Elektroautos machen fett: "Ladepositas"-Studie zum Ladeverhalten von E-Auto-Fahrern

Neue Studie zum Ladeverhalten von E-Auto-Fahrern
Ladepositas – machen Elektroautos fett?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.04.2026
Als Favorit speichern
04/2026 EWE Go Ladesäule Schnelllader McDonalds
Foto: EWE Go

Wer öfter mit dem Elektroauto zum Schnelllader fährt, kennt das Bild: Auffällig oft liegen die Ladepunkte in unmittelbarer Nähe zu Schnellrestaurants, Backshops oder Imbiss-Ketten; teils lassen die Betreiber von Fast-Food-Restaurants die Hochleistungs-Ladesäulen direkt auf dem eigenen Parkplatz installieren. Und wer beim Ladestopp 15, 20 Minuten verbummeln muss, greift da gerne mal zu Pommes und Burger. Dieser Eindruck wurde jetzt bei einer neuen Befragung von Civey im Auftrag des Versicherers DA Direkt unter Beweis gestellt.

Essen beim Laden

Besonders auffällig fällt dabei nämlich ein Detail aus: Viele Fahrer nutzen die Standzeit an der Ladesäule nicht nur zum Warten, sondern zum Essen. Die Ladepause wird damit für zahlreiche Nutzer zur Snackpause. Mehr als jeder zweite befragte Fahrer eines Elektroautos gibt an, während des Ladevorgangs zu essen oder zu naschen. Gemeint sind dabei klassische Zwischenmahlzeiten ebenso wie kleine Snacks, Süßwaren oder Getränke. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Aufenthalt an Schnellladern oder Ladeparks häufig mit zusätzlichem Konsum verbunden ist. Bedeutet: Der kalorienreiche Burger wäre ohne Ladepause nicht im Magen gelandet.

Aber nicht für jeden Nutzer machen Ladepausen potenziell dick. Die Umfrage zeigt weiterhin, dass Ladepausen für viele Fahrer einen funktionalen Charakter bekommen. 31 Prozent erledigen währenddessen Einkäufe oder Besorgungen. Ein weiteres Viertel chillt einfach und nutzt die Pause zum Ausruhen oder für ein kurzes Nickerchen. Unsportlich sind dabei aber die allermeisten Nachlader. Nur sechs Prozent geben an, die Zeit für Bewegung oder körperliche Aktivität zu verwenden.

04/2026 Infografik Ladeverhalten Elektroauto-Fahrer
DA Direkt

Einen Beitrag zu diesem Verhalten leistet auch die Gestaltung der Ladepunkte. In der Befragung wird die Aufenthaltsqualität direkt im Umfeld der Schnelllader als Schwachstelle genannt. Häufig fehlen Sanitäranlagen, Sitzmöglichkeiten oder geschützte Bereiche gegen Regen und Sonne. Wer an solchen Orten warten muss, bleibt entweder im Auto oder besucht angrenzende Raststätten, Supermärkte oder Shops.

E-Auto-Fahrer sind realistischer

Neben dem Verhalten während der Pause untersucht die Erhebung auch die Wahrnehmung längerer Ladezeiten. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen tatsächlichen E-Auto-Fahrern und Fahrern von Verbrenner-Pkw. 86 Prozent der befragten Elektroautonutzer empfinden einen Stopp von bis zu 20 Minuten als angenehm, sofern in dieser Zeit mindestens 200 Kilometer Reichweite nachgeladen werden. Weitere 35 Prozent bleiben auch bei bis zu 30 Minuten entspannt.

Anders fällt die Einschätzung bei Fahrern von Verbrennerfahrzeugen aus, Stichwort "gefühlte Wahrheit". Bei den Verbrenner-Fahrern nennen 43 Prozent zehn Minuten als persönliche Toleranzgrenze für einen Ladestopp – würden sie ein E-Auto fahren.

Auch bei der Bewertung der Ladeinfrastruktur gehen Wahrnehmung und Erfahrung auseinander. 38 Prozent der befragten E-Autofahrer bewerten das Angebot als gut. Unter den Verbrennerfahrern erwarten dagegen nur zehn Prozent eine ausreichende Infrastruktur, falls sie elektrisch unterwegs wären.

Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass auch unter aktuellen Nutzern keine uneingeschränkte Zufriedenheit herrscht. Ein Viertel kritisiert eine zu geringe Zahl an Schnelllademöglichkeiten. Das gewinnt an Bedeutung, weil neuere Elektroautos zunehmend hohe Ladeleistungen unterstützen und entsprechend leistungsfähige Standorte benötigen.

Die Abrechnung nervt am meisten

Als größter Schmerzpunkt im Alltag gelten jedoch nicht allein fehlende Säulen, sondern die Bezahlung. Für knapp jeden Zweiten sind unübersichtliche Preisstrukturen und komplizierte Bezahlmöglichkeiten das zentrale Ärgernis. Unterschiedliche Tarife, wechselnde Anbieter und teils notwendige Apps erschweren den Ladevorgang. Einfache Kartenzahlung ist vielerorts weiterhin nicht selbstverständlich.

Für die Untersuchung befragte Civey im Auftrag von DA Direkt vom 4. bis 13. März 2026 online insgesamt 2.500 Bundesbürger ab 18 Jahren sowie zusätzlich 1.000 Fahrer von Pkw mit Elektroantrieb. Die Ergebnisse wurden quotiert und gewichtet und gelten laut Auftraggeber als repräsentativ. Der statistische Fehler wird je nach Gesamtergebnis mit 3,5 bis 6,2 Prozentpunkten angegeben.

Fazit