Produktionsverlagerung Mercedes Trucks: Neue Jobs - aber nicht bei uns

Produktionsverlagerung Mercedes Trucks
Mercedes schafft neue Jobs - aber nicht bei uns

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.04.2026
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Mercedes-Benz Trucks Actros
Foto: Mercedes

Gleichzeitig bleibt das Werk im rheinland-pfälzischen Wörth das zentrale Leit- und Volumenwerk.

Nach Angaben des Unternehmens soll der neue Standort eine Kapazität von rund 25.000 Fahrzeugen pro Jahr erreichen. Geplant sind dort gut 1.000 Arbeitsplätze. Mercedes Trucks will einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag investieren. Die Entscheidung steht noch unter dem Vorbehalt politischer Genehmigungen vor Ort.

Produktionsnetzwerk wird neu verteilt

Hintergrund der Neuaufstellung ist eine steigende Komplexität in der Produktion. Grund dafür ist die wachsende Variantenvielfalt, insbesondere durch unterschiedliche Antriebe. Neben klassischen Dieselmodellen sollen zunehmend auch batterieelektrische und wasserstoffbasierte Fahrzeuge gefertigt werden.

Das Werk in Wörth bleibt weiterhin das Zentrum der Produktion. Dort werden komplexe Programme gebündelt, ebenso Produktanläufe und die Weiterentwicklung der Fertigungssysteme. Gleichzeitig soll die Produktion dort entzerrt werden. Teile des bisherigen Volumens werden künftig nach Cheb verlagert.

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen stößt der Standort Wörth bereits heute an räumliche und strukturelle Grenzen. Die geplante Ergänzung durch den neuen Standort soll diese Situation entschärfen. Auch das Werk im türkischen Aksaray wird in die Neuverteilung einbezogen.

Wörth bleibt Kernstandort mit hohen Investitionen

Trotz der geplanten Verlagerung bleibt Wörth der wichtigste Standort im europäischen Verbund. Die Produktion liegt dort weiterhin im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich pro Jahr. In der Vergangenheit lag die maximale Kapazität bei etwa 100.000 Fahrzeugen jährlich.

Bis 2030 investiert Mercedes Trucks nach eigenen Angaben mehr als zwei Milliarden Euro in seine deutschen Werke. Rund die Hälfte davon entfällt auf Wörth. Dort werden unter anderem eine neue Lackieranlage sowie Umbauten im Rohbau umgesetzt. Ziel ist die Vorbereitung auf künftige Fahrerhausgenerationen und neue Antriebstechnologien.

Auch das sogenannte CKD-Geschäft bleibt Bestandteil des Standorts. Dabei werden Fahrzeugbausätze exportiert und in anderen Regionen endmontiert. Zudem wird der Standort weiterhin für die Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften genutzt.

Neuer Standort Cheb übernimmt Montageaufgaben

Der geplante Standort in Cheb ist als reines Montagewerk ausgelegt. Die lackierten Fahrerhausstrukturen sollen weiterhin aus Wörth geliefert werden. In Tschechien erfolgt dann die Endmontage der Fahrzeuge.

Geplant ist, dass in Cheb sowohl Fahrzeuge mit konventionellen als auch mit alternativen Antrieben produziert werden. Damit soll die steigende Vielfalt im Produktionsnetzwerk besser verteilt werden. Aus Sicht des Unternehmens bietet der Standort Vorteile bei Logistik und Kostenstruktur. Gleichzeitig soll er das bestehende Netzwerk ergänzen, nicht ersetzen.

Einordnung in das Sparprogramm

Die Neuaufstellung steht im Zusammenhang mit dem Programm "Cost Down Europe". Daimler Truck hatte dieses bereits im Jahr 2025 gestartet. Ziel ist es, die laufenden Kosten in Europa bis 2030 um mehr als eine Milliarde Euro zu senken.

Im Zuge dieses Programms wird auch die Produktion effizienter organisiert. Gleichzeitig gab es bereits Hinweise auf mögliche Einschnitte beim Personal. In Deutschland könnten rund 5.000 Stellen betroffen sein.

Die Arbeitnehmervertretung betont, dass neben Einsparungen auch Wachstumsperspektiven berücksichtigt werden müssten. Der neue Standort in Tschechien wird in diesem Zusammenhang als Teil einer erweiterten Produktionsstrategie gesehen.

Auswirkungen auf Produktion und Beschäftigung

Für das Werk Wörth bedeutet die Umstellung, dass künftig weniger Fahrzeuge pro Jahr dort gefertigt werden könnten. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Klar ist jedoch, dass der Standort weiterhin den Großteil der Produktion trägt.

Durch die Verlagerung einzelner Montageumfänge sollen Kapazitäten frei werden. Diese könnten genutzt werden, um neue Antriebe und komplexere Modelle zu integrieren. Auch Investitionen in den Defense-Bereich spielen dabei eine Rolle.

Für Cheb bedeutet das Projekt den Aufbau eines neuen Industriestandorts. Neben der Produktion entstehen dort Arbeitsplätze in Bereichen wie IT, Qualitätssicherung und Instandhaltung.

Fazit