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Mercedes-AMG SL: Mitfahrt in der nächsten Generation

Mercedes-AMG SL (2022) Alles neu beim Traditions-Roadster

Noch ist das Design der nächsten SL-Generation leicht getarnt, und zu den Antrieben wird nicht viel verraten. Aber wir durften schon mal mitfahren. Am Lenkrad: AMG-Technikchef Jochen Hermann.

Manchmal sollte man sich der historischen Tragweite des Moments bewusst sein. So wie jetzt etwa, als ich mit AMG-Technikchef Jochen Hermann ins Auto steige. Nicht irgendein Auto, sondern der neue SL, intern: R 232. Die SL-Familie ist ja nicht eine beliebige Mercedes-Baureihe, sondern die älteste. Der erste Vertreter wird an einem frostigen März-Morgen vor 69 Jahren auf der Autobahn Stuttgart–Heilbronn zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Ein futuristischer Rennsportwagen kauert auf zeitgenössischen Fotos neben einem großen 300 S Cabriolet.

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Die Türgriffe gleiten aus der Tür heraus.

Ganz so ist es heute in der Eifel nicht. Manchmal blinzelt die Frühherbst-Sonne durch die Wolken und eine Autobahn gibt es hier am Nürburgring weit und breit nicht. Der Prototyp der nächsten SL-Generation ist weiß, und nur noch recht spärlich verteilte Tarnfolien verschleiern die wahren Linien. "So wenig getarnt haben wir das Auto bisher noch nicht gezeigt", sagt Jochen Hermann, bevor er auf den Beifahrerplatz bittet. Da bleibt gerade noch genug Zeit für eine schnelle Umrundung des SL. Er wirkt kompakter und muskulöser als sein Vorgänger, zeigt unverkennbare Mercedes-Stilelemente. Die Mühe, den Stern im Panamericana-Grill abzukleben, hätte man sich sparen können. Die SL-Legende kam zwar mit dem R 231 ab 2011 etwas von der Erfolgsspur ab, doch mit dem Neuen soll das wieder anders werden. "Wir bei AMG sind uns der Riesen-Verantwortung bewusst, dass wir eine so legendäre Baureihe weiterführen dürfen", sagt Hermann, während er den weißen Wagen auf der B 258 an der Grand-Prix-Strecke, an Hotels und Tribünen vorbeilenkt.

Vertrautes Interieur

Das Interieur ist ja kein Geheimnis mehr, es wirkt vertraut samt großen Monitoren und MBUX-Bedienung. Die Fahrstufen werden mit einem Lenkstockhebel eingelegt, womöglich eine bewusste Abgrenzung vom AMG GT, der über einen Wählhebel auf dem Mitteltunnel verfügt. Und ein Hinweis darauf, dass der neue SL klar vom Supersportler AMG GT abgegrenzt wird. Neu wirkt das Lenkrad mit den drei Doppelspeichen, auf die sich die üblichen Bedienknöpfchen verteilen. Ebenfalls neu sind die zwei Knöpfe unterhalb der rechten und linken Lenkradspeiche, auf denen Fahrprogramme und Fahrwerksprogramme angewählt werden können. Hermann biegt von der Bundesstraße ab, die Straße schlängelt sich durch ein winziges Eifeldorf. Enge Gassen, ein rostiger Mondeo trödelt vor uns her. "Auch deswegen lieben wir die Eifel", scherzt der Fahrer, es gebe Verkehrs- und Straßensituationen, die auf Teststrecken nicht so einfach zu reproduzieren seien.

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Vorn fährt der SL auf 275 Millimeter breiten 21-Zöllern.

"Neben dem Grand-Prix-Kurs und der Nordschleife gibt es hier viele Straßen, auf denen wir alltägliche Anforderungen ausprobieren können", erläutert der Ingenieur und steuert den AMG SL über ein paar Gullydeckel und Wasserabläufe, bevor der rote Ford gemächlich in eine Hofeinfahrt abbiegt. Wie der Wagen sich nach der kurzen, harten und einseitigen Anregung wieder beruhige, das sei eines der Ziele bei der Fahrwerksabstimmung gewesen, sagt Hermann. Der Prototyp überbügelt die Unebenheiten geschmeidig, wirkt dabei straff und vertrauenerweckend solide. Da zahle sich die Steifigkeit im Rohbau aus, auch da sei man sehr weit fortgeschritten. Dabei ist der Unterbau des R 232 komplett neu, kein Teil stammt vom Vorgänger. Der neue Roadster basiert auf einem Aluminium-Spaceframe und einer selbsttragenden Struktur, einer Konstruktion, die hohe Steifigkeit mit möglichst niedrigem Gewicht verbindet.

Fahrversuch in Eau Rouge

Das mache sich auch in der Fahrdynamik bemerkbar, sagt der Mann am Lenkrad, das könne man unter anderem in der Eau Rouge zeigen. Eau Rouge, ist die nicht in Spa, ein paar Kilometer westlich von hier? Jochen Hermann lacht: "Wir haben hier unsere eigene Eau Rouge."

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Kurvenfahren ist mit dem neuen SL ein wahres Fest.

Er lenkt den SL aus dem Dorf über die enge Landstraße, gibt Gas. Die Straße taucht in eine Senke, kurvt in einer schönen Links-rechts-Kombi den nächsten Hügel hinauf, tatsächlich so etwas wie eine Eau Rouge en miniature. Mit den Fingerspitzen steuert Hermann das Auto. Man merke, wie stabil es liege, wie sanft und neutral es dem eingeschlagenen Lenkwinkel folge, so müsse das sein. "Das alles kann man hier ausprobieren und bleibt dabei im völlig legalen Bereich", erläutert er und deutet auf die Geschwindigkeitsanzeige im Zentraldisplay, die nie mehr als 90 km/h anzeigt.

Achtzylinder-Sound im SL

Einen Hauch schneller geht es danach Richtung Testzentrum Mendig an der A 61, wo der nächste Termin auf den AMG-Technikchef wartet. Der Achtzylinder brummt etwas heftiger aus den vier Endrohren, sobald Hermann den Fahrschalter auf "Sport" oder "Sport Plus" dreht. Auch das könne das Auto natürlich, die treuen AMG-Kunden erwarteten es. Doch wichtig sei der Spagat, ein SL müsse das sportliche Fahren ebenso beherrschen wie entspanntes Cabrio-Reisen mit offenem Verdeck.

Ach ja, Achtzylinder: Zu den Motoren könne man noch nichts verraten, einiges könne man ja aus dem Sound mutmaßen, scherzt der Chef. Es werde auch da eine gewisse Bandbreite geben, wie es beim Vorgänger und bei der Konkurrenz der Fall sei. Das Stoffdach muss übrigens geschlossen bleiben, Details will man noch nicht zeigen. Ein paar Überraschungen solle es schließlich noch geben, wenn der R 232 zur nächsten Cabrio-Saison auf den Markt komme, genau 70 Jahre nach dem ersten SL.

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Fazit

Viel verbirgt die Tarnfolie nicht mehr. Der AMG SL wirkt kompakter und sportlicher als sein Vorgänger. Das Stoffverdeck spannt sich in elegantem Bogen zum hohen Heck, darunter gibt es sogar Platz für eine knapp bemessene Rückbank. Auf der Straße macht der Prototyp bei der Ausfahrt einen sehr dynamischen und steifen, doch keineswegs überharten Eindruck. So kann es also wieder was werden mit dem Mercedes SL.

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