Max Verstappen - GP Australien 2022 Wilhelm

F1 Thema Zuverlässigkeit: Null zu drei für Ferrari

Entscheidet Zuverlässigkeit den WM-Kampf? Null zu drei für Ferrari

Charles Leclerc kam immer ins Ziel, sein Gegner Max Verstappen nur ein Mal. Wird Zuverlässigkeit in diesem Jahr ein entscheidender Faktor? Die Frage stellt sich auch im Verfolgerfeld. Mercedes brachte als einziges Team in allen drei Rennen beide Fahrer in die Punkteränge.

Standfestigkeit war in den letzten Jahren fast schon eine Selbstverständlichkeit geworden. Die Saison 2021 war mit 1,2 Defekten pro Grand Prix das Jahr mit den wenigsten technisch bedingten Ausfällen in der Geschichte der Formel 1. Gefolgt von 1,4 Defekten pro Rennen 2019 und 1,5 im Jahr 2020.

In den ersten drei Rennen dieses Jahres schlug die Technik bereits acht Mal zu. Max Verstappen meinte nach seinem zweiten Ausfall im dritten Grand Prix spöttisch: "Da brauche ich schon 45 Rennen um meinen Rückstand in der WM noch aufzuholen." Nach Defekten führt Ferrari gegen Red Bull mit null zu drei.

Auch auf der Liste der Antriebseinheiten sieht es für einige Fahrer schon bitterböse aus. Fernando Alonso und Yuki Tsunoda hatten in Melbourne bereits die dritte Einheit von Motor, Turbolader MGU-H und MGU-K eingebaut. Bei Tsunoda sind zwei Motoren unwiederbringlich verloren, bei Alonso zwei. Pierre Gasly, Lando Norris und Sebastian Vettel haben bei den vier Hauptelementen im Antrieb bereits eine "2" stehen.

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Australien 2022
Wilhelm
Mercedes brachte bisher immer beide Autos ins Ziel.

Dritter mit dem zweitschnellsten Auto

Im Augenblick ist Zuverlässigkeit wieder ein Faktor, der den Unterschied ausmacht. Verstappen fehlen 45 Punkte auf Charles Leclerc. Red Bull hat das zweitschnellste Auto, ist in der WM-Tabelle aber nur Dritter. Zehn Punkte hinter Mercedes, die nach eigener Aussage derzeit vom Speed her nur die Nummer fünf im Feld sind. Von der Effizienz aber Spitzenreiter. Der Konstrukteurs-Weltmeister brachte als einziges Team bei allen Rennen beide Autos in die Punkteränge.

Alpine verschenkte durch technische Gebrechen viele Punkte. Alonso war in Jeddah auf dem Weg zum 6. Platz, als ein gebrochener Antrieb der Wasserpumpe dem Motor den Garaus machte. Zum Glück ist der angeschlagene Motor von Bahrain wieder zurück im System.

Das Ölleck, das Alonsos Unfall in der Qualifikation in Melbourne verschuldet hatte, kostete ihn indirekt am Sonntag WM-Punkte. Der schlechte Startplatz trieb Alpine in eine Risiko-Strategie, die nicht aufging. Alpine-Chef Laurent Rossi stellte fest: "Der Speed des Autos ist gut, die Zuverlässigkeit nicht. Wir schenken zu viele Punkte her."

Carlos Sainz - GP Australien 2022
Motorsport Images
Ferrari hat ein Unfall zu verzeichnen, der allerdings auf Kosten des Fahrers ging.

Rächt sich Red Bulls Traum vom eigenen Motor?

Red-Bull-Sportchef Helmut Marko gibt zu, dass die vielen Ausfälle ein Grund zur Sorge sind. So gewinnt man gegen den bislang sattelfesten Ferrari auf lange Sicht keinen Blumentopf. Schon am Morgen vor dem GP Australien gab es Alarm. Red Bull musste im Parc Fermé den Hydraulikkreislauf der Kraftübertragung austauschen, weil ein Leck aufgetreten war.

Alle Defekte von Red Bull traten im Umfeld des Motors auf. Honda selbst kann seine Hände offenbar in Unschuld waschen. Was die Frage aufwirft, ob sich Red Bull mit der Betreuung einer hochkomplexen Maschine, die in Japan gebaut und gewartet wird, nicht übernommen hat.

Beim Schwesterteam Alpha Tauri sind die Verantwortlichkeiten geteilt. Die zwei Motorschäden von Yuki Tsunoda in Jeddah gehen auf das Konto von Honda. Angeblich ist das Problem im Griff. Der Batteriebrand in Pierre Gaslys Auto kommt Alpha Tauri teuer zu stehen. Das Feuer zerstörte die komplette Antriebseinheit. Da ist es dann am Ende auch egal, wer Schuld hat.

Daniel Ricciardo blieb in Saudi-Arabien mit einem Getriebeschaden stehen. Die Antriebseinheit, die im McLaren von Lando Norris vor dem GP Australien vorsichtshalber ausgebaut werden musste, muss nicht eingemottet werden. Sie kehrt wieder in den Pool zurück.

Aufatmen auch bei Haas: Der Ferrari-Motor in Mick Schumachers Unfallauto von Jeddah hat überlebt. Das ist bei Sebastian Vettels Motor, der sich im Freitagstraining in Melbourne mit einer Rauchwolke verabschiedete, noch nicht sicher.

Red Bull - GP Bahrain 2022
xpb
Bei Red Bull läuten die Alarmglocken. Der Rückstand in der WM-Wertung ist schon beträchtlich.

Mehr Zuverlässigkeit heißt mehr Gewicht

Die hohe Zahl an technischen Problemen liegt auch daran, dass die Autos völlig neu sind. Motor und Getriebe sind auf noch weniger Platz verpackt. Das Bouncing auf den Geraden geht auf das Material. Noch gibt es zu wenig Erfahrungswerte wie die Motoren langfristig auf den E10-Sprit reagieren.

Wer ein Zuverlässigkeitsproblem zu lösen hat steckt genauso im Dilemma wie die Teams, die einen Weg aus der Bouncing-Falle suchen. Teile zu verstärken, geht ins Gewicht. Doch mit Ausnahme von Alfa Romeo müssen alle Autos massiv abspecken.

Marko klagt: "Wir sind zehn Kilo schwerer als die Ferrari, müssen aber unsere Autos standfester machen." Ferrari-Teamchef Mattia Binotto kann sich vorstellen, dass die Zuverlässigkeit in diesem Jahr wieder zu einer wichtigen Größe wird. "Um als Erster anzukommen, musst du erst einmal ankommen", zitiert er eine alte Motorsport-Weisheit.

Sein Ferrari kommt bisher immer an. "Zuverlässigkeit ist ein Teil der Performance. Wenn du zu oft ausfällst, kann es ein genauso großes Problem sein, wie wenn dir Rundenzeit fehlt. Deshalb hat die Standfestigkeit bei uns eine hohe Priorität."

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