Formel 1: Dieser Technik-Trick verärgerte die FIA-Kommissare in Montreal

Harte Strafe für Racing-Bulls-Team
Technik-Trick wird zum Bumerang

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.05.2026
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Liam Lawson - Racing Bulls - GP Kanada 2026
Foto: Andy Hone via Getty Images

Nur elf Minuten war das erste Training von Montreal alt, da stoppte der Racing Bull von Liam Lawson plötzlich auf der Strecke und verursachte eine rote Flagge. Der Pilot konnte nach fünf Runden nicht mehr schalten. Die Ferndiagnose deutete direkt auf ein Hydraulik-Problem hin. Die Streckenposten schafften es nur mit Mühe, das Auto von der Strecke zu bewegen.

Relativ schnell kam von der FIA die Auflösung für die schwierige Bergung. Es wurde eine Untersuchung gegen das Racing-Bulls-Team eingeleitet, weil das CDS nicht funktionierte. CDS ist eine Abkürzung, die für "Clutch Disengagement System" steht – also das System zum Öffnen der Kupplung. Über einen Knopf können die Streckenposten das System aktivieren und das Auto damit in den Leerlauf bringen.

Im Fall von Lawson klappte das aber nicht. Nach Untersuchung der Angelegenheit fiel den FIA-Kontrolleuren auf, dass es sich nicht um ein normales Versagen des Systems handelte. "Ein Ingenieur hat uns erklärt, wie das CDS-System funktioniert", heißt es im Urteil. "Dabei kam heraus, dass das System bei diesem Auto zwei Funktionen übernimmt. Einmal das Auskuppeln, wenn der Motor nicht läuft, und eine weitere Funktion, die mit dem Anti-Stall-System zusammenhängt."

Liam Lawson - Racing Bulls - GP Kanada 2026
Geoff Robins via Getty Images

Racing Bulls wurden vorgewarnt

Im Montreal-Training hatte eine gerissene Schlauchverbindung schon früh ein Hydraulik-Leck verursacht und für den Stopp auf der Stecke gesorgt. "Nach Aktivierung durch einen Streckenposten hat das System die Kupplung nicht gelöst und das Auto konnte nicht bewegt werden", bemängelten die FIA-Kommissare.

In solchen Fällen kennen die Schiedsrichter keinen Spaß: "Es handelt sich hierbei um eine ernste Angelegenheit. Die Session musste per roter Flagge unterbrochen werden. Hätte das System wie vom Reglement gefordert funktioniert, hätte der Zwischenfall mit einer VSC-Phase abgewickelt werden können."

Von den FIA-Offiziellen gab es für die Racing-Bulls-Ingenieure noch eine Breitseite im Urteil: "Die Stewards vermerken hier noch Bedenken des Technik-Delegierten zur doppelten Funktion des CDS in diesem Auto. Der Technik-Delegierte hatte dem Team schon 2025 eine Warnung zum Design des CDS ausgesprochen." Offenbar war das System in der Zwischenzeit aber nicht geändert worden.

Liam Lawson - Racing Bulls - GP Kanada 2026
Andy Hone via Getty Images

Hohe Geldstrafe zur Bewährung

Entsprechend hoch fiel dann auch die Strafe aus. 30.000 Euro muss das Team in die FIA-Kasse zahlen, von denen allerdings 20.000 Euro zur Bewährung ausgesetzt sind. Die komplette Summe wird erst fällig, wenn das Racing-Bulls-Team in den nächsten 12 Monaten noch einmal mit dem gleichen Problem auffällig wird.

Für Lawson hatte der Defekt direkt Konsequenzen. Bis das Auto nach der Session wieder in der Garage war, verging wertvolle Zeit. Die Mechaniker mussten dann schnell erkennen, dass das Problem bis zum Sprint-Qualifying nicht gelöst werden konnte. Lawson musste die Session auslassen, darf aber im Sprint mit Ausnahmegenehmigung starten.

Bei der Bergung war noch eine weitere Panne aufgetreten, die im Laufe der Untersuchung erkannt wurde. Statt den CDS-Knopf zu drücken, fummelten die Streckenposten zunächst an der Onboard-Kamera herum. Die FIA-Kommissare vermerkten in ihrem Urteil, dass hier ein besseres Training der Marshals notwendig ist. Ein Infoblatt reiche offenbar nicht, es brauche auch praktische Übungen.