Audi E-Tron GT Audi
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Audi E-Tron GT 17 Bilder

Im Audi E-Tron GT

Nur Gasstöße kann er noch nicht

Audi baut den E-Tron GT mit viel Handarbeit, kontrolliert ihn eifersüchtig und verpasst ihm einen Sound, der aus einem Rohr kommt. Wir haben beim Fahren hingehört.

Audi stellt noch 2020 seinen elektrischen Sportwagen E-Tron GT offiziell vor. Das viertürige Coupé ist mit gleicher technischer Basis allerdings schon seit 2019 erfolgreich auf dem Markt – als Porsche Taycan. Also kämpft Audi um Abgrenzung: Der E-Tron GT entsteht in den Böllinger Höfen am Audi-Standort in Heilbronn, bekommt eine deutlich andere Karosserie mit kräftig ausgearbeiteten Schenkeln über den Hinterrädern und einen von Grund auf neu entwickelten eigenständigen Sound.

Aus dem gleichen Werk wie der R8

Bei der Produktion des E-Tron GT ist Audi stolz darauf, dass der elektrische viertürige Sportwagen aus dem gleichen Werk und teilweise von der gleichen Linie kommt wie der zweitürige Verbrennungs-Mittelmotorsportwagen R8. Die Vorserienproduktion ist bereits angelaufen, die Serienfertigung beginnt Ende des Jahres. Noch zeigt Audi den Serien-E-Tron-GT-Modell nur getarnt – aber selbst für das Tarnoutfit sind inzwischen Designer zuständig.

Audi E-Tron GT: Das serinenahe Concept Car in Bildern

11/2018 Audi E-Tron GT Concept
11/2018 Audi E-Tron GT Concept 11/2018 Audi E-Tron GT Concept 11/2018 Audi E-Tron GT Concept 11/2018 Audi E-Tron GT Concept 24 Bilder

Viel Schweißarbeit per Hand

Nicht auf einer Linie mit dem auslaufenden R8 erfolgt die Montage der E-Tron-GT-Karosserie. Dafür haben die Produktionsingenieure die Fertigungsstrecke so umgebaut, dass beispielsweise die Montage der inneren Seitenteile und der äußeren Seitenteile an ein und derselben Stelle erfolgt – der Rohbau fährt diese Stelle einfach zweimal ab. Der fertige Karosserie-Rohbau kommt in die Lackiererei und dann in ein Zwischenlager zurück ins Werk. Ab diesem Zeitpunkt laufen R8 und E-Tron GT auf der gleichen Produktionslinie. Die funktioniert trotz der grundsätzlich sehr verschiedenen Modelle auch, weil Schweißer bei beiden Fahrzeugvariante noch viel per Hand erledigen. Die Arbeiter haben vorher jahrelang den R8 gefertigt und gelten als die besten Schweißer des Konzerns.

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Vor dem Start der E-Tron-GT-Serienproduktion haben Produktions-Spezialisten den Fertigungsablauf virtuell optimiert.

Keine Tesla-Qualität

Bei der Qualität der ausgelieferten Fahrzeuge will Audi zum einen eigene Maßstäbe nicht aufgeben, zum anderen sehen die Ingolstädter hier natürlich eine schwache Stelle beim marktbeherrschenden Elektroautohersteller Tesla. Insbesondere beim Model Y hat Tesla nach wie vor mit immensen Qualitätsproblemen zu kämpfen, wie häufige Kunden-Posts in sozialen Netzwerken belegen. Tesla-Kunden neigen eher dazu, ihrem Hersteller Produktionsfehler zu verzeihen – Audi möchte eine solche Situation nicht riskieren. Und wenn sich der Automarkt flächendeckend zu einem Elektroautomarkt gewandelt haben sollte, könnte auch die Fertigungs-Qualität wieder in den Vordergrund treten. Also achtet Audi penibel auf Spaltmaße und lässt diese vor der Auslieferung mit Lehren prüfen. Die Qualität der Oberflächen checken unter anderem Schreiner, die seit Jahrzehnten bei Audi arbeiten und die sich auf das Prüfen von Oberflächenqualitäten spezialisiert haben.

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Bei Modellen von Tesla aktuell recht variabel, möchte Audi seine E-Tron GTs (Bild) nur mit perfekten Spaltmaßen ausliefern.

Audi mit Porsche-Motor

Die Elektromotoren für den E-Tron GT baut Audi nicht selbst. Auch wenn es die Ingolstädter nicht kommunizieren: Sie entstehen bei Porsche in Zuffenhausen, von dort gehen sie dann ins nicht einmal 50 Fahrkilometer entfernte Heilbronn. Aber trotz identischem Motor bekommen Taycan und E-Tron GT einen unterschiedlichen Klang.

