondern viel zu ernst. Von Anfang an konnte er wichtige Versprechen nicht erfüllen.
Teuer und mit weniger Reichweite als erwartet, kam der Cybertruck Ende November 2023 auf den Markt – und war sofort vergriffen. Kunden aus aller Welt konnten den elektrischen Pick-up gegen eine Gebühr von 100 Dollar vorbestellen, obwohl die Zweifel an einer Zulassungsfähigkeit in beispielsweise Europa immens waren. Anfänglich gab es nur in den USA Auslieferungen – und im dritten Quartal 2024 war der Cybertruck das drittbeliebteste Elektroauto in den USA. In den Verkaufszahlen hatte sich der Cybertruck sogar knapp am ebenfalls rein elektrisch angetriebenen Ford F-150 Lightning vorbeigeschoben. Dabei war in Sachen Pick-ups Fords Überlebens-Instinkt angesprungen – der Hersteller aus Detroit hatte den F-150 Lightning bereits im April 2022 im Angebot. Inzwischen hat Ford die Produktion seiner Elektro-Hoffnung wegen zu niedriger Verkäufe eingestellt.
Gegenwind aus Politik und Markt
Schließlich hat sich in den USA auch das politische Umfeld spürbar gegen reine BEVs gedreht – unter Präsident Donald Trump sind die staatlichen Förderungen für E-Autos zurückgegangen und gelockerte Abgasgrenzwerte ebnen den Weg für hubraumstarke Verbrenner. Stellantis‘ Tochter Ram hat umgehend die Entwicklungsarbeiten an seinem reinen Elektro-Pick-up beendet und stattdessen die Entwicklung einer Variante mit Range Extender angekündigt sowie zusätzlich die V8-Produktion massiv hochgefahren. Gleichzeitig haben sich unter die lobenden Erfahrungsberichte zum Cybertruck auch kritische Stimmen gemischt. Vermögende Tesla-Fans schimpften teilweise in sozialen Medien, dass der Cybertruck von allen ihren Teslas das Modell mit den meisten Problemen sei. Unter dem Einsatz von Kraftausdrücken haben sie betont, dass selbst die Software für die Regelung des teilautonomen Fahrens viel schlechter funktioniere als beim Model S und Model Y.
Dass es der Cybertruck nicht ganz so einfach haben würde wie die anderen Tesla-Modelle, hatte Elon Musk bereits zum Marktstart geahnt. Der Tesla-Boss betonte, wie teuer die Entwicklung gewesen sei – viele Teile habe man speziell für den Cybertruck neu entwickeln müssen. Es würden Jahre vergehen, bis Tesla mit dem Pick-up Gewinn machen würde. Tesla-Chefingenieur Lars Moravy betonte zwar auf Events mit Fans, dass Tesla während der Entwicklung wahnsinnig viel Wertvolles gelernt habe. Und dass man sich extrem Mühe gegeben habe, dass sich der große, schwere Cybertruck wie ein normaler Pkw fahre. Und Cybertruckfahrer bestätigen, dass Tesla dieses Ziel spielend erreicht hat. Allerdings weiß jeder, der den Ford F-150 Lightning oder die klassischen US-Verbrenner-Pick-ups gefahren ist, dass auch diese Modelle Pkw-leicht fahrbar sind.
Relativ schnell war auch klar, dass Tesla selbst die Restwerte von gebrauchten Cybertrucks relativ niedrig ansetzt. Gingen Enthusiasten zum Marktstart noch davon aus, dass anfänglich mit jungen Gebrauchten sogar Gewinne möglich sind, wich die Euphorie schnell Ernüchterung: Enttäuschte Cybertruck-Eigentümer posteten ihre Tesla-Rückkauf-Angebote in den sozialen Medien.
Was Tesla groß gemacht hat – und was nicht mehr zählt
Enttäuscht sind viele Tesla-Fans auch vom Ende von Model S und X. In der Tat war gerade das Model S ein großer Wurf. Unter dem Ex-Jaguar- und Ruf-Ingenieur und inzwischen zurückgetretenem Lucid-Chef Peter Rawlinson war ein atemberaubend alltagstaugliches Elektroauto entstanden. Das kostete zwar viel Geld, aber Tesla kam mit dem inzwischen legendären Roadster preislich ohnehin von oben. Nach einer Probefahrt in einem schwarzen Model S wollte VW-Chef Ferdinand Piëch angeblich sogar Tesla kaufen – was Elon Musk wiederum angeblich ablehnte. Das Model S ließ Tesla massiv wachsen – sein Erfolg ermöglichte erst das Model X und dann die epochalen kompakteren Modelle Model 3 und Model Y. Das gefällig designte Model Y war 2022 das weltweit meistverkaufte Elektroauto und 2023 das absolut meistverkaufte Auto der Welt. Der extrovertiert gezeichnete Cybertruck bleibt hingegen bei den Verkaufszahlen deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Tesla stellt die Produktion des Model S ein. Die seit 2012 verkaufte legendäre Limousine (Bild) befindet sich zwar in einer völlig anderen Lebenszyklus-Phase als der Cybertruck, aber Tesla-Fans machen sich jetzt Sorgen um die Zukunft des Elektro-Pick-ups.
Die Produktion von Model S und Model X findet ausschließlich im kalifornischen Tesla-Werk in Fremont statt – die jetzt frei werdenden Kapazitäten möchte Musk für die Produktion des humanoiden Roboters Optimus nutzen. Sollte der Roboter wirklich für eine breit aufgestellte Kundschaft nutzbar und erschwinglich sein, beispielsweise als Haushalts-Hilfe, sind die Gewinnaussichten wohl deutlich höher als bei einem Auto. Börsen-Analysten sind sich inzwischen einig, dass Tesla als Tech-Konzern und nicht als Autohersteller einzustufen ist. Auch Elon Musk selbst sieht künftig eine deutliche Verschiebung von Teslas Fokus weg von klassischen Autos hin zu Robotern und Robotaxis.
Hoffnungsträger Auslandsmärkte
Den Cybertruck gibt Musk aber nicht kampflos auf – inzwischen ist der Pick-up auch in Kanada im Angebot und weitere Märkte sollen folgen. Hier stehen die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Saudi-Arabien an erster Stelle – Länder mit vermögenden Kunden, die allerdings bisher nicht unbedingt als Elektroauto-Enthusiasten galten. Aber die brachiale Optik des Cybertrucks könnte auch dort Freunde finden. Ein Angebot auf großen Märkten wie China, Europa inklusive Großbritannien und Australien ist allerdings nach wie vor nicht absehbar, zumal zumindest die beiden Erstgenannten keine klassischen Pick-up-Märkte sind.
Von seinem technologischen Prestige-Projekt Cybertruck dürfte sich Elon Musk 2026 höchstwahrscheinlich noch nicht trennen – nach etwas mehr als zwei Jahren Laufzeit wäre diese ein zu schmerzhafter Einschnitt. Allerdings scheint er die Produktion deutlich nach unten anzupassen – die Zahl der bei Händlern in den USA lagernden Fahrzeuge ist im Januar 2026 massiv gesunken – was bei konstant verhaltener Nachfrage vor allem auf eine stark reduzierte Produktion hindeutet.












