Audi e-Tron GT (2020)

Das dritte E-Auto ist ein viertüriges Sport-Coupé

11/2018 Audi E-Tron GT Concept 11/2018 Audi E-Tron GT Concept 11/2018 Audi E-Tron GT Concept 11/2018 Audi E-Tron GT Concept 24 Bilder
LA Auto Show 2018

Audis drittes Elektroauto ist ein viertüriges Coupé mit der Antriebstechnik des Porsche Taycan. Optisch ist die Verwandtschaft nicht zu erkennen, bei der Leistung schon: 590 PS sollen den E-Tron GT in 3,5 Sekunden auf 100 zoomen, eine Akkuladung ihn mehr als 400 Kilometer weit bringen.

Elektroantrieb verbindet: Jahrelang haben sich ausgerechnet die beiden VW-Töchter Audi und Porsche, durchaus in ähnlichen Segmenten und Leistungsklassen vertreten, nicht auf eine gemeinsame Plattform für größere sportliche Fahrzeuge wie beispielsweise Porsche Panamera und Audi RS7 einigen können. Jetzt aber: Porsche ist mit seinem ersten Elektro-Auto Taycan noch nicht auf dem Markt, da zeigt Audi ein sehr seriennahes Concept Car mit gleicher Antriebstechnik und Unterbau.

Niedriger als ein A7 – dank Flachbodenarchitektur

Der Unterbau ist deshalb wichtig, weil Porsche die Batterie nicht nur ähnlich wie bei den meisten Elektroautos in die Bodengruppe integriert hat, sondern der schokoladentafelähnlichen Form Aussparungen für die Füße der Passagiere spendiert hat – so genannte Fußgaragen. Die erlauben die Sitze tiefer anzubringen, ohne dass es unbequem für die Insassen wird und das wiederum ermöglicht eine flachere Karosse – so wie man es von sportlichen Autos erwartet. Den E-Tron GT Concept, der schon sehr nah an der Serie sein soll, machte das sogar flacher als den neuen A7. Der misst 1,42 Meter, der E-Tron GT ist nur 1,38 Meter hoch und schlägt mit seinen 1,96 Meter den A7 in der Breite um 5 Zentimeter- bei praktisch identischer Länge von 4,96 Meter

Erstaunlich: Der vordere Überhang ist beim E-Tron GT sicher nicht kleiner als beim A7. Exterieur-Designer Andreas Mindt meint dazu: Auch bei Elektroautos brauche man im Vorderwagen Crashstrukturen und die vielen Sensoren für immer mehr Fähigkeiten zum autonom Fahren kosten zusätzlichen Bauraum.

Gutes Platzangebot, veganer Innenraum – kein Witz

11/2018 Audi E-Tron GT Concept Foto: Audi
Veganes Interieur im Audi-Stil

Dank 2,9 Meter Radstand herrscht an Platz für Passagier kein Mangel: Die Kniefreiheit im Fond reicht auch für größere Erwachsene, nur die abfallende Dachlinie könnte hinten Sitzenden ab 1,85 Meter Körpergröße den Dachhimmel nahe bringen. Dafür lässt der Elektroantrieb auch vorne Platz für 100 Liter Gepäckraumvolumen, der Kofferraum im Heck schluckt 450 Liter. So gut nutzbar wie im A7 ist er allerdings nicht, denn die große Klappe fehlt zugunsten optimaler Karosseriesteifigkeit.

Beim Interieur haben die Audi-Gestalter auf den Einsatz von Produkten tierischen Ursprungs verzichtet: Der Audi e-tron GT Concept besitzt einen veganen Innenraum. Bei den Sitzen und weiteren Verkleidungsflächen kommt synthetisches Leder zum Einsatz, auf den Sitzflächen sowie den Armauflagen und an der Mittelkonsole textile Bespannungen aus recycelten Fasern. Dachhimmel und die Verkleidungen der Fenstersäulen sind aus Microfasermaterial. Sogar der hochflorige Bodenteppich ist aus nachhaltigem Econylgarn gefertigt, einer Recyclingfaser, die aus gebrauchten Fischernetzen hergestellt wird.

Die Touchscreens in und auf der Mittelkonsole sowie die digitalen Instrumente vor dem Lenkrad mit kantigem Pralltopf sind wohl eher nicht recycelt, auch wenn man sie inzwischen aus anderen Audi-Cockpits kennt. Sie lassen sich in verschiedenen Layouts belegen: für virtuelle Rundinstrumente, übersichtliche Navigationskarten mit Informationen zur Reichweite oder für die diversen Funktionsmenüs des Infotainments. Steuern lassen sie sich über den Touchscreen mit haptischem Feedback.

Niedriger Schwerpunkt, Allradantrieb und -lenkung

Das flache Layout mit der tiefliegenden Batterie hilft dank entsprechend niedrigerem Schwerpunkt – Audi spricht vom Niveau des R8 – bei der Querdynamik. Weiteres Kurventalent dürfte der elektrische Allradantrieb mit zwei Elektromotoren beisteuern, der radselektiv steuerbar ist – Torque Vectoring ist viel einfacher darstellbar als bei Autos mit Verbrennungsmotor.

Zusätzlich gönnt Audi dem E-Tron GT einen Allradlenkung, die ihn trotz seines langen Radstandes handlich machen dürfte.