Sound aus Gartenrohr

Der Sound des E-Tron GT sollte ein echtes Geräusch als Basis bekommen, nichts aus einem Synthesizer und auch keinen Instrumentenklang, den man immer heraushört – ist Audi-Soundingenieur Rudolf Halbmeir überzeugt. Er hat schon den Sound für Verbrennungsmotor-Modelle optimiert – für Audis elektrischen Sportwagen hat er erstmal einen Ventilator an ein Rohr gehalten und den am anderen Ende des Rohres herauskommenden Klang aufgezeichnet. Das sonore Brummen haben die Spezialisten inzwischen gründlich auf 32 Tonspuren überarbeitet – an einigen Stellen haben sie Frequenzen entfernt, an anderen verstärkt. Eine exakte akustische Rückmeldung war ihnen beim Sounddesign wichtig – die größte Herausforderung war aber, einen Klang zu erschaffen, dessen niemand überdrüssig wird. Deshalb darf die künstliche Geräuschkulisse nie übertrieben sein. Für die Programmierung des Sounds nutzten die Ingenieure eine eigene Software, die intern Audi eSound GUI heißt (GUI: graphical user interface/Grafische Benutzeroberfläche).

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Handfeste Grundlage: Audi-Soundingenieur Rudolf Halbmeir zeigt, wie er das Grundgeräusch des E-Tron-GT-Sounds erzeugt hat.

Lautsprecher für innen und außen

Wie auch bei vielen Verbrennungsmotor-Autos, klingt der E-Tron GT innen anders als außen. Ist für den Fahrer jede einzelne akustische Rückmeldung wichtig, muss draußen eher das gesamte Klangbild überzeugen. Zwei Steuergeräte übernehmen die Verteilung des Sounds. Die mittig im Front- und Heckbereich sitzenden Lautsprecher sind eher für den Außensound zuständig, die in den hinteren Seitentüren für den Klang im Innenraum. Je nach Bedarf schalten die Steuergeräte Lautsprecher auch komplett aus.

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Rudolf Halbmeir (links) und sein Kollege Stephan Gsell bei der Endabstimmung des Sounds für den Audi E-Tron GT.

Sound nie übertrieben

Rudolf Halbmeir tritt aufs Fahrpedal, das früher Gaspedal hieß. Die Wucht des Elektromotor-Anzugs ist enorm und ein futuristisch brummendes Geräusch schwillt mit steigender Geschwindigkeit an. Der Klang ist dabei weder laut noch kreischend – eher dezent kräftig. Halbmeir betont, dass für einen futuristischen Klang die Mittentöne zuständig sind. Außen sind an diesem Tag eher die auf regennassem Asphalt abrollenden Reifen zu hören. Erst bei höheren Geschwindigkeiten ist das modifizierte Rohr-Brummen deutlich vernehmbar. Bei normaler Fahrt dringt den Insassen ein eher leiser tiefer Ton ans Ohr – Halbmeir freut sich, dass seine Passagiere die tiefen Frequenzen als moderat und angenehm empfinden.

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Den Basissound haben die Audi-Toningenieure aufgezeichnet in 32 Spuren verarbeitet.

Ein Sound fehlt noch

Für jedes Fahrprogramm gibt es ein angepasstes Sound-Setup – und künftige Audi-Elektromodelle bekommen ihren ganz spezifischen für sie entwickelten Sound. An einem Klang aus der Verbrennungsmotor-Autowelt arbeitet Halbmeir noch – dem Leerlauf-Gasstoß, der beim Elektroauto Parkstellungs-Fahrpedal-Tritt heißen müsste. Er ist ganz nah dran an dem dafür perfekten Klang – hat ihn aber noch nicht zu 100 Prozent zu Ende komponiert.

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Klar - Sound hilft dem Fahrer als akustische Rückmeldung und verleiht dem Auto Charakter.
Nein - der natürliche Elektroantriebs-Sound reicht vollkommen.

Fazit

Audi hat mit dem großen SUV E-Tron bereits ein erfolgreiches Elektroauto auf dem Markt – jetzt kommt das viertürige Coupé E-Tron GT. Erfahrene Spezialisten bauen das Auto mit viel Handarbeit – um in Sachen Qualität Konkurrenten wie Tesla abzuhängen.

Beim künstlichen Klang des E-Tron GT überlassen die Soundingenieure nichts dem Zufall, auch wenn das aus einer Rohr-Ventilator-Kombination stammende Grundgeräusch recht handfesten Ursprungs ist. Mit einer eigenen Firmensoftware haben Spezialisten den Sound solange bearbeitet, bis er für sämtliche Fahrsituationen passte. Bei der Mitfahrt klang der E-Tron GT nie unangenehm laut oder nervig, tatsächlich war die Geräuschkulisse immer eher vornehm zurückhaltend – und auf jeden Fall so, dass sie aktuell als futuristisch durchgehen kann.

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