Das Bild rund um einen kommenden Elektro-M3 vervollständigt sich immer weiter. Zunächst testete der Autobauer die Quad-Motor-Technik unter der aktualisierten Karosserie eines BMW i4. Mittlerweile steckt die Technik des kommenden Elektro-M3 unter einer Neue-Klasse-Karosserie, die allerdings noch im leicht getarnten Erlkönig-Look unterwegs ist. Erste Einblicke in die Fahrdynamik des elektrischen M gewährte ein im Februar 2025 veröffentlichtes Video, in dem die Zuschauer mit auf die Erprobungsstrecke genommen wurden. Auf der BMW-M-Website erklärt Entwicklungschef Dirk Häcker zusätzlich: "Die Elektrifizierung ermöglicht uns ganz neue Freiheitsgrade, um die typische M-Fahrdynamik abzubilden." Fahrdynamisch soll also auch der elektrische M3 alle M-Fans zufriedenstellen.
Tiefer Einblick in die Testarbeit
Das Video ist aus zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Einerseits bekommen die Zuschauer einen erstaunlich offenherzigen Einblick in die Testarbeit der Entwickler auf den üblicherweise streng abgeschirmten Testgeländen. Andererseits ist die Begeisterung des Entwicklungsteams greifbar, die ungekünstelt und authentisch wirkt. Axel Theiling, Projektmanager für Antriebselektrifizierung bei BMW M, bringt in dem neuen Video hierzu ein bezeichnendes Statement: "Wir werden jetzt ein erstes High-Performance-BEV-Fahrzeug auf die Straße stellen, das sich der Messlatte M3 stellen wird. Und wir sind davon überzeugt, dass wir diese Messlatte überspringen werden." Das klingt für die treue M3-Fangemeinde durchaus verlockend.
Gezeigt wird im Video unter diesem Absatz die Testarbeit an einem neuen Versuchsträger auf Basis des aktuellem BMW i4 M50, der sich für die Erprobung der neuen Komponenten laut BMW "aufgrund seiner Architektur als Elektrofahrzeug mit hoher Steifigkeit und einem ideal positionierten Energiespeicher" für diesen Job qualifiziert hat. "Nadine" wurde dieses Fahrzeug getauft, ein früherer von uns "erlegter" Erlkönig hörte auf den Namen "Ashley". Für Petrolheads besonders interessant im Video unter diesem Absatz: Ganz zum Schluss erlaubt uns BMW eine kleine Klangprobe, die einen Ausblick auf das kommende Erlebnis gibt. Beim Beschleunigen wird im Fahrzeug ein Sound eingespielt, der nach reichlich bösem Sechszylinder-Turbo klingt.
M eDrive mit vier Motoren
Herzstück des neuen elektrischen BMW M ist der BMW M eDrive, welcher auf der BMW Gen6-Technologie der Neuen Klasse basiert. Dabei wird jedes Rad von einem Elektromotor angetrieben. Je zwei Motoren werden zu einer Einheit je Achse zusammengefasst. In beiden Antriebseinheiten sind die Elektromotoren parallel angeordnet; sie geben ihre Leistung an je ein Getriebe pro Rad ab. In den Antriebseinheiten sind überdies der Inverter zur Steuerung der Elektromotoren sowie die Ölversorgung integriert. Dieses Konzept soll alle Vorteile des Heck- und Allradantriebs vereinen und zugleich die Fahrdynamik während des Straßen- oder Rennstreckeneinsatzes steigern. Fans des reinen Hinterradantriebs aufgepasst: Laut BMW lässt sich die Vorderachse vollständig entkoppeln.
Die Vier-Motoren-Auslegung ermöglicht echtes Torque-Vectoring. Die Motoren sind mit einem zentralen Steuergerät (offiziell "BMW M Dynamic Performance Control" getauft, intern aber "Heart of Joy" genannt) verbunden, das über einen eigens entwickelten, integrierten Regelungsalgorithmus innerhalb von Millisekunden die richtige Kraftübertragung errechnet. Dabei werden Parameter wie Pedalstellung, Lenkwinkel, Längs- und Querbeschleunigung sowie die Drehzahl des Rades analysiert. Die Signale dafür gelangen ebenso schnell und ohne Umwege über eine Lamellenkupplung und Differenziale auf direktem Weg an die vier Motoren. Das System sorgt für optimale Traktion bis in den Grenzbereich und ein direkteres Ansprechverhalten, aber auch für eine höchstmögliche Rekuperation.
Im oben gezeigten Teaservideo ist zudem zu erkennen, dass das Modell einen Tank-Turn (ähnlich dem G-Turn der kommenden elektrischen G-Klasse EQG) vollführt. Jedoch sieht der Stunt im Video nach einer per Computer generierten Sequenz aus.
Selbst schalten dürfen M-Fans allerdings nicht mehr. Hier setzt BMW, wie auch schon Hyundai in seinen elektrischen N-Modellen, auf eine simulierte Schaltung. Die begleitende Geräuschkulisse haben wir oben bereits erwähnt.
Bis zu 1.360 PS und virtuelle Schaltung
Konkrete Leistungsdaten für den M eDrive nennt BMW noch nicht. Das Unternehmen erklärte aber, dass die Architektur mit vier Motoren bis zu einem Megawatt liefern könnte. Das wäre dann umgerechnet ein Leistungswert von bis zu 1.360 PS. Der BMW M Neue Klasse soll aber dank seiner 800-Volt-Technologie auch langstreckentaugliche Reichweiten und eine hohe Ladeperformance bieten. Die korrespondierende Batterie rund um eine leistungsoptimierte Variante der Gen6 Rundzelle soll eine Kapazität von mehr als 100 kWh bieten. Um den Anforderungen der M-Hochleistungs-Fahrzeuge zu genügen, kommt ein optimiertes Kühlsystem zum Einsatz. Zudem übernimmt die Batterie eine tragende Rolle, ist ihr Gehäuse doch fest mit der Vorder- und der Hinterachse verbunden.
Leichtbau ist auch beim elektrischen M angesagt. Hier setzen die Bayern aber nicht mehr ausschließlich auf Carbon, mit den neuen vollelektrischen High-Performance-Modellen werden erstmals Naturfaser-Elemente eingeführt.
Zusätzlich auch als Verbrenner
Und auch für die Hardcore-Verbrennerfreunde wird BMW M künftig bedienen. Die nächste M3-Generation wird parallel zur Elektroversion auch weiterhin mit einem weiterentwickelten S58-Reihensechszylinder-Biturbo zu haben sein.












