Ford Kuga PHEV im ewigen Rückruf-Kreislauf: So viele Probleme macht Fords Sorgenkind

Ford Kuga Plug-in-Hybrid mit Rückruf-Drama
10 Rückrufe in 6 Jahren für Fords Sorgenkind

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.02.2026
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Über zwei Generationen und elf Jahre Bauzeit erwirbt sich der Ford Kuga einen Ruf als robuster, anspruchsloser und zuverlässiger Kompakt-SUV, der die allermeisten automobilen Bedürfnisse seiner Besitzerinnen und Besitzer souverän erfüllt. Dann kommt 2019 die dritte Kuga-Generation – und sie hat Voll- sowie Plug-in-Hybridversionen im Schlepptau, die 2020 das Angebot ergänzen.

Eigentlich eine feine Sache: Das teilelektrifizierte Fahren schont in der Theorie Umwelt und Geldbeutel. Doch in der Realität entpuppen sich die Hybrid- Kuga – speziell der PHEV – zu echten Sorgenkindern für ihre Fahrerinnen und Fahrer, aber auch für den Hersteller. Ein Blick in die bisherige Rückrufbilanz zeigt, wie oft der Hersteller an der Antriebs- und Batterietechnik herumgedoktert hat – und wie selten die Maßnahmen von Erfolg gekrönt waren.

Sommer 2020: Batterie überhitzt – nicht laden!

Das Drama beginnt nur wenige Wochen nach Auslieferung der ersten Kuga-PHEV-Exemplare, und es fängt vergleichsweise harmlos an. Am 21. Juli 2020 informiert das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Öffentlichkeit darüber, dass eine Steckverbindung an der Batterie möglicherweise beschädigt ist. Um zu verhindern, dass es zu einer Überhitzung der Batterie und damit zu einer erhöhten Brandgefahr kommt, müssen die Steckverbindungen in der Werkstatt überprüft werden.

Doch schon im August 2020 dürften die ersten Besitzerinnen und Besitzer eines Kuga Plug-in-Hybrid den Kauf des Autos bereut haben. Im August 2020 verschickt der Hersteller an sie erste Mitteilungen, dass sie ihr Fahrzeug wegen einer möglichen Brandgefahr nicht mehr aufladen dürfen. Das Problem: Die Hochvolt-Batterie oder Bauteile für die Laderegelung führen wegen eines technischen Problems beim Laden heiße Gase ab, um Druck und Wärme abzubauen. Dieses nach Ford-Angaben "sehr seltene" Ereignis kann andere Bauteile in Mitleidenschaft ziehen und einen Fahrzeugbrand auslösen.

Dezember 2020: Hochvolt-Akku wird getauscht

Ein peinliches Hin und Her lässt nicht nur die betroffenen Kundinnen und Kunden, sondern auch alle Beobachter an Fords Kompetenz in der Handhabung des technischen Problems zweifeln. Erst soll eine Art Abschirmpaket bei den Fahrzeugen installiert werden. Doch dann dämmert Ford, dass dies die Ursache nicht beheben würde. "Metallische Verunreinigungen in den Batteriezellen sind die Ursache für die Probleme mit der Antriebsbatterie", sagt damals ein Ford-Sprecher. "Wir haben beschlossen, alle betroffenen Ford Kuga Plug-in-Hybrid mit einer neuen Antriebsbatterie auszustatten". Gleichzeitig benötigen die Autos ein Software-Update.

Im Oktober 2020 entschuldigt sich Hans Jörg Klein, Ford-Geschäftsführer für Marketing, Verkauf und Service in Deutschland, Österreich und der Schweiz, per Youtube-Video bei der Kundschaft. Erst Ende Dezember 2020 startet die Rückrufaktion. Und sie kommt Ford auf mehreren Wegen teuer zu stehen. Erstens natürlich wegen der Ersatzteile: Die Antriebsbatterie dürfte bei einem Plug-in-Hybriden eines der teuersten Bauteile sein. Zweitens aufgrund der Arbeitskosten, denn für den Akkutausch ist mindestens ein Tag Werkstattaufenthalt anberaumt. Zudem erhalten die Kundinnen und Kunden für dessen Dauer einen Ersatzwagen und haben Anspruch auf einen Hol-und-Bring-Service. Zu guter Letzt verteilt Ford in Deutschland 500-Euro-Tankgutscheine an sie, weil sie bis zur Beendigung der Maßnahme weiterhin ihre Autos nicht aufladen können. Allein das summiert sich angesichts der hierzulande zu diesem Zeitpunkt 4.672 betroffenen Fahrzeuge auf gut 2,3 Millionen Euro.

Februar 2022: Der nächste Batterietausch

Nachdem das Jahr 2021 in Sachen Rückrufe für den Ford Kuga PHEV ruhig verläuft, glaubt die Autowelt bereits, dass sich die Probleme in Luft aufgelöst haben und unter "Startschwierigkeiten" verbucht werden können. Doch bereits am 11. Februar 2022 geht das Debakel weiter. Erneut moniert das KBA einen Produktionsfehler in der Batterie, der zu Überhitzung und Leistungsverlust führen kann. Und wieder muss die Batterie getauscht werden, wenn auch bei deutschlandweit vorerst nur 27 Autos. Doch schon im Juli kommen aufgrund eines fehlerhaft geschweißten Batteriepacks 255 Exemplare hinzu. Bedeutet: Allein in Deutschland haben bis Sommer 2022 bereits knapp 5.000 Kuga PHEVs eine komplett neue Batterie erhalten; weltweit sind es über 30.000 Autos.

