Es ist eigentlich zu verrückt, um wahr zu sein. Und leider doch sehr real. Wir könnten an dieser Stelle die Berichterstattung aus dem Jahr 2023 als Erzähl-Schablone verwenden. Damals gab es mehrere Parteien, die im Nordschleifen-Sport mitmischen wollten, darunter der AvD und die Nürburgring Holding, sowie einzelne Protagonisten wie Ralph-Gerald Schlüter mit der NES. Dazu kam eine intern nicht immer ganz einige VLN. Das Ergebnis: Es kam zum Gerichtsverfahren, weil die Nürburgring Holding der VLN keine Termine mehr geben wollte. Und das führt uns genau wieder dahin, wo wir aktuell stehen.
Grundsätzlich war die Stimmung im NLS-Fahrerlager bei den Teilnehmern fast so gut wie nie: Max Verstappen brachte einen großen Hype rund um die Serie und das 24h-Rennen und die Starterzahlen waren auch stabil. Alle hätten glücklich in die Zukunft blicken können – wenn nicht wieder zu viele Köche den Brei verderben würden.
Ironischerweise ist das Gerichtsverfahren Teil des jetzigen Schlamassels. Der Nürburgring ist verpflichtet, allen Bewerbern Termine zu geben – zumindest derzeit, ein Haupturteil steht aus. Das war der zwischenzeitliche Erfolg, den sich die VLN juristisch erkämpft hatte, um nicht ausgeschlossen zu werden. Ausgerechnet dieser Umstand sorgte jetzt für ein kleines Erdbeben.

Mit Max Verstappen hat das 24h-Rennen einen riesigen Boom erlebt.
24h-Vertrag nur bis 2028
Wichtig zu wissen: Der ADAC Nordrhein hat als Veranstalter des 24h-Rennens Nürburgring einen Vertrag bis 2028. Sprich: Danach könnten sich alle möglichen Parteien um das 24h-Rennen bemühen, das vom ADAC Nordrhein ausgerichtet wird und dessen Marktwert mit Verstappen und den Gerüchten um eine Teilnahme von Valentino Rossi stark gestiegen ist. Es ist also denkbar, dass in Zukunft auch andere etwas von diesem Kuchen abhaben wollen.
Dazu kamen in den letzten Wochen im Hintergrund Entwicklungen, die das vermeintlich stabile Nordschleifen-Konstrukt in Frage stellten. Angeblich habe Manthey Racing das Gespräch mit dem Nürburgring gesucht und sich nach Terminen für 2027 erkundigt. Man erzählt sich zudem, der ADAC München schaut intensiv auf den Nordschleifen-Sport, hat aber laut eigenen Aussagen keine Ambitionen, dort Rennen zu veranstalten. Letztlich soll Manthey die Terminanfrage nicht weiter verfolgt haben, doch das brachte manche zum Nachdenken.
Parallel dazu hatte der ADAC Nordrhein gegrübelt, weil es wohl bereits seitens des Nürburgrings erste Planungen für 2029 gibt. In diesem Zuge hatte man die eigene Serie in der Schublade, um sich breiter aufzustellen. Man setzte sich wohl dazu mit der VLN zusammen, um eventuell gemeinsam aufzutreten. Es soll Gespräche mit dem Nürburgring gegeben haben, die zu einer langjährigen Planungssicherheit bei gleichzeitigem Ende des Rechtsstreits hätten führen können.

Auf der Nordschleife geht der Streit zwischen den Verantwortlichen weiter.
ADAC Nordrhein schafft Tatsachen
Die VLN soll sich zu dem Zeitpunkt nicht einig gewesen sein, ob man sich darauf einlassen soll. Was nicht heißt, dass es nicht doch eine Annäherung mit dem Nürburgring zu einem späteren Zeitpunkt geben könnte.
Man hört auch, dass der ADAC Westfalen in dieser Thematik bereits Versuche gestartet habe. Kritische Stimmen sagen: Der ADAC Nordrhein hätte die VLN womöglich mit seinen Bedingungen unter Druck gesetzt – laut ADAC Nordrhein gab es aber keine Bedingungen.
Was ist das Ende vom Lied? Chaos. Auch innerhalb der ADAC-Struktur, in der man sich uneinig ist. Der ADAC Nordrhein argumentiert, dass man reagieren musste, um sich abzusichern. Gleichzeitig schafft man Tatsachen.

Die neue 24h-Serie besteht in der ersten Saison 2027 aus fünf Veranstaltungen.
Wie sieht die neue Serie aus?
Eine offene Frage bleibt: War diese Entscheidung zeitkritisch? Hätte eine andere Partei das 24h-Rennen für sich haben wollen? Aus Richtung des ADAC Nordrheins ist zu hören, dass die NLS selbst das 24h-Rennen beanspruchen könnte. Das Argument: Wieso sollte man sonst den Rechtsstreit weiter verfolgen?
Das klingt jedoch unlogisch, weil der Rechtsstreit ja die NLS davor bewahrt, gar keine Termine zu bekommen. Einige Beteiligte sagen: Es gab selten so viele widersprüchliche Aussagen in einem Kontext wie in diesem.
Die Serie selbst besteht aus fünf Veranstaltungen mit insgesamt sechs Rennen. Neben dem 24h-Rennen und den Qualifiers wird es einen Prolog geben. Außerdem zählen zwei Veranstaltungen im Rahmen des traditionsreichen ADAC Eifelrennens und des ADAC 1000-km-Rennens zur neuen Serie.
Die Teams sollen durch ein reduziertes Nenngeld und eine Startplatzgarantie für das 24h-Rennen profitieren. Dazu soll das geplante Preisgeld einen Beitrag zur Refinanzierung der Renneinsätze leisten.
Terminplan ADAC 24h-Serie Nürburgring:
- 24h Nürburgring Prolog: 2./3.4.2027*
- 24h Nürburgring Qualifiers: 30.4./2.5.2027**
- ADAC Ravenol 24h Nürburgring: 27.-30.5.2027**
- ADAC Eifelrennen: 30.7.-1.8. 2027*
- ADAC 1.000 km Rennen: 10.-12.9.2027*
*vorläufig / ** bestätigt







