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Elektroauto von Dyson

Das Staubsauger-Auto, das nie gebaut wird

Dyson hat sein Elektroauto-Projekt aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Jetzt gibt es Bilder des intern N526 genannten Autos, das 2020 auf den Markt kommen sollte.

Die Ankündigung von Firmenboss James Dyson kam im Oktober 2019 überraschend. Man habe sich entschlossen, das Elektroauto-Projekt einzustellen, teilte Dyson auf der Firmenhomepage mit. Es läge nicht am Produkt, sondern an der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit. Man habe nach einem Käufer gesucht, der das Projekt fortführen wollte, aber keinen gefunden. Auch wenn das Projekt damit begraben werde, habe man viel daraus gelernt. Vor allem in Sachen Batterietechnologie, die man für die übrigen Dyson-Produkte nutzen werde. Für die vom Projekt-Stopp betroffenen Mitarbeiter versuche man andere Stellen im Unternehmen zu finden.

Dennoch sind jetzt erste Bilder vom gekillten Auto aufgetaucht, die im Rahmen eines Interviews von James Dyson mit der englischen Tageszeitung "Sunday" Times aufgenommen wurden. Dyson gilt mit einem geschätzten Vermögen von 18 Milliarden Euro als reichster Mann Großbritanniens. Satte 540 PS und ein Drehmoment von 650 Newtonmeter sollten den 2,6 Tonnen schweren Stromer in 4,8 Sekunden auf Tempo 96 und weiter auf 200 km/h beschleunigen. Pro Achse sollte ein 200 kWh starker Motor verbaut sein. Mit einer Ladung sollen fast 1.000 Kilometer möglich sein.

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Dyson
Das Interieur wirkt futuristisch.

Die E-Auto-Ambitionen von Dyson klangen einst euphorisch. Man komme mit den Planungen zum Bau eigener Elektroautos voran, hieß es lange. Das Investitionsvolumen in das Projekt sollte einem internen Schreiben des Firmengründers Sir James Dyson zufolge bei 2,3 Milliarden Euro liegen. Aus seinem eigenen Vermögen stammen über 600 Millionen Euro. Das Fahrzeug mit dem Codenamen N526, hätte laut Dyson 170.000 Euro kosten müssen, um profitabel zu sein. Echte Sorgen muss sich jedoch niemand um James Dyson machen. Allein im letzten Jahr konnte er weitere vier Milliarden Euro zu seinem nun 18 Milliarden großen Vermögen hinzuverdienen.

Dyson
Das geplante Testgelände soll neben 10 Kilometern Versuchsstrecke auch Platz für bis zu 2.000 Mitarbeiter bieten.

Zuletzt arbeiteten 500 Menschen bei Dyson am Autoprojekt, 200 weitere Stellen sollten noch besetzt werden. Auf dem ehemaligen Flugplatz Hullavington nahe Bristol wollte Dyson ein Testgelände errichten. Mit einer Investition von 200 Millionen Pfund (ca. 223 Millionen Euro) sollten dort eine zehn Kilometer lange Teststrecke sowie 45.000 Quadratmeter Gebäudefläche mit Büros, Gastronomie und Freizeitflächen für bis zu 2.000 Menschen entstehen.

Die Pläne für die Teststrecke umfassten ein Offroad-Areal, einen Handlingparcours und Möglichkeiten zum Test der Fahrzeugstabilität mit der Simulation von Ausweichmanövern.

Erste Patentzeichnungen

Dyson Auto Patentzeichnung
Dyson

Wie das kommende Dyson-Auto aussehen sollte, enthüllten bereits Zeichnungen zur Patentanmeldung. Die Bilder zeigen einen langgestreckten Crossover im Monospace-Design mit extrem kurzen Überhängen an Front und Heck sowie einer niedrigen Dachlinie und einem langen Radstand. Im Innenraum werden drei Sitzreihen angedeutet, die vermutlich sieben Sitzplätze bereithalten. Eine üppige Bodenfreiheit soll einen breiten Einsatzbereich bieten. Die flach stehende Windschutzscheibe scheint sich bis ins Dach hineinzuziehen. Beim Räderwerk scheint Dyson auf gewaltige Räder zu setzen. Diese schneiden nicht so viel Raum aus dem Interieur und sind zudem in Sachen Rollwiderstand günstiger. Das Dyson-Auto ist knapp fünf Meter lang, zwei Meter breit und 1,70 Meter hoch. Der Radstand dürfte bei rund 3,30 Meter liegen.

Lithium-Ionen-Akkus als Brückentechnologie

Die Gerüchte, dass Dyson Elektroautos bauen wolle, gab es schon seit 2016. Die eine Hälfte von Dysons Milliardeninvestition ist britischen Medienberichten zufolge für die Fahrzeugentwicklung vorgesehen, die andere Hälfte soll in eine neue Batterietechnik investiert werden. Dyson setzt demnach auf Feststoffbatterien, die als nächste Generation von Hochleistungsbatterien nach der Lithium-Ionen-Technologie gelten. Bislang sei noch kein Fahrzeug-Prototyp gebaut worden, der Elektromotor sei aber schon fertig.

Dyson entwickelt eigene Batterietechnik

In der Grundlagenforschung für die Feststoffbatterien sei man schon weit vorangeschritten. Jetzt gehe es darum, die industrielle Fertigung auf Kiel zu legen. Die neue Batterietechnologie für die Dyson-Elektroautos soll auf dem Dyson-Technologie-Campus in Wiltshire entstehen. Um schneller an das zusätzlich notwendige Personal zu kommen, habe man sich entschlossen, die Elektroautopläne jetzt öffentlich zu machen. Auch die Gespräche mit potentiellen Zulieferern werden so leichter. Eine Zusammenarbeit mit etablierten Autobauern lehnt Dyson ab.

Wie die Automobilwoche berichtet, hat Dyson bereits beim Sportwagenbauer Aston Martin schon den Chefeinkäufer David Wyer sowie mit Ian Minards den Leiter der Produktentwicklung abgeworben. Zudem verpflichtet Dyson den ehemaligen BMW- und Infiniti-Manager Roland Krüger als Leiter seines Elektroauto-Projekts.

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Das erste von drei Modellen soll mit Lithium-Ionen-Batterien laufen, auf 10.000 Stück limitiert und eher höherpreisig sein. Die beiden folgenden Modelle sollen auf Feststoff-Batterien setzen. Dazu hatte Dyson 2015 das auf Feststoff-Batterien spezialisierte Startup Sakti3 gekauft. Dyson rechnet mit einem schnellen Wachstum der neuen Elektroautosparte. Zu einem möglichen Preis sagte Dyson nur: Das Fahrzeug werde nicht günstig sein. Den Hauptabsatzmarkt sieht Dyson in Fernost.

Gebaut werden sollen die Elektroautos von Dyson in Singapur, und nicht in Großbritannien. Für Singapur spreche die Nähe zu den wichtigen asiatischen Märkten sowie die Infrastruktur und die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitern, erklärte Dyson seine Standortentscheidung. Auch die Firmenzentrale des Autoprojekts wurde von Großbritannien nach Singapur verlagert.

Fazit

Mit Geld lässt sich eben doch nicht alles bewerkstelligen. Das musste nun auch James Dyson, der reichste Mann Großbritanniens am eigenen Leib erfahren. Dass er während dieser Pleite über vier Milliarden Euro reicher wurde, steht auf einem anderen Blatt.

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