Mercedes-AMG SL (2021) Deniz Calagan
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Mercedes-AMG SL (2021) 20 Bilder

Neuer Mercedes-AMG SL (2021) im Fahrbericht

Mercedes-AMG SL (2021) Wieviel Sport und Luxus stecken im neuen SL?

Hardbody mit Stoffverdeck und Allradantrieb – so beendet der Mercedes-AMG SL die Ära der saturierten Mercedes-Roadster. Ohne bei aller Dynamik den standesgemäßen Komfort aufzugeben. Sogar Rücksitze hat er!

Warum sollte es dem Mercedes SL anders gehen als uns Menschen? Über die Jahre wirst Du bequem, der Rocker in Dir verschwindet, das leichte Bäuchlein verdrängt das Waschbrett. Trotz voller Taschen und jeder Menge Erfahrungen fehlt irgendwas. Die Leichtigkeit, die Frische. Bämm! Es muss sich was ändern. Dachte auch Mercedes und schickte den SL zu AMG. Ab ins Affalterbach-Gym. Weg mit dem Gefühl, das beste letzte Auto zu sein. Denn das brachten R129, R 230 und R 231 so gut rüber, wie kaum andere – ja was eigentlich? Roadster, Coupés oder Cabrio? Egal, ob mit Stoffverdeck und vier Sitzen (R129) oder als Zweisitzer mit Klappverdeck, es gab kaum was Besseres auf der Suche nach dem letzten Auto. Gediegen und stressfrei, jedoch ohne Hipness und jegliche Drahtigkeit. Denn das ging dem SL komplett ab, ganz gleich, wie viel Leistung sie in die Motoren zimmerten und wie ausgefuchst ihre Fahrwerke waren. Beispiel: der R 230 mit aktivem ABC-Fahrwerk und 5,4-Liter-Kompressor. Der ließ seine PS und Newtonmeter grundsätzlich und vorsätzlich stets dutzendweise angaloppieren. Ganz gleich ob mit 476, 500 oder 517 PS. Reichlich 700 Newtonmeter zwirbelten die Antriebswelle, rasierten die Hinterreifen, vergaßen bei Vollgas ihren honorigen Auftrag. Irre. Sowas geht heute nicht mehr.

Der aktuelle SL kommt von AMG und fühlt sich auch so an. Beginnend beim aufwendigen Karosseriebau, der mit hoher Steifigkeit die Plattform für exaktes Fahrverhalten und Komfort schafft. Materialauswahl und Dimensionierung optimiert, Lastpfade ausgeklügelt. Steifer war noch keiner, da guckt sogar Halbbruder AMG GT soft aus der Wäsche. Quersteifigkeit plus 50, Längssteifigkeit plus 40, Torsion gesamt 18 Prozent. Ebenfalls verbessert: die Einleitungsteifigkeit, wichtig für die Arbeit der Federelemente. Hm, ob das wohl irgendwas für den Nachfolger des GT bedeutet?

Vier Sitze, Allradantrieb, Hinterachslenkung

Egal, wer nicht im Kofferraum einer mattschwarzen AMG-Limousine enden will, sollte weder sowas noch Halbbruder denken, sondern brav das Mantra der solitären SL-Entwicklung raunen. Denn: Kein Karosserieteil entspricht dem Vorgänger oder dem AMG GT Roadster. Sagt AMG. Ach, ist ja auch glaubhaft, angesichts der übrigen Novitäten wie den vier Sitzen, serienmäßigem Allradantrieb, neuer Fünflenker-Vorderachse oder dem fuchsigen Dämpfersystem. Damit sollte der Verdacht einer kostenoptimierten Regal-Lösung gar nicht erst am Horizont auftauchen.

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Der mittige Zwölfzoll-Touchscreen lässt sich in einem Winkel zwischen 12 und 32 Grad ausrichten.

Aber tauchen wir doch lieber Richtung Horizont ab. Reinsetzen. Staunen. Ob das Teil nun sinnliche Klarheit besitzt, wie Designchef und PR-Megaprofi Gorden Wagener postuliert oder nicht – völlig egal. Der neue Mercedes-AMG SL passt der U-30-Millionärin ebenso wie dem drahtigen Mittelständler oder dem solventen Best Ager. Wobei: man sollte keine Allergie gegenüber kapazitiven Touchflächen und Berührungsbildschirmen haben, sowie Menüstrukturen mögen. Ansonsten könnte es beim Bedienen mühselig und etwas fordernd werden. Insgesamt haben sie den SL aber gut hinbekommen bei AMG. Kein Kompromiss, kein Spagat. Einfach SL, wenn auch eher Slim Fit-Zuschnitt als Oversize. Dazu gehören die körpergerechten, zupackenden Sportsitze ebenso wie die passende Ergonomie, anspruchs-adäquat hochwertige Anmutung und Verarbeitung in Leder und Karbon. Das gegenüber dem Variodach 21 Kilogramm leichtere dreilagige Stoffverdeck spannt sich in 15 Sekunden mit seiner Stahl-Alu-Konstruktion aus der Z-Faltung seiner Stoffwanne, der mittige Zwölfzoll-Touchscreen richtet sich in einem Winkel von zwischen 12 und 32 Grad nach Wunsch aus. Für den Fall, dass das Licht ungünstig einfällt.