Flacher heißt mehr Reichweite

11/2018 Audi E-Tron GT Concept Foto: Audi
Schön flach dank Fußgaragen: Audi E-Tron GT

Weiterer Vorteil so genannter Flachbodenmodelle: Die geringe Höhe bedeutet weniger Stirnfläche und das ist gut für weniger Luftwiderstand, genauso wie die geringere Bodenfreiheit. Dem cW-Wert hilft vor allem da flach auslaufende Heck: Der Elektro-SUV Audi E-Tron hat einen cW-Wert von 0,28 (0,27 mit Kameraspiegeln), der E-Tron Sportback mit seinem Fließheck dürfte 0,25 erreichen – wo der E-Tron GT rauskommt, wollten die Ingolstädter noch nicht verraten. Kamerarückspiegel hat der E-Tron GT erstmal nicht: Er debütiert in Los Angeles und in den USA hat der elektronische Außenspiegelersatz noch keine Zulassung.

Weniger Luftwiderstand bedeutet auch beim Elektroauto weniger Verbrauch und damit eben auch mehr Reichweite. Audi-Chef-Designer Marc Lichte ist sich daher sicher, dass die flacheren Autos in Zukunft eher wieder begehrter werden. Die neue Premium Platform Electric (PPE), die Audi und Porsche gemeinsam entwickeln und aus der insgesamt drei Modellfamilien hervorgehen sollen, soll daher so variabel sein, dass innerhalb einer Modellfamilie sowohl Hoch- als auch Flachbodenfahrzeuge, also SUVs und Limousinen, entstehen können.

In 12 Sekunden auf 200 und maximal 240 km/h schnell

Die Batterie hat eine Kapazität von 96 kWh, real nutzbar dürften davon etwa 87 kWh sein, was für eine WLTP-Reichweite von etwa 430 Kilometer reichen sollte; das entspräche einem Verbrauch von gut 20 kWh. Natürlich nicht, wenn man die erst bei 240 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit oder das enorme Spurtvermögen (0 bis 100 km/h in 3,5, 0 bis 200 km/h in 12 Sekunden) häufig nutzt. Für solche Werte sorgen zwei permanent erregte Synchronmotoren mit zusammen 590 PS, einer an der Vorder-, einer an der Hinterachse, die einen elektronisch geregelten Allradantrieb ergeben.

Schneller Laden dank 800 Volt

Mehr Reisezeit als mit schierer Fahrgeschwindigkeit dürfte der neue E-Audi beim Laden reinholen, denn wie der Taycan hat der E-tron GT ein 800 Volt-System. Damit reichen etwa 20 Minuten, um die Batterie wieder auf 80 Prozent ihrer Kapazität bzw. eine Reichweite von mehr als 320 Kilometern (WLTP) zu laden. Natürlich kann der E-tron auch mit niedrigerem Spannungsniveau laden. Und sogar ohne Kabel – kontaktlos per Induktion. Dazu braucht der E-tron-Parkplatz eine Ladeplatte mit integrierter Spule und Stromanschluss. Das magnetische Wechselfeld induziert über den Luftspalt hinweg eine Wechselspannung in der Sekundärspule im Boden des Autos. Mit einer Ladeleistung von 11 kW lässt sich der E-tron GT laut Audi auch so bequem über Nacht vollladen.

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Wie beim E-Tron quattro soll 30 Prozent der Reichweite aus Rekuperation kommen. Und zwar über die beiden E-Maschinen und das elektrohydraulisch integrierte Bremsregelsystem. Dazu lassen sich Rekuperationsarten kombinieren: manuelle Schubrekuperation per Schaltwippen, automatische Schubrekuperation über den prädiktiven Effizienzassistenten und Bremsrekuperation mit fließendem Übergang zwischen elektrischem und hydraulischem Verzögern. Bis 0,3 g rekuperiert der E-tron ohne Einsatz der konventionellen Bremse ausschließlich über die E-Maschinen – dies ist laut Audi für mehr als 90 Prozent aller Verzögerungen ausreichend. Damit werden praktisch alle normalen Bremsmanöver energetisch in die Batterie zurückgespeist. Erst bei Verzögerungen stärker als 0,3 g die Keramikbremsscheiben zum Einsatz.

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Fazit

Ende 2020 soll der E-Tron GT serienreif sein, Anfang 2021 will Audi die ersten Kunden beliefern. Preislich wird er sich unterhalb des Taycan einsortieren, aber mit etwa 100.000 Euro wird zu rechnen sein.

Ende 2021 kommen dann bereits die ersten Modelle auf Basis der Premium-Plattform Elektrifizierung (PPE) auf den Markt. Diese entwickeln Audi und Porsche ebenfalls gemeinsam. E-Tron GT und Taycan bauen zwar auf der gleichen Technik auf, stehen aber beide noch nicht auf der PPE, die Basis für mehrere Audi-Modellfamilien mit reinem E-Antrieb vom B- bis zum D-Segment wird. Gut, wenn da einige mit Flachbodentechnik dabei sind – solange Elektroautos noch nicht mit Strom aus regenerativen Quellen fahren, sollten sie aerodynamisch möglichst günstig und sparsamer sein als ein 2,5-Tonnen-SUV – und für die Fahrdynamik sind flache Autos ebenfalls besser.

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