Modularer Querbaukasten

VWs Auto-Baukasten für die Zukunft

VW MQB Foto: Hersteller 8 Bilder

Mit dem modularen Querbaukasten zielt der VW-Konzern auf eine Standardisierung, die zugleich zahlreiche Antriebsvarianten sicherstellt.

Modellvielfalt kann mitunter auch zur Belastung werden. Dann nämlich, wenn diese Vielfalt ganz allmählich eine Eigendynamik entwickelt wie im Volkswagen-Konzern. Mit zahlreichen Modellvarianten innerhalb der vier Marken Audi, Seat, Skoda und VW war eine solche Entwicklung fast schon zu erwarten. So kamen zum Beispiel im verkaufsträchtigsten Fahrzeugsegment zuletzt 309 verschiedene Motor- und Getriebevarianten zur Anwendung – viel zu viele, wie die Strategen in Wolfsburg befanden. Denn dieser Variantenreichtum ist kostenträchtig und macht die Produktion unflexibel.

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Also wurde eine Abkehr von der Plattformplanung beschlossen und dafür eine modulare Baukastenstrategie entworfen. Deren jüngste Ausführung ist der modulare Querbaukasten (MQB), der erstmals im Audi A3 zur Anwendung kam, inzwischen aber auch beim Golf VII , dem Skoda Octavia und dem Seat León. Mit diesem markenübergreifenden Konzept soll die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in den besonders volumenstarken Segmenten A0 bis B gestärkt werden – übersetzt in die VW-Nomenklatur also alle Modelle mit vorn quer eingebauten Motoren von Polo über Beetle, Golf, Scirocco, Jetta, Tiguan, Touran und Sharan bis zum Passat und seinem Derivat CC. Zusammen mit den Markengeschwistern des Konzerns sind das immerhin 220 Modellvarianten!

Beim MQB denkt man in Segmenten

Hinter dem Kerngedanken des MQB stehen zwei zunächst scheinbar widersprüchliche Zielsetzungen: Eine möglichst umfassende Vereinheitlichung von Technikmaßen und Arbeitsabläufen, um so Synergien zu nutzen – und das bei Erhalt einer großen Variantenvielfalt.

MQB-Modelle werden daher gedanklich in Baukästen für Antrieb, Fahrwerk und Aufbau aufgeteilt, die sich dann unterschiedlich kombinieren lassen. Variabel bleiben in diesem Konzept etwa der Radstand, die Spurbreiten und die Rädergrößen – nur dann lassen sich in einem Baukasten unterschiedliche Fahrzeugarchitekturen darstellen. Andererseits sind vereinheitlichte Technikmaße eine entscheidende Voraussetzung für das erfolgreiche Umsetzen eines modularen Baukastens. So ist ein ganz entscheidendes Kriterium des MQB der immer gleiche Abstand zwischen Gaspedal und vorderer Radmitte, was vor allem die zentrale Antriebseinheit betrifft.

Folgerichtig führte das Baukastenprinzip auch zur Konzeption zweier neuer Motorengenerationen, sowohl Benziner (EA211) als auch Diesel (EA288), die ihrem Einsatz entsprechend mit weiteren Komponenten aus dem modularen Motorbaukasten aufgebaut werden können. Die Benziner-Palette reicht vom kleinen Einliter-Dreizylinder – nur für den Up und nicht im MQB eingesetzt – über den 1.2 und 1.4 TSI mit Zylinderabschaltung. Familienmitglieder sind auch die Saugrohreinspritzer, die primär für die asiatischen Märkte gedacht sind.

Der Dieselbaukasten soll zunächst aus neuen 1,6- und Zweiliter-Motoren im Leistungsspektrum zwischen 90 und 190 PS bestehen. Von Vorteil – nicht nur für die Montage in allen Fabriken weltweit – ist das angestrebte einheitliche Motor-Getriebe-Flanschbild; es erlaubt zudem die Nutzung gleicher Getriebe für alle Motorfamilien in jeder Drehmomentklasse. Unterm Strich konnte der Konzern die Motor- und Getriebe-Varianten mit dem MQB-System um sage und schreibe 88 Prozent (auf 36) reduzieren.

MQB sichert Zukunftsfähigkeit

Daneben ist der größte Vorteil, dass künftig all die genannten Modelle – trotz unterschiedlicher Radstände und Spurbreiten – auf der gleichen Fertigungslinie gebaut werden können, unabhängig vom Produktionsstandort. Theoretisch gilt das sogar für Modelle verschiedener Konzernmarken.

Der MQB macht es möglich, neben konventionellen Antriebskonstellationen auch alle denkbaren Alternativkonzepte in identischer Einbaulage ohne Einschränkungen darzustellen – von Erdgas- über Hybridversionen bis hin zum rein elektrischen Antrieb. Damit sieht sich der VW-Konzern für die Zukunft gut gerüstet.

Und in jedes neue MQB-Modell sollen künftig strukturelle Optimierungen der Karosserie einfließen – stets mit dem Ziel, Gewicht und damit Antriebsenergie zu sparen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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