Zwei große Aufreger gab es schon am Donnerstag, also bevor sich in der Eifel überhaupt ein Rad gedreht hatte. Während die Durchfahrtsstrafen für die beiden HRT-Ford-Piloten – aufgrund eines gravierenden Verstoßes gegen die Testbeschränkungen – noch als Formfehler abgehakt werden konnten, war der Zündstoff bei der zweiten Geschichte um ein Vielfaches höher: Mirko Bortolotti (GRT-Lamborghini) wurde für das Sonntagsrennen in Oschersleben, das er ursprünglich als Sieger beendet hatte, disqualifiziert. Grund hierfür war ein Radlager, das nicht der DTM-Homologation entsprach.
Das Grasser-Team hat dagegen Berufung eingelegt, weil man der Auffassung ist, eine Klarstellung aus 2024 würde das Radlager freistellen. Allen Informationen nach, die uns vorliegen, wird die Disqualifikation jedoch Bestand haben. Die Klarstellung bezieht sich auf die FIA- und nicht auf die DTM-Homologation. Letztere gibt es ohnehin erst seit der Saison 2025. Die Berufungsverhandlung, sofern die GRT-Mannschaft fristgerecht die Berufung begründet, könnte sich über Wochen ziehen, vermutlich sogar über das nächste Rennwochenende am Sachsenring (12./13. September) hinaus. Bis dahin sind sämtliche Tabellenstände vorläufig.
Die erst zweieinhalb Wochen nach dem Rennen verhängte Bestrafung – hier geht Gründlichkeit nun mal vor Schnelligkeit – hatte jedenfalls zwei Auswirkungen: Erstens, dass Maro Engel (Winward Racing) seinen zweiten Saisonsieg erbte und damit, zweitens, seinen Vorsprung in der Tabelle vor dem Nürburgring von 21 auf 25 Punkte ausbaute.

Matteo Cairoli sahnte beim DTM-Rennwochenende am Nürburgring souverän den Sieg in Lauf 1 ab.
Cairoli wieder in der Spur
Die größere Lücke zwischen Engel, der sich ebenso wie Mercedes praktisch nie eine Blöße gibt, und seinen Verfolgern legte nahe, dass in der Eifel schon eine Vorentscheidung fallen könnte. Tatsächlich sollte aber genau das Gegenteil eintreten.
Teil eins der Aufholjagd der Geparden-Jäger fand am Samstag statt. Da lieferte zunächst Cairoli ab: Auf eine Last-Minute-Pole folgte (strategiebereinigt) ein Start-Ziel-Sieg. Mit dem dritten Saisonerfolg ließ der italienische Rookie seine zuletzt geschrumpften Titelhoffnungen wieder aufleben. "Die letzten beiden Rennwochenenden waren etwas frustrierend. Jetzt haben wir, glaube ich, einen guten Kompromiss gefunden, wie ich mit dem Auto klarkomme", berichtete der 30-Jährige nach dem Rennen.
Auf Platz 2 setzte Preining seine in Oschersleben begonnene Podiumsserie fort. Auch er profitierte von der Bortolotti-Disqualifikation insofern, als dass er näher an Nicki Thiim (Comtoyou-Aston-Martin) und Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) rückte. Engel landete trotz 20 kg Erfolgsballast, die er ebenfalls erbte, auf P6. Marco Wittmann gelang eine Undercut-Strategie, welche ihm P3 bescherte. Drei Wochen nach dem nachträglichen, aber natürlich nicht zelebrierten Podium von Oschersleben heimste er so zum vierten Mal 2026 einen Pokal ein.
Auf eine Siegertrophäe wartete der Franke derweil seit über zwei Jahren. Und nach P6 im Sonntags-Qualifying war auch nicht unbedingt damit zu rechnen, dass diese Durststrecke enden würde. Zumal einige Fahrer im Feld ihr Auto am Samstag früh abgestellt hatten und so einen Reifenvorteil mit in den Sonntagslauf nehmen konnten. Darunter die beiden HRT-Ford, aber auch Wittmanns Teamkollege Kelvin van der Linde, Bortolotti und ein gewisser Tom Kalender mit seinem Landgraf-Mercedes.
Von der Pole ging derweil Jules Gounon (Winward-Mercedes) in eines der wildesten DTM-Rennen der jüngeren Geschichte. Der Franzose konnte sich erstmals seit dem Oschersleben-Sonntag 2025 wieder den besten Startplatz sichern und hatte nach einer bislang recht verkorksten Saison große Pläne fürs Rennen.

