11/2021, Kandi K32 EV Elektro-Pickup Kandi America
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11/2021, Kandi K32 EV Elektro-Pickup 15 Bilder

Kandi K32 EV: Der wohl schwächste Elektro-Pickup der Welt

Kandi K32 EV Der wohl schwächste Elektro-Pick-up der Welt

Mit dem K32 will der chinesische Hersteller Kandi den gerade in Schwung geratenden US-Markt für Elektro-Pick-ups aufmischen. Doch die Daten machen stutzig.

Manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen – auch und vor allem in der Automobilwelt. Nehmen wir das hier vorgestellte Modell als aktuelles Beispiel: Kandi America, ein Ableger des chinesischen Fahrzeug-Herstellers Kandi Technologies Group Inc., inszeniert seinen Neuling K32 EV als kernigen Offroad-Pick-up, der erbarmungslos durch den Schlamm pflügt und problemlos kleine Motorräder auf seiner Ladefläche aufnimmt. Ein robuster Geselle mit mächtig Elektro-Power, oder?

Auch die Dimensionen des K32 weisen in diese Richtung. 5,44 Meter lang, 1,87 Meter breit, 2,08 Meter hoch und mit einem Radstand von 3,10 Meter gesegnet, spielt der Chinese größentechnisch in der Liga eines Ford Ranger (5,28 bis 5,55 Meter je nach Kabinen- und Pritschen-Konfiguration) oder Chevrolet Colorado (5,40 bis 5,71 Meter). Auch das Leergewicht (knapp 1,9 Tonnen), die Sitzgelegenheiten (vier) und die Räder (17-Zöller mit Reifen der Dimension 265/65 R17) lassen einen ausgewachsenen Pick-up erwarten, der zudem von zwei Elektromotoren angetrieben wird und somit über einen Allradantrieb verfügt.

Schwachbrüstig und langsam

Doch die technischen Daten passen eher zu denen eines elektrischen City-Flohs. Kandi gibt auf seiner US-Website an, dass der Hersteller beim K32 – wie schon bei anderen Modellen – Elektromotoren des Typs YS220H020 verwendet. Deren Nennleistung: sehr schmale 21 kW / 28,5 PS pro Exemplar. Da der Pick-up jedoch über deren zwei verfügt, dürfte sich die Leistung auf 42 kW / 57 PS verdoppeln. Richtig klar wird das zwar weder auf der Internetseite noch bei der Lektüre des begleitenden Pressetextes. Aber die Tatsache, dass die Leistung des nur mit einem YS220H020-Motor ausgerüsteten und in China erhältlichen Elektro-SUV Kandi EX3 EV mit 21 kW angegeben wird, stützt die 42-kW-These beim K32.

11/2021, Kandi K32 EV Elektro-Pickup
Kandi America
Trotz überschaubarer Leistung spritzt der Schlamm aus den Radkästen.

So oder so: Große Sprünge bei den Fahrleistungen sind weder mit 28,5 noch mit 57 PS drin, wenn sie ein fast zwei Tonnen schweres Auto bewegen müssen. Entsprechend gemächlich ist der Kandi K32 EV unterwegs: Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der Elektro-Pick-up bereits bei 105 km/h. Die Chinesen bieten das Modell in den USA mit zwei Batterie-Optionen an: Die 20,7-Kilowattstunden-Variante ermöglicht eine Reichweite von 97 Kilometern. Mit dem 50-Kilowattstunden-Akku sollen maximal 241 Kilometer drin sein. Schnelles Laden ist mit dem K32 ebensowenig möglich wie schnelles Fahren: Eine leere Batterie ist frühestens nach siebeneinhalb Stunden wieder vollgeladen.

Discount-Chic im Innenraum

Innen bietet der Kandi K32 die typische Anmutung eines asiatischen Discount-Automobils. Fotos präsentieren eine Plastik-Landschaft samt mit Kunstleder bezogenen Sitzen, deren andersfarbige Akzentnähte ein höherwertiges Ambiente suggerieren sollen. Das Lenkrad verzichtet auf Multifunktionalität, die Fahrstufen werden per Drehschalter auf der Mittelkonsole gewählt. Tacho und Co. sind digital ausgeführt, während ein zentral sowie hochformatig positionierter Touchscreen als Kommandozentrale dient. Der Kandi K32 bietet Bluetooth-Konnektivität und eine Rückfahr-Kamera, aber nur Airbags für die vorderen Passagiere. Als aktive Sicherheits-Systeme müssen ABS und ein elektronischer Bremskraft-Verstärker reichen.

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Kandi America
Viel Kunststoff-Charme im K32-Interieur. Der zentrale Touchscreen steht hochkant.

Doch zurück zur Fragestellung vom Textanfang: Wie also liegen die Dinge beim Kandi K32 EV? Dem Aussehen und den Ausmaßen nach ist er klar der Kategorie Elektro-Pick-up zuzuordnen. Doch Kandi America positioniert den K32 im Pressetext als "geländegängiges, vollelektrisches UTV mit Doppelmotor und Allradantrieb". UTVs sind eigentlich Quads mit Nutzfahrzeug-Anspruch und Ladefläche, die beispielsweise von Winterdiensten, im Forstbetrieb oder in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Diese Geräte sind jedoch eigentlich nur etwa halb so groß und schwer wie der Kandi. Und günstiger: Mit der kleinen Batterie kostet der K32 mindestens 27.699 Dollar (aktuell gut 24.200 Euro). Die Version mit großem Akku ist ab 34.499 Dollar (etwas mehr als 30.000 Euro) erhältlich.

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4671 Mal abgestimmt
Braucht der US-Markt ein Elektro-UTV, das auf Pick-up macht?
Super Konzept! Der K32 hat doch alles, was man braucht.
Totaler Blödsinn! Wenn der K32 beladen ist, kommt er doch nicht mehr vom Fleck.

Fazit

Die Frage, ob er für elektrisch angetriebene Pick-ups bereit ist, hat der US-Markt längst mit einem klaren "ja" beantwortet. Aber ist er auch bereit für ein schwächlich motorisiertes UTV, das beim Aussehen und von den Dimensionen her auf Elektro-Pick-up macht? Die Antwort auf diese Frage steht noch aus, aber eine gehörige Portion Skepsis ist angebracht. Zumal sich der Kandi K32 preislich nicht gerade auf allerniedrigstem Niveau einordnet.

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