August 2022: Motorschäden drohen

Können die rückrufgeplagten Kundinnen und Kunden nun durchatmen? Leider nein! Schon im August 2022 kündigt Ford an, den Kuga PHEV erneut in die Werkstätten beordern zu müssen. Diesmal macht der Verbrennungsmotor Probleme: Der 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner kann aufgrund eines defekten Pleuellagers einen Motorschaden erleiden, wodurch Motorblock und Ölwanne beschädigt werden können. Dabei tritt möglicherweise Öl aus und dieses könne sich "unter der Motorabdeckung ansammeln und zu Zündquellen wandern", erläutert ein Ford-Sprecher damals den technischen Defekt, der einen Rückruf von in Deutschland über 36.000 und weltweit mehr als 126.000 Autos nach sich zieht.

Erneut führt Fords Handling des Problems teils zu "Fassungslosigkeit", wie ein betroffener Kunde seinerzeit in einem Schreiben an auto motor und sport gesteht. Denn der Hersteller schafft nicht etwa Abhilfe, indem er das offensichtlich zu schwach ausgelegte Pleuellager im Motorinneren gegen ein robusteres Pendant ersetzt. Stattdessen "wird das Kühlergrill-Verschlusssystem so modifiziert, dass im Fahrbetrieb der Luftstrom zum Motor verbessert und dadurch die Temperatur unter der Motorhaube abgesenkt wird". Obendrein sollen in der Vertragswerkstatt Löcher in den Unterbodenschutz gebohrt werden, damit Öl oder Kraftstoff abfließen kann. Etwa ungehindert in die Umwelt? Damit rechne man nicht, so ein Ford-Sprecher damals lapidar auf auto motor und sport-Nachfrage.

Juli 2023: E-Motor schaltet nicht ab

Es verwundert angesichts der bisherigen Historie (siehe Tabelle unten im Artikel) nicht, dass sich dieser Fehler nicht mal ein Jahr später zu einem viel größeren Rückruf ausweitet. Nun sind nicht nur neuere Kuga PHEVs von einem Folgefehler des Motorproblems betroffen, was verdeutlicht, dass Ford das ursprüngliche Übel nicht bei der Wurzel gepackt hatte, sondern auch die Vollhybridversion des Kuga (mit demselben Verbrennungsmotor) sowie der Van-Baureihen Galaxy und S-Max. Zwar beschreibt Ford nun ein anderes Symptom, denn nicht der Benziner selbst, sondern der Elektromotor soll angeblich zum Bruch der Motorölwanne oder des Motorblocks führen, weil er sich nicht rechtzeitig abschaltet. Doch die mögliche Konsequenz (Austritt von Motoröl und Brandgefahr) bleibt. Die diesmal gewählte Abhilfemaßnahme: ein Software-Update.

August 2024: Software-Fehler im Hybridgetriebe

Wir spulen erneut etwa ein Jahr vor, bis Anfang August 2024. Diesmal diagnostiziert die Ford-Qualitätskontrolle eine "fehlerhafte Software des internen Parkmoduls vom Hybridgetriebe", woraufhin das Fahrzeug in den Leerlauf schalten und ausrollen kann. Ein manueller Wechsel in den Fahrmodus ist danach nur in einem Notlaufprogramm möglich. Für das KBA Grund genug, erneut einen überwachten Rückruf einzuleiten. Diesmal geht es in Deutschland um gut 3.600 sowie weltweit um 13.600 Autos.

Abermals hält es Ford für ausreichend, das Problem mit einem Software-Update zu lösen. Bei den meisten Fahrzeugen scheint die Aktualisierung auf die "neueste Kalibrierung der PCM-Software" auch zu funktionieren. Bei deutschlandweit 58 Exemplaren des Kuga PHEV (weltweit 266) hat es jedoch nicht geklappt; bei ihnen muss die Prozedur im Juli 2025 wiederholt werden.

März 2025: Kurzschlussgefahr im Akku

Da hat der Kuga PHEV längst einen weiteren Batterie-Rückruf hinter sich. Mitte März 2025 wird bekannt, dass es zu einem Kurzschluss in der Hochvolt-Batterie kommen kann. Sie ahnen die möglichen Konsequenzen: Antriebsverlust und Fahrzeugbrand, weshalb der Hersteller erneut ein vorläufiges Ladeverbot samt Sicherheitswarnung ausspricht.

Wieder versucht Ford, des Problems mit einem Software-Update Herr zu werden. Damit soll das Batteriesteuermodul Anomalien in den Akkuzellen erkennen. Bei positivem Befund folgt, na klar, der Austausch des Batteriepakets. Da von diesem Rückruf hierzulande 56.135 Fahrzeuge betroffen sind (weltweit 196.489), haben mit dieser Maßnahme etliche Kuga PHEVs ihren bereits dritten Energiespeicher erhalten.

Februar 2026: Brandgefahr von der Batterie

Folgen für einige Autos perspektivisch sogar die vierten Akkupakete? Möglich, denn seit dem 4. Februar 2026 läuft erneut ein Rückruf, den das KBA wie folgt beschreibt: "Kurzschluss in der Hochvolt-Batterie kann zum Fahrzeugbrand bzw. Antriebsverlust führen." Falls das passiert, verliert der Kuga PHEV seine Antriebskraft und muss gestoppt werden. Auch ein Fahrzeugbrand ist wieder möglich; nämlich dann, wenn sich der Akku thermisch entlüftet.

Diesmal dürfen die Kundinnen und Kunden die Autos extern laden, allerdings nur bis auf maximal 80 Prozent der Batteriekapazität. Obendrein rät Ford, im Fahrbetrieb bis auf Weiteres ausschließlich den Standardmodus "Auto-EV" zu verwenden. Eine technische Lösung für das Problem sucht der Hersteller bislang übrigens noch – "mit hoher Priorität", wie er beteuert.

Fazit