In Deutschland erreicht ein Auto nach 30 Jahren den Status des Oldtimers. Befindet sich das Fahrzeug in einem möglichst guten Originalzustand, erhält der Eigentümer ein historisches Kennzeichen, wenn er es beantragt. Mittlerweile haben wir fast eine Million Autos mit H-Kennzeichen in Deutschland. Einige kritisieren diese inflationäre Entwicklung des Oldtimer-Status.
Deshalb haben wir einen Gegenvorschlag: Wie wäre es mit einem ganz speziellen Oldie – einem Formel-1-Rennwagen? Und dann handelt es sich auch noch um ein ganz besonderes Auto in der Karriere von Michael Schumacher. Vom 23. bis zum 30. Januar 2026 versteigert das Auktionshaus Broad Arrow Auctions online einen Benetton B192 vom Rekordweltmeister. Mit der gelben Flunder gelang Schumacher ein Meilenstein in seiner Karriere, doch dazu später mehr.
Für das Chassis mit der Nummer 05 erwartet das Auktionshaus eine satte Summe: Broad Arrow Auctions schätzt den Wert des Formel-1-Autos auf mehr als 8,5 Millionen Euro. Sollte ein Interessent bereit sein, diesen Batzen Geld auf den Tisch zu legen, würde sich der Benetton locker in die Top-Ten der teuersten F1-Autos aller Zeiten katapultieren.
Letzter Handschalter-Sieg in der F1
Doch was macht den B192 so besonders? Es ist das letzte handgeschaltete Auto in der Geschichte der Formel 1, das als Erstes die Ziellinie bei einem Grand Prix überquert hat. Im August 1992 gewann Michael Schumacher in Spa den Großen Preis von Belgien mit dem zu ersteigernden Chassis. Damals setzte die Konkurrenz der Top-Teams wie Williams, McLaren und Ferrari bereits seit Längerem auf sequenzielle Getriebe und die Fahrer wechselten per Lenkradwippe die Gänge. Dagegen "rührten" die Benetton-Chauffeure Schumacher und dessen englischer Teamkollege Martin Brundle noch am Schalthebel durch das H-Getriebe.
Zwar war die alte Lösung technisch ausgereifter und weniger anfällig für Defekte, aber die Performance litt gegenüber den Autos der Konkurrenz. Unter der Haube des B192 steckte in der 92er-Saison ein V8-Sauger von Ford. Bei einem Hubraum von 3,5 Litern leistete das Aggregat rund 680 PS. Die maximale Drehzahl betrug 13.000/min. Die Techniker ordneten die Zylinder in einem Bankwinkel von 75 Grad an. Im Vergleich zu den Power-Antrieben von McLaren-Honda, Ferrari und Williams-Renault war der Ford-V8 in puncto Leistung klar im Nachteil. Jedoch überzeugte der Motor mit einer guten Fahrbarkeit und hoher Zuverlässigkeit.
Das Design hatte Rory Byrne entworfen, der eng mit Technik-Chef Ross Brawn zusammenarbeitete. Gemeinsam mit Michael Schumacher holten sie im Verlaufe ihrer Karrieren bei Benetton und später bei Ferrari noch unzählige WM-Titel. 1992 war sozusagen der Startschuss dieser kongenialen Partnerschaft. Der B192 aus Byrnes Feder unterschied sich deutlich zum Vorgänger B191, den noch John Barnard mit Mike Coughlan designt hatte.
Byrne zog vor allem die Nase nach oben und gestaltete diese schlanker. Der nur 505 Kilogramm leichte Wagen hatte zudem verbesserte Lenkeigenschaften, wie es Brundle nach seiner Karriere herausstellte. Abgerundet wurde das gute Paket mit dem Wechsel von Pirelli- auf Goodyear-Reifen. Die Top-Teams nutzten schon länger die Pneus der US-Amerikaner, die damals die Messlatte im Reifenkrieg der Formel 1 waren.

Michael Schumacher gelang mit dem angebotenen Chassis sein erster Formel-1-Sieg.
Schumacher wird WM-Dritter
Im Vergleich zur Konkurrenz verzichtete der B192 auf technische Hilfsmittel wie Traktionskontrolle, ABS und aktive Radaufhängung, die vor allem Williams perfektioniert hatte. Optisch behielt das Auto den Look des Vorjahres nahezu bei. Hauptsponsor Camel warb in Gelb für seine Zigaretten, das Grün kam von Benetton selbst, das auf die eigene Modemarke aufmerksam machen wollte.
Der B192 kam jedoch erst beim vierten Grand Prix in Spanien zum Einsatz. Zuvor mussten Schumacher und Brundle noch mit dem B191 fahren. Beim Debüt erreichte Schumi in Barcelona sofort Platz zwei. Es war das erste von sechs Podien für den Deutschen mit dem B192, Brundle steuerte fünf weitere bei. Schumacher gelangen vor dem Debüt noch zwei Podestplätze mit dem alten Auto.
Am Ende schloss der damals 23-Jährige seine erste vollständige Formel-1-Saison auf Platz drei ab. Er ließ sogar den dreimaligen Weltmeister Ayrton Senna hinter sich, der mit seinem McLaren nur Vierter wurde. Geschlagen geben musste sich Schumacher nur den überlegenen Williams-Piloten Nigel Mansell und Riccardo Patrese, die mit dem FW14B über das beste Auto im Feld verfügten.

Das Auktionshaus Broad Arrow Auctions will 8,5 Millionen Euro für den Benetton B192.
Vollständig restaurierter F1-Benetton
Das angebotene Chassis verwendete Schumacher erstmals beim Grand Prix von Kanada. Seinen Debütsieg in Belgien erzielte er ebenfalls mit Chassis 05 – das treibt den Preis in die Höhe. Nach der Saison 1992 rangierte Benetton das Auto nicht sofort aus. Zum Auftakt der neuen Spielzeit 1993 war es als Ersatzauto noch nach Südafrika und Brasilien geschifft worden. Danach fristete es bis 2015 ein Dasein in der Klassik-Abteilung des in Enstone beheimateten Teams, ehe es Laurent Redon für sein Unternehmen LRS Formula kaufte.
Der Franzose ließ das Auto aufwendig restaurieren, wie das Auktionshaus Broad Arrow Auctions angibt. Zudem ist es das erste Mal, dass es der Öffentlichkeit zum Kauf angeboten wird. Wer also einen exklusiven Oldtimer sucht und noch ein paar Millionen Euro auf der hohen Kante hat, sollte sich überlegen, ob er nicht beim Benetton B192 von Michael Schumacher zuschlagen will. Einziges Problem dabei: Mit dem Erhalt des H-Kennzeichens dürfte es schwierig werden.












