Der Reglementwechsel zur kommenden F1-Saison zählt zu den spannendsten Umbrüchen der Formel-1-Geschichte. Nie mussten die Teams auf so vielen Ebenen alles neu gestalten. Die neuen Motoren erhalten einen deutlich höheren Elektroanteil und laufen erstmals mit 100 Prozent synthetischem Kraftstoff. Dazu kommen die veränderten Regeln auf der Chassis-Seite und die angepasste Aerodynamik. Kein Team kann heute seriös abschätzen, wer den richtigen Ansatz findet. Genau das macht den Neustart so reizvoll. Für die Motorenhersteller ist es ebenfalls eine Reise ins Ungewisse.
Einer davon ist Honda. Die Japaner wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig ein Neubeginn sein kann. Als Honda 2015 in die Formel 1 zurückkehrte, war das Projekt mit McLaren sportlich ein Desaster. Der erste Hybrid-Turbo hatte zu wenig Leistung, eine schlechte Zuverlässigkeit und grundlegende Konzeptprobleme warfen Honda weit zurück. Erst nach der Trennung von McLaren und der späteren Zusammenarbeit mit Red Bull entwickelte sich der Motor zu einem Titelträger.
Vor diesem Hintergrund ist der Blick auf 2026 besonders interessant. In Tokio stellte Honda am Dienstag (20.1.) seine neue Power Unit RA626H vor. Ab der kommenden Saison beliefert Honda Aston Martin als offizieller Werkspartner. Es ist der erste komplett neue Honda-Motor nach den 2026er-Regeln.
F1-Boss in Tokio vor Ort
Bei der Präsentation traten Honda-CEO Toshihiro Mibe, Formel-1-CEO Stefano Domenicali und der Teambesitzer von Aston Martin, Lawrence Stroll, gemeinsam auf. Honda zeigte neben dem Motor auch ein Showcar für die neue Saison. Auffällig war ein neues H-Logo, das ab 2026 auf dem Aston Martin AMR26 zu sehen sein wird. "Dieses neue H-Zeichen steht für die Transformation unseres Automobilgeschäfts", sagte Mibe stolz. Es soll künftig auch in anderen Motorsportprogrammen eingesetzt werden.
Technisch steht der RA626H für einen klaren Bruch mit der bisherigen Hybrid-Generation. Die komplizierte und bei vielen unbeliebte MGU-H entfällt vollständig. Der elektrische Anteil an der Gesamtleistung steigt dennoch deutlich. Batterie, MGU-K und Leistungselektronik rücken ins Zentrum. "Ab 2026 wird die elektrische Leistung etwa dreimal so hoch sein wie heute", erklärte Mibe. Gleichzeitig setzt die Königsklasse auf nachhaltige Kraftstoffe: "Die Formel 1 entwickelt sich zu einem Motorsport, der sich den Herausforderungen von Elektrifizierung und Dekarbonisierung stellt", verdeutlichte Mibe.

Details zur Technik versteckte Honda bei der Vorstellung des F1-Motors für 2026.
Motoren-Details bleiben versteckt
Honda zeigte sein neues Aggregat offen, aber nicht vollständig. Der Motor war nur aus einer Perspektive zu sehen. Auf weiteren Bildern wurde ein Teil des unteren Bereichs absichtlich unscharf dargestellt. Dort dürften entscheidende Details zur Integration der MGU-K, zur Kühlung und zur Anordnung der Bauteile liegen. Gerade diese Bereiche könnten unter dem neuen Reglement den Unterschied machen.
Mibe machte keinen Hehl aus dem Anspruch des Projekts. "Wir wollen die Nummer 1 der Welt werden und nehmen diese Herausforderung gemeinsam mit Aston Martin an", bekräftigte der Japaner. Gleichzeitig ist klar, dass Honda durch den zwischenzeitlichen Rückzug Ende 2021 Entwicklungszeit verloren hat. Andere Hersteller konnten früher mit der Arbeit an den neuen Regeln beginnen.

Der Sprit ist 2026 zu 100 Prozent nachhaltig in der Formel 1.
Vollsynthetischer Kraftstoff für die F1
Zusätzlich startet Honda mit neuen Partnern. Aramco liefert den Kraftstoff, Valvoline die Schmierstoffe. Die Effizienz und das thermische Management gewinnen für die kommende Spielzeit massiv an Bedeutung. Viele Experten glauben, dass diese Komponenten entscheidend für den Erfolg auf der Strecke sein werden und wichtiger sind als die reine Leistung der neuen Power Unit.
Mit dem RA626H gibt Honda einen ersten, aber bewusst kontrollierten Einblick in seine Technik für die neue Formel-1-Ära. Vieles bleibt offen. Sicher ist nur eines: Der Reglementwechsel bietet die Chance auf große Verschiebungen im Kräfteverhältnis. Honda weiß, wie schmerzhaft ein Fehlstart sein kann. Genau deshalb dürfte man diesmal besonders genau hinschauen.












