Seit Beginn dieser Saison machen wieder verstärkt Gerüchte die Runde, dass Max Verstappen Red Bull verlassen könnte. Das Team hat in den letzten beiden Saisons ein spürbares Performance-Tief erlebt. Zudem wanderten in kürzester Zeit zahlreiche Top-Mitarbeiter zur Konkurrenz ab.
Auf der Rennstrecke kann Red Bull aktuell nicht mit den Top-Teams Mercedes und Ferrari mithalten. Das ist nach der dominanten Siegesreihe im Jahr 2023 nur schwer zu akzeptieren. Dementsprechend häuften sich zuletzt auch Verstappens Beschwerden am Funk. Aus seinem Frust machte der Niederländer auch außerhalb des Cockpits kein Geheimnis.
Formel-1-Experte Michael Schmidt sieht die Red-Bull-Führung in der Zwickmühle: "Das Team kriegt von Max Verstappen Dauerkritik. Es ist jetzt auch zu hören, dass die Konzernspitze von seinem Verhalten nicht sehr begeistert ist. Auf der anderen Seite ist Red Bull in der aktuellen Situation an ihn gebunden. Er holt das raus, was theoretisch im Auto drinsteckt, wenn nicht sogar mehr."

In seinen Funksprüchen beschwert sich Max Verstappen aktuell meist über Getriebeprobleme oder die unsauberen Schaltvorgänge seines Rennwagens.
Ist ein Wechsel zu McLaren realistisch?
Die anhaltende Unzufriedenheit sorgt dafür, dass es permanent in der F1-Gerüchteküche brodelt. Es wird spekuliert, Verstappen könne das Team wechseln oder sogar ganz mit der Formel 1 aufhören. Seit Wochen hielt sich zudem das Gerücht, dass er mit einem Wechsel zu McLaren liebäugele.
Mit dem großen Upgrade und dem Sieg von Lando Norris in Ungarn wirkt das Team plötzlich wie eine interessante Option. "McLaren hat einen guten Schritt gemacht. Damit ist es nun attraktiver für ihn, zu diesem Team zu wechseln. Davor lagen Red Bull und McLaren nämlich relativ ähnlich."

Das neue McLaren-Upgrade zeigte in Ungarn vollen Erfolg: Lando Norris rollte mit Vorsprung von 15 Sekunden über die Ziellinie.
Hürden bei McLaren
Aus Sicht des Papaya-Rennstalls gibt es jedoch mehrere Gründe, die gegen einen Verstappen-Transfer sprechen könnten. Ein zentraler Punkt ist der Kosten-Faktor: "Erstens würde Verstappen eine Menge Geld kosten. McLaren müsste bestimmt den dreifachen Preis bezahlen von dem, was sie dem Piastri jetzt geben."
Auch in der möglichen Teamkollegen-Dynamik sieht Schmidt eine Gefahr: "Ärger ist eigentlich vorprogrammiert. Für mich würde eine Situation wie zwischen Hamilton und Rosberg entstehen. Verstappen und Norris verstehen sich zwar gut, aber als es letztes Jahr dann wirklich um den Titel ging, hat man gemerkt, dass Verstappen schon Nadelstiche gegen seine Gegner setzt. Norris ist da nicht auf der gleichen Ebene, was das Politische angeht. Der schlägt nur sehr selten zurück und auch das wirkt nur gekünstelt. Wenn das im gleichen Team passiert, ist natürlich die Hölle los."
Ein weiteres Konfliktpotenzial sieht die Reporterlegende bei den Papaya-Regeln: "Da wird Verstappen auf beiden Ohren taub sein. Er wird sich nichts sagen lassen und stattdessen verlangen, dass die Strategie für jeden Fahrer optimal ist."

Die jahrzehntelange Freundschaft von Lewis Hamilton und Nico Rosberg litt in den 2010er Jahren stark unter dem erbitterten Kampf um die Weltmeisterschaft.
Piastris Unzufriedenheit
Befeuert wurden die Gerüchte um den möglichen Verstappen-Abgang auch durch zwischenzeitliche Spekulationen über einen potenziellen Wechsel von Piastri zu Red Bull. Der Australier hatte im vergangenen Jahr beim engen Kampf um den Weltmeistertitel den Kürzeren gezogen.
Schmidt ist überzeugt, dass Piastri auch in dieser Saison aufgrund der bisherigen Leistung und Teamdynamik nicht besonders glücklich bei McLaren ist. Zudem gebe es seit letztem Jahr ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Teammanagement und die Sorge, Norris könnte bevorzugt werden.
Unterm Strich hält Schmidt einen Wechsel von Verstappen zu McLaren dennoch für wenig realistisch: "Piastris Misstrauen ist immer noch besser zu händeln, als wenn da einer wie Verstappen wirklich auf den Tisch haut."
Als letzte Option steht für Verstappen weiterhin die Möglichkeit im Raum, die Formel 1 ganz zu verlassen und stattdessen Vollzeit in anderen Rennserien wie der Nürburgring-Langstreckenserie (NLS) einzusteigen. Der Niederländer startete im vergangenen Jahr bereits zwei Mal neben der Formel 1 in der NLS und gründete zudem sein eigenes GT3-Team Verstappen Racing.












