VW findet 6 Milliarden: Kriegen Vorstände und Mitarbeiter jetzt Prämien?

VW hat trotz Gewinneinbruch sechs Milliarden
Betriebsrat fordert Boni für Mitarbeiter

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.02.2026
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Foto: Volkswagen AG

Volkswagen musste schon im zweiten Quartal 2025 einen massiven Gewinneinbruch melden, im dritten Quartal meldete Wolfsburg gar einen Verlust von gut einer Milliarde Euro – ein Ergebnisrückgang von gut vier Milliarden gegenüber dem Vorjahr. Entsprechend schlecht war die Perspektive auf den 10.3.2026, wenn Volkswagen das Gesamtjahr 2025 bilanziert.

Am 22.1.2026 hatte der Konzern dann per Ad-hoc-Mitteilung für 2025 einen Cashflow von sechs Milliarden Euro statt der erwarteten 0 Milliarden Euro gemeldet. Als Folge ist die Nettoliquidität auf mehr als 34 Mrd. Euro gestiegen.

Cashflow ist notwendig, aber nicht hinreichend

Das klingt erstmal, als wäre das Jahr insgesamt erheblich besser verlaufen. Allerdings ist der Netto-Cashflow nur eine Kenngröße der wirtschaftlichen Performance – ohne Barmittel geht logischerweise in keinem Unternehmen was, sie sind notwendige Bedingung für weitere Investitionen.

Volkswagen-Finanzvorstand Arno Antlitz erklärt das in einem Interview im VW-Intranet, das auto motor und sport in Auszügen vorliegt, so: "Wir brauchen einen soliden Cashflow, um weiter kraftvoll in Zukunftstechnologien investieren zu können. Wenn der Netto-Cashflow nicht ausreicht, und am Ende des Jahres nicht genügend Geld in der Kasse bleibt, müssen wir auf unsere Substanz zurückgreifen oder zusätzliches Kapital aufnehmen. Jeder weiß aus persönlicher Erfahrung, dass man nicht beliebig lange von der Substanz leben kann. Das ist endlich. Das sehen übrigens auch die Rating-Agenturen so. Die beiden Kenngrößen Netto-Cashflow und Liquidität spielen folglich auch eine überragende Bedeutung für unser Rating und der Fragestellung, zu welchen Konditionen wir uns in Zukunft Geld am Kapital- und Bankenmarkt leihen können".

Der Netto-Cashflow beschreibt quasi, wie viel Geld nach Abzug aller Kosten und Investitionen übrigbleibt. Aktionäre können daran ablesen, welche Summen für den Unternehmens-Umbau, Investitionen und eben Dividendenzahlungen verfügbar sind.

Cashflow allein löst keine Boni für Manager aus

Zudem ist er eine Kenngröße für die Höhe der Dividende und der Manager-Boni. Angesichts der Gewinneinbrüche mussten Aktionäre und Vorstände noch davon ausgehen, dass VW die Zielwerte verfehlen würde, Kürzungen bei den Boni wären die Folge gewesen.

Die sechs Milliarden Euro liegen aber offenbar im Ziel-Korridor. Die variablen Vergütungen für die Vorstände hängen aber nicht allein vom Cashflow ab. Auch die Rendite zählt, und war zuletzt ein Problem. Wie die Bonuszahlungen ausfallen, ist daher offen – bis zum 10.3.

Betriebsrat fordert Prämien für Mitarbeiter

Wie unter anderem das Handelsblatt meldet, fordert Betriebsratschefin Daniela Cavallo aber schon jetzt eine Beteiligung der Mitarbeiter am überraschenden Milliarden-Cashflow: Die Belegschaft habe in den vergangenen Jahren erhebliche Einschnitte akzeptiert, um den Konzern zu stabilisieren. "Wenn jetzt alle gemeinsam in Sachen Kostendisziplin derart gut abgeliefert haben, dass der Netto-Cashflow stimmt, ist eine Anerkennungsprämie nur fair", zitiert das Handelsblatt aus einem internen Schreiben.

Daniela Cavallo Betriebsratsvorsitzende Aufsichtsrat Volkswagen VW AG
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Die VW-Mitarbeiter hatten im sogenannten Weihnachtskompromiss zugestimmt, vorübergehend auf einen Teil ihres Bonus verzichten. Vorstand und Management hatten darin ebenfalls Kürzungen ihrer Gesamtvergütung akzeptiert. Für die Mitarbeiter blieb die Vorauszahlung im November bestehen, die zweite Tranche im Mai sollte jedoch 2026 und 2027 ausfallen. Cavallo reklamiert nun eine neue Sachlage und der Betriebsrat will erreichen, dass im Mai 2026 eine Ausgleichszahlung fließt. Die Forderungen sind laut Handelsblatt Gegenstand von Verhandlungen mit dem Vorstand, erste Ergebnisse sind offenbar noch vor dem 10.3. zu erwarten.

Das Handelsblatt erwähnt bei diesem Timing den laufenden Betriebsratswahlkampf, der angesichts der Wahlen im März in die heiße Phase kommt. Die Opposition des amtierenden Betriebsrates hat mögliche Bonuszahlungen an Vorstände bereits früher kritisiert und eine stärkere Beteiligung der Belegschaft gefordert. "Cavallo nimmt diese Forderungen nun auf. Der Umgang mit dem Milliarden-Cashflow ist damit zu einem zentralen Wahlkampfthema geworden", so das Handelsblatt.

Woher kommen eigentlich die sechs Milliarden?

Finanzvorstand Arno Antlitz erklärt im Interview im VW-Intranet so, warum die Barmittel angestiegen sind: "Die zuletzt berichtete Verbesserung beim Netto-Cashflow ist das Resultat intensiver Kostenarbeit in den Bereichen der Vorleistungen – also bei Entwicklung und Investitionen – sowie bei dem Management unserer Lagerbestände". Die "Kostenarbeit" habe man "Ende Juli noch einmal intensiviert, nachdem die neue Zollpolitik in den USA feststand, die zu Mehrbelastungen von ca. 5 Mrd Euro führte".

An Entwicklungskosten und Investitionen habe man durch "die Nutzung von Konzernsynergien" gespart. Aber man habe auch den Bestand an fertigen Fahrzeugen in den Werken reduziert, ohne die Liefertreue für Kunden zu beinträchtigen. Anlitz sieht vier zentrale Hebel: "die Verbesserung der Margen bei den Elektrofahrzeugen, die Stärkung der Position in den Regionen – und eben die Reduzierung der Investitionen sowie die Optimierung des Working Capital – beispielsweise der Lagerbestände".

VWs Sparprogramm, mit dem der Konzern bis 2030 rund 35.000 Stellen abbauen will und für das VW-Beschäftigte Einbußen zugestimmt haben, erwähnt Antlitz nicht explizit.

Fazit