Der britische Hersteller Morris Commercial hat auf der EE West Show im englischen Cheltenham eine neue Vorserienversion des Elektrotransporters JE vorgestellt. Der Transporter mit den niedlichen Kulleraugen soll die traditionsreiche britische Marke Morris Commercial zurück auf die Straße bringen. Nach Angaben des Unternehmens wurden zuletzt vor allem die technische Erprobung und die Produktionsplanung vorangetrieben.
Oldtimer als Vorbild
Der Morris JE orientiert sich optisch am historischen Morris J-Type, der von 1949 bis 1960 gebaut wurde und zu den bekanntesten britischen Kleintransportern der Nachkriegszeit zählt. Schon 2019 hatte Morris Commercial die moderne Interpretation des Klassikers vorgestellt. Damals war vorgesehen, die Serienfertigung im Jahr 2021 aufzunehmen. Finanzierungsprobleme führten jedoch zu deutlichen Verzögerungen. Im Jahr 2023 sprach das Unternehmen nach einer neuen Finanzierungsrunde von einem Produktionsstart Anfang 2024. Auch daraus wurde nichts.
Nun nennt Morris Commercial einen neuen Fahrplan. Demnach soll die Pilotproduktion im Jahr 2027 beginnen. Die eigentliche Serienfertigung ist, diesmal ganz bestimmt, für 2028 vorgesehen. Produziert werden soll zunächst in Milton Keynes, wo die Fertigung der Verbundwerkstoff-Komponenten angesiedelt wird. Die Serienproduktion soll anschließend in St Athan in Südwales erfolgen.
Technisch bleibt der Morris JE seinem ursprünglichen Konzept treu. Der Transporter setzt auf eine Karosserie in Monocoque-Bauweise aus recycelter Kohlefaser, kombiniert mit einem Aluminium-Chassis. Nach Unternehmensangaben handelt es sich dabei um den ersten Nutzfahrzeugaufbau dieser Art. Das Fahrzeug ist modular ausgelegt und soll neben der Kastenwagenversion auch als Pick-up, Minibus oder Camper angeboten werden können.
Form aus dem letzten Jahrhundert
Das Design übernimmt zahlreiche Merkmale des historischen Vorbilds. Dazu zählen die markante Frontpartie mit angedeutetem Kühlergrill und freistehenden Rundscheinwerfern ebenso wie die stark gewölbte Dachlinie. Hinzu kommen seitliche Schiebetüren und hinten angeschlagene Hecktüren. Im Innenraum setzt Morris auf ein bewusst schlicht gehaltenes Layout mit wenigen Bedienelementen und individuell konfigurierbaren Farbvarianten.
Auch bei den technischen Eckdaten orientieren sich die aktuellen Angaben weitgehend an früheren Ankündigungen. Die Zuladung soll bis zu 1.000 Kilogramm betragen. Das zulässige Gesamtgewicht wird mit 2,5 Tonnen angegeben. Für den Laderaum nennt Morris nun ein Volumen von bis zu 6,0 Kubikmetern. Frühere Angaben lagen bei bis zu 6,5 Kubikmetern und einer Ladelänge von 2,4 Metern.
480 Kilometer Reichweite
Bei der Reichweite spricht das Unternehmen aktuell von bis zu 300 Meilen beziehungsweise rund 480 Kilometern. 2023 war noch von etwa 400 Kilometern die Rede. Geladen werden soll der Akku von 20 auf 80 Prozent innerhalb von rund 30 Minuten. Zusätzlich verweist Morris auf eine besonders leistungsfähige Schnellladeoption, die denselben Ladehub innerhalb von zehn Minuten ermöglichen soll. Nähere technische Details zum Batteriesystem wurden bislang nicht veröffentlicht.
Auch zu möglichen Preisen hält sich das Unternehmen bedeckt. Vor Jahren wurde die Zahl 60.000 Pfund in den Raum gestellt, aktuell wären das umgerechnet rund 69.300 Euro. Es darf vermutet werden, dass zu einem solchen Tarif der Erfolg bei scharf rechnenden Gewerbekunden überschaubar bleiben dürfte, zumal in der Zwischenzeit moderne Elektro-Transporter erheblich weniger kosten.
Aus gewerblicher Sicht könnte auch die hübsche Karosserieform ein Hemmschuh sein. Die Form mit der runden Dachlinie und den herausgeformten Kotflügeln verschenkt gegenüber einem modernen Kastenwagen einiges an Ladevolumen.