Im Sonntagsrennen kollidierte Maro Engel mit Lucas Auer in Kurve 2. Damit schieden beide aus.
Crash der AMG-Spitzen
Doch kaum war das Rennen zwei Kurven alt, nahm der Mercedes-GAU seinen Lauf. Engel und Auer waren in der zweiten Kurve kollidiert und fielen aus. Kelvin van der Linde wurde unschuldiges Opfer des sich wegkreiselnden Auer. Engel nahm die Schuld gleich auf sich. Mercedes-DTM-Sportdirektor Thomas Jäger, selbst Ex-Racer, analysierte die Situation so: "Maro ist leider ein bisschen rausgerutscht und es war nicht genug Platz für Luggi da. Das ist schade und ärgerlich, aber Fehler passieren nun mal."
Nach dem Doppel-Nuller der beiden Mercedes-Titelkandidaten kam es noch dicker. Gounon, der zu Beginn souverän führte, schaltete nach seinem ersten Pflichtstopp zu früh den Pit-Limiter aus und wurde mit 54 km/h geblitzt. Klarer Fall: eine Runde durch die Penalty-Lap. Diese Bestrafung ist eigentlich eine sehr milde. Sie wurde aber erst nach einer Safety-Car-Phase ausgesprochen. Diese wiederum war nötig geworden, weil bei Ben Dörr (Dörr-McLaren), der ebenfalls ein Siegkandidat war, das rechte Vorderrad nicht richtig montiert war, weshalb der Lausitz-Sieger Ende Start/Ziel ausrollte.
Durch das wieder enger beisammen liegende Feld fiel Gounon nach der Strafrunde auf P6 zurück. Wenig später rang Kalender den "Mamba"-Piloten nieder. Der Franzose war danach völlig von der Rolle und fiel letztlich noch bis auf Platz 14 zurück.
Auch Cairoli, der gerade erst wieder Morgenluft schnupperte und durch die Probleme von Gounon und Dörr mindestens einen Podestplatz eingefahren hätte, haderte mit dem Schicksal. Bei ihm dauerte der erste Service ganze 24,8 Sekunden, weil ein technisches Problem den Reifenwechsel hinten links verzögerte. Später verlor er noch das Stallduell gegen Thierry Vermeulen um P12, wodurch er nur drei weitere Punkte auf Engel aufholte.

Thomas Preining ergatterte sich mit seinem "Grello"-Porsche zwei Mal einen Platz auf dem Podium.
Erlösung für Wittmann
Es gab freilich aber auch diejenigen, die von den diversen Missgeschicken profitierten – allen voran Wittmann und Preining. Die kämpften nämlich nach der Gounon-Strafe um die Führung. Wittmann zog dabei bis zum zweiten Service derart souverän seine Kreise, dass sein Sieg nur noch Formsache zu sein schien.
Doch ähnlich wie bei Aston Martin gibt es auch bei BMW das Phänomen, dass dieser mit alten, kalten Reifensätzen nicht so richtig auf Touren kommen will. So also auch nach dem finalen Boxenstopp. Nach diesem hing Preining der "Green Machine" im Heck. Erleichterung gab es erst, als Tom Kalender nach seinem Husarenritt an die beiden herangefahren war und nun Preining beschäftigte. In der vorletzten Runde knackte der 18-Jährige den Ex-Meister und fuhr beim ersten DTM-Podestbesuch auf P2. Damit rettete er Markenkollege Engel die Tabellenführung.
Wittmann war nach dem ersten Sieg seit über zwei Jahren erleichtert. "Ich bin extrem glücklich über dieses Wochenende! Nach einigen schwierigen Events in dieser Saison hat diesmal endlich alles gepasst", so Wittmann, der ebenfalls noch unter Druck von Kalender geriet und mit dem Sieg seine Titelchance quasi wiederbelebt hat.
Auch Arjun Maini (HRT-Ford) und Bortolotti nutzten ihren Reifenvorteil und komplettierten die Top-5. Bortolotti war dabei am Sonntag wieder als Einzelkämpfer unterwegs, nachdem Christian Engelhart (als Vertretung von Maximilian Paul) am Samstag in der letzten Runde sehr unglücklich gecrasht war. Er riss bei seinem sehr motivierten Angriff auf Vermeulen auch den Niederländer beim Kampf um Platz 12 mit ins Verderben.







