9/2022, Dallara Stradale Fahrbericht Bernd Conrad
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Dallara Stradale: Rennwagen mit Straßenzulassung

Dallara Stradale Fahren ohne Filter

Kein Komfort, dafür ein Fahrvergnügen ohne Weichzeichner. Wir waren um Dallara Stradale unterwegs. Nicht auf der Rennstrecke, sondern artfremd im öffentlichen Straßenverkehr.

Mit viel Geld kann man sich Luxus kaufen. Oder auch ganz bewusst darauf verzichten. Schweigewoche im Kloster statt Wellnesshotel. Hartes Sporttraining mit persönlichem Betreuer anstatt einer Alibirunde Golf vor dem Besuch des Clubhauses. Oder der Griff zu einem Auto wie dem Dallara Stradale anstatt eines McLaren, Lamborghini oder Ferrari.

Da … was? Okay, klären wir erstmal auf, was wir hier vor uns haben. Das italienische Unternehmen Dallara ist ein Spezialist für Rennwagen-Chassis, konstruiert und baut sie nicht nur für die Formel E. Ende der 1990er Jahre startete sogar ein eigenes Dallara-Team in der Formel 1. Irgendwann entschlossen sie sich, doch auch mal ein Auto mit Straßenzulassung zu machen. Gesagt, getan.

Seit 2017 wird der Dallara Stradale gebaut. In homöopathischen Mengen. Insgesamt sollen nur 600 Autos entstehen. Die Dörr Group, deutscher Händler für Luxus- und Sportwagen und Repräsentant für Dallara, hat 2021 sechs Stradale in kundige Hände verkauft.

Bei rund 180.000 Euro beginnt die Konfiguration, nach oben ist vieles möglich. Windschutzscheibe? Kostet Aufpreis – fünfstellig, dann aber mit Klimafunktion für die Insassen. Dach und Tür-Luken? Gehen extra. Ebenso der mächtige Heckflügel, der bei Höchstgeschwindigkeit (280 km/h) für 820 kg Anpressdruck sorgt. Und dann kann man auch noch die Karosserie aus Kohlefasermaterial bestellen. So wie beim hier gezeigten Testwagen, der etwa 300.000 Euro teuer ist.

Eine Preisregion, in der man auch einen Lamborghini Huracán STO oder einen gut ausgestatteten Ferrari Roma verortet. Beides sind seltene, schnelle Sportwagen. Das gilt auch für den Dallara Stradale, der im Gegensatz zu den genannten Nicht-Konkurrenten aber auf Komfort für Fahrer und Beifahrer verzichtet. Fast.

Einsteigen nach Anleitung

9/2022, Dallara Stradale Fahrbericht
Bernd Conrad
Irgendwann ist man dann drin. Wie das geht, zeigen wir im Video zu diesem Fahrbericht.

Das zeigt schon die Frage nach dem Einstieg in die Kanzel. Die Antwort: Du setzt dich auf die Karbonkarosserie (ja, das hält sie aus), am besten mit geöffneter Dachluke. Dann kommt das linke Bein ins Auto, der Fuß auf eine Ausbuchtung im Fahrersitz. Jetzt das andere Bein nachfalten, ohne den Außenspiegel abzureißen, beide Füße in den Fußraum fädeln und die linke Hand zur Abstützung an der Karosserie verwenden.

Dann sitzt man tatsächlich im Stradale. Auf einem nicht verstellbaren Sitz. Immerhin die Pedale lassen sich in ihrer Längsposition einstellen, ebenso das Lenkrad. Auch hier zeigt sich, dass der Dallara Stradale mehr Track Tool als Gran Turismo ist. Wie bei Rennwagen bedient der Fahrer alle wichtigen Funktionen am Lenkrad, vom Blinker über die Lichthupe (wichtig z.B. bei Überrundungen), der Anzeige von Rundenzeiten und Eingriff in die Leistungssteuerung. Feedback, auch zur Drehzahl und der Geschwindigkeit, gibt es Display hinter dem Volant. Die Hand rutscht nach rechts auf die Mittelkonsole. Erster Druck auf den Startknopf. Auch hier gilt es, wie beim Einsteigen, ein Prozedere zu befolgen. Die Systeme im Auto fahren hoch. Dann weckt ein zweiter Druck den Motor auf.