Faser-Schlossbrücke und Airscarf

Auf unserer Tour von Newport Beach nach Palm Springs fällt heute nicht allzu viel Sonnenlicht ein, dafür können Airscarf und die Klimatisierung zeigen, wie sie geschmeidig und zugfrei Wohlfühlklima schaffen, selbst wenn die Außentemperatur wechselt. Angesichts von Pazifikflair und kurvigen Gourmetstrecken Richtung Coachella sollten sie in Affalterbach "Kalifornien" auf die Aufpreisliste setzen. Für permanentes Cali-Feeling, auch in Gütersloh oder Wuppertal. Der Mercedes-AMG SL spielt jedenfalls mit. Schnuffelt lässig, schiebt auf Wunsch proportional und druckvoll an. Präzise und komfortabel. Die Alu-Schubfelder im Unterboden sowie funktionsintegrierte Streben an Vorder- und Hinterwagen lümmeln gelangweilt rum, während wir über den Instrumententräger aus Magnesium oder die Schlossbrücke (die Motorhaubenschloss und -fänger hält) aus einem Fasermix aus Glasfaser und Carbon sinnieren. Bestanden Schlossbrücken nicht früher aus Stein und Fels? Scherz. Kein Scherz: der solide Frontscheibenrahmen aus warm umgeformtem Stahlrohr, der gemeinsam mit den ausfahrenden Bügeln hinter den Rücksitzen bei Überschlägen schützt.

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Airscarf und Klimatisierung schaffen auch bei offenem Verdeck zugfreies Wohlfühlklima.

Wir schützen uns mit passender Fahrweise davor, was keine Einbußen bei der Dynamik bedingt. Das aufwendige Fahrwerk mit Aluminium-Multilenker hinten und jetzt auch vorn sowie Leichtbau-Schraubenfedern und einem ausgeklügelten Dämpfersystem kombiniert gediegenen Komfort mit dem AMG-Anspruch. Anders als konventionelle Wankstabilisierungen setzt der SL 63 nicht auf elektrisch verstellbare Stabis, sondern nutzt seine aktiven Dämpfer, verbindet alle vier – elektronisch kontrolliert – hydraulisch miteinander.

Allrad! Lenkung und Antrieb

Und erst die serienmäßige Hinterachslenkung plus Allradantrieb, der sich mit vollvariabler Momentenverteilung um die verlustfreie Umsetzung der bis zu 585 PS und 800 Newtonmeter kümmert. Spürbar, denn der SL fährt ebenso traktionsstark wie handlich. Man spürt zwar die eher unsportlichen zwei Tonnen Gewicht in Gestalt angenehmer Sattheit, doch die direkte Lenkung mit festem, nie zähem Handmoment schenkt ihm flüssigen Kurvenwillen ohne Kantigkeit. Hinzu kommt die sauber abgestimmte Federung, die kleine wie große Unebenheiten gekonnt verdaut (bis auf das leicht harsche Abrollen wegen der großen Räder), das Auto dabei stets ruhig hält. Selbst wenn nach dem Rasieren curbähnlicher Unebenheiten ein Rad mal kurz in der Luft ist, steht der Apparat unmittelbar danach wieder tipptopp da.

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Bekannt und bewährt: Der vier Liter große Biturbo-V8 kombiniert Kraft mit Emotionen.

Über den Vierliter-V8 mit Neungang-Automaten, den es im Mercedes-AMG SL 55 auch mit 476 PS und 700 Nm gibt, muss man nicht allzu viel sagen. Der Biturbo ist mittlerweile gelernt, tobte in fast allen Modellen von der C- über E- und G- bis zur S-Klasse. Und natürlich in der AMG GT-Familie. Wuchtiger Sound, vollfetter Antritt und bei entsprechendem Einsatz der subversive Hauch von US-Bigblock. Neu sind Ölwanne, verbesserte Kühlung und Durchsatz sowie aktive Motorlager (je nach Version).

Venturi-Effekt und Mikrospiegel

Neues auch bei der Aerodynamik: Um den Wert von 0,31 (etwas schlechter als bisher) zu erreichen und den Zweitonner bei jedem Tempo optimal an den Asphalt zu heften, besitzt er hinterm Kühlergrill ein zweistufiges Lamellensystem, das den Kühlluftbedarf berücksichtigt. Hinzu kommt im Unterboden vor dem Motor ein aus dem AMG GT bekanntes Carbon-Profil, das ab 80 oder 100 km/h vier Zentimeter nach unten ausfährt und per Venturi-Effekt Abtrieb erzeugt (50 Kilo bei 250 km/h) sowie einen je nach Fahrmodus in fünf unterschiedlichen Winkeln ausfahrenden Spoiler am Heck, der das Fahrverhalten mitbeeinflusst. In der Regel dürfte man im Mercedes-AMG SL aber so entspannt unterwegs sein, dass weder der Puls noch der Heckspoiler nennenswert in Hektik geraten. Zumal auf Wunsch bis zu 40 Zentimeter große Keramik-Bremsscheiben mit gehörigem Biss wuchtig verzögern und sämtliche Assistenzen bis hin zum Digitallicht mit seinen insgesamt 2,6 Millionen Mikrospiegeln unterstützen. Super Lässig. Oder?

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Fazit

Irgendwie ritt der Mercedes SL schon langsam in den Sonnenuntergang. AMG holt ihn als sportiven 2+2-Sitzer wieder in die Jetztzeit. Zunächst ohne Elektro-Gedöns, dafür rundum trainiert, mit Leistung, Traktion, aktueller Hard- und Software. Damit dürfte für ihn mehr drin sein als nur der Sommerhit 2022.

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