Im zweiten Quartal 2026 wurde bei privaten Fahrzeugwechseln im Bestand der HUK in 12,0 Prozent der Fälle ein Verbrenner durch ein reines Elektroauto ersetzt. Zu Jahresbeginn lag dieser Wert noch bei 6,3 Prozent. Der Sprung ist damit in etwa eine Verdopplung innerhalb weniger Monate.
Besonders klar wird der Trend beim Blick auf die Kilometerleistung, also die jährliche Fahrstrecke eines Autos. Vielfahrer mit mehr als 12.000 Kilometern pro Jahr wechseln laut HUK deutlich häufiger auf ein E‑Auto als Wenigfahrer mit bis zu 6.000 Kilometern. Die Umstiegsquote liegt bei Vielfahrern bei 14,7 Prozent, bei Wenigfahrern bei 8,0 Prozent.
Noch stärker ist der Unterschied ausgerechnet im Gebrauchtmarkt. Dort wechseln 10,7 Prozent der Vielfahrer vom Verbrenner zum gebrauchten Stromer. Bei den Wenigfahrern sind es 4,5 Prozent.
Die HUK sieht dafür mehrere Indizien, die in dieselbe Richtung zeigen. Ein wichtiger Treiber seien die seit Kriegsbeginn im Nahen Osten stark gestiegenen Spritpreise. Wer viel fährt, bekommt diese Kostensteigerung Monat für Monat zu spüren.
Gebrauchte sind schneller verfügbar
Dass die Umstiege auf gebrauchte E‑Autos stärker zulegen als auf vollelektrische Neuwagen, deutet auf einen pragmatischen Effekt hin. Gebrauchtwagen sind in der Regel sofort verfügbar. Neuwagen können dagegen von Bestell- und Lieferfristen betroffen sein.
Hinzu kommt ein psychologischer Punkt: Gebrauchte senken die Einstiegshürde, weil nicht zwangsläufig der volle Neuwagenpreis finanziert werden muss. Gerade für private Haushalte ist das relevant. Denn hier konkurriert die Autoentscheidung direkt mit anderen Ausgaben.
In der begleitenden, bundesweit repräsentativen Umfrage geben 24 Prozent der Führerscheininhaber an, allein wegen der Spritpreisentwicklung erstmals über ein E‑Auto nachgedacht zu haben oder eine Anschaffung vorzuziehen. Dieser Stimmungsumschwung wirkt wie Rückenwind für den Gebrauchtmarkt. Dort treffen neue Kaufimpulse auf Fahrzeuge, die sofort gekauft und zugelassen werden können.
Betriebskosten werden zum Argument
Ein Kostenvergleich wird aber schnell kompliziert, weil nicht nur "Strom statt Sprit" zählt. Dazu kommen Posten wie Versicherung, Wartung und vor allem der Wertverlust, also der Betrag, den ein Auto über die Zeit an Marktwert verliert. Gerade beim Gebrauchtkauf verschieben sich diese Gewichte, weil ein Teil des Wertverlusts schon beim Vorbesitzer angefallen ist.
Der ADAC betont in seinem Kostencheck deshalb, dass der Kaufpreis "nur die halbe Wahrheit" ist. Er rechnet Gesamtkosten, in denen neben Strom auch Wertverlust, Versicherung, Wartung, Reifen und weitere Positionen enthalten sind. Für Vielfahrer ist das entscheidend, weil sich die laufenden Posten über viele Kilometer verteilen – oder eben aufaddieren.
ADAC-Rechenmodell als Maßstab
Der ADAC kalkuliert seine Autokosten standardisiert über fünf Jahre und 75.000 Kilometer. Das entspricht einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern und liegt damit nah an dem, was viele als "Vielfahrer" empfinden. Damit eignet sich dieses Modell gut als Orientierung, ohne dass es den individuellen Tarif oder das persönliche Ladeprofil ersetzen kann.
In die Rechnung fließen laut ADAC mehrere Blöcke ein. Berücksichtigt werden der Wertverlust, Stromkosten, Inspektionen und Verschleißteile, Reifenersatz, Haftpflicht- und Vollkasko sowie die jeweils aktuelle Kfz‑Steuer. Als Basis nutzt der ADAC Verbrauchswerte nach WLTP, also dem offiziellen Messzyklus, der auf dem Prüfstand ermittelt wird.
Der ADAC zeigt außerdem, dass günstige und kleine E‑Autos in solchen Gesamtvergleichen typischerweise weit vorn liegen. Als Beispiel nennt er Modelle wie Dacia Spring, Citroën ë‑C3 oder Hyundai Inster. Für Vielfahrer bedeutet das nicht automatisch, dass ein Kleinwagen immer passt. Es zeigt aber, warum "bezahlbar" im Gebrauchtmarkt eine Schlüsselrolle spielt.
Trotzdem bleibt die Richtung klar: Die HUK sieht in elektrischen Gebrauchtwagen einen möglichen "Gamechanger". Der Grund ist nicht ein einzelner technischer Vorteil, sondern die Kombination aus Verfügbarkeit, geringerer Einstiegshürde und dem unmittelbaren Druck durch hohe Betriebskosten bei hoher Kilometerleistung.