Vierzylinder-Turbo aus dem Ford Focus RS

Dallara EXP Trackcar
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Direkt hinter den Passagieren steckt ein mittig im Auto platzierter Ford-Vierzylinder in der Flunder. Das Aggregat mit 2,3 Litern Hubraum arbeitete einst im Ford Focus RS, dort mit 350 PS. Änderungen am Turbolader und der Ladeluftkühlung sowie die neue Abgasanlage sorgen im Dallara Stradale für mehr Leistung: 400 PS stehen im Datenblatt. Die treffen auf nur gut 900 Kilogramm Fahrzeuggewicht, was schon beim nüchternen Vergleich der Zahlen für Herzrasen sorgt.

Auch ohne jegliches Dämmmaterial wird aus dem Klang des Vierzylinders keine Fanfare. Laut ist es aber dennoch, vor allem im Cockpit. Per Zug am Schaltpaddel wird der erste Gang eingelegt, begleitet vom Arbeitsgeräusch der Ölpumpe und einem Klacken im Getriebe. Der Testwagen ist mit der optionalen Doppelkupplungsbox ausgestattet, Serie ist eine manuelle Sechsgangschaltung.

Also doch Luxus im Renner? Nicht unbedingt. Denn schon der erste Gangwechsel im Automatik-Modus nach dem Anfahren zeigt, dass die überraschend langen Pausen mit Leistungsabriss nicht zum Charakter des Autos passen. Kein Problem: Per Tastendruck wechselst du am besten in den manuellen Modus, bestimmst dann mit den Schaltpaddels in Eigenregie die Übersetzungen. Dabei hilft es, stets im richtigen Moment den Gasfuß kurz zu lupfen.

Fahren, pur

9/2022, Dallara Stradale Fahrbericht
Bernd Conrad
Uns gehörte zwar nicht die Welt. Aber immerhin hatten wir Spaß auf einer gesperrten Landstraße.

Dann brettert der Stradale über die Landstraße, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nicht nur die Mechanik im Kohlefaserkleid teilt jedes Detail mit, sondern auch der Straßenbelag. Fahren ohne Filter eben. Wellige Untergründe oder gar so etwas allerweltliches wie Wurzelaufbrüche mag der Dallara weniger, wirkt unruhig. Frischer Asphalt – oder eben eine Rennstrecke als eigentliches Spielfeld – nimmt er lieber unter die Pirellis. Kurze Zuckungen am Lenkrad reichen aus, damit das Auto auf der angepeilten Linie ums Eck geht. Die richtige Dosis Gewicht am Gasfuß hast du schnell verinnerlicht und reitest damit am Tempolimit entlang deine Welle. Ebenso wuchtig wirft die Bremse den Anker. Wenig Masse kann eben schnell verzögert werden.

Trotz erwähnter Klimataste, die schlicht und einfach die Kühlung unterstützt, aber keine Einstellmöglichkeiten bietet, wird es schnell warm in der Kuppel. Von oben strahlt die Sommersonne, von hinten temperiert der Motor. Und die volle Konzentration sorgt für zusätzliche Hitze.

Vor der Abkühlung kommt das Aussteigen. Besser gesagt, das Herausklettern. Auch hierfür empfiehlt sich ein Grundverständnis von körperlichen Bewegungsabläufen. Türelement nach oben klappen, Arm auf die Karosserie und hochziehen. Dann folgen die Beine, der rechte Fuß findet wieder seinen Platz in der entsprechenden Mulde im Sitz. Erst faltest du ein Bein am Spiegel vorbei, dann das zweite. Geschafft. Und dann der Gedanke: Was soll ich hier draußen? Los geht’s zur nächsten Ausfahrt!

Fazit

Mit rationalen Gedanken kann und muss man einem kompromisslosen Auto wie dem Dallara Stradale nicht entgegentreten. Der Italiener fühlt sich bei Track Days auf der Rennstrecke am wohlsten, muss dort aber nicht auf einem Hänger anreisen. In den Garagen der solventen Kunden dürfte er nicht der einzige Sportwagen sein. Andere eigenen sich besser zur Ausfahrt am Wochenende. Für puren Fahrspaß ohne Nebenschauplätze wird aber gewiss er herausgeholt.

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