Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA startet eine neue technische Untersuchung zum GM 6,2-Liter-V8 L87. Laut Detroit News betrifft das Verfahren 997.743 Pick-ups und SUVs der Modelljahre 2021 bis 2026, darunter Cadillac Escalade, Chevrolet Silverado 1500 und GMC Yukon. Auslöser sind 499 Beschwerden, in denen Halter von Motorschäden berichten, obwohl GM die Fahrzeuge bereits im früheren Rückruf abgearbeitet hat. Die NHTSA will jetzt die Wirksamkeit der damaligen Abhilfe bewerten und gleichzeitig Ausfälle bei später produzierten Motoren einordnen.
Selbst Motortausch hilft offenbar nicht immer
GM rief im vergangenen Jahr mehr als 600.000 Fahrzeuge wegen drohender Motorschäden zurück und verwies auf Probleme aus dem Zulieferumfeld. Händler sollten die Motoren prüfen: Fiel der Check unauffällig aus, empfahl GM als Maßnahme zähflüssigeres Öl; bei auffälligen Befunden tauschte GM Bauteile oder gleich komplette Motoren. Laut Detroit News meldeten allerdings rund 500 Besitzer nach der Maßnahme erneut Motorschäden. In den meisten Fällen taucht in den Berichten ein Ölwechsel im Zuge der Rückrufmaßnahme auf; 26 Halter geben sogar an, dass ein kompletter Ersatzmotor später ebenfalls ausfiel.
Was den L87 anfällig machen könnte
Der L87 gehört zur Generation-V-Small-Block-Familie und löste den L86 ab. Im Vergleich zum Vorgänger hatten die Ingenieure insbesondere die Zylinderabschaltung erheblich komplexer gestaltet: Statt "V4 oder V8" (Active Fuel Management beim L86) nutzt der L87 Dynamic Fuel Management und kann je nach Last in vielen Stufen Zylinder deaktivieren. Für Käufer klingt das nach dem Ideal aus V8-Drehmoment und weniger Verbrauch – im Alltag bedeutet es aber: Ölkreislauf, Lagerstellen und Regelstrategie arbeiten in sehr vielen Betriebszuständen, und der Motor wechselt ständig zwischen den Lastsituationen. Wenn dann Fertigungstoleranzen oder Verschmutzungen an kritischen Stellen hinzukommen, hakt es oft ausgerechnet an den klassischen Schwachpunkten eines Verbrenners: Lager, Kurbeltrieb, Schmierung.

Beim L87-Smallblock-V8 von GM gilt: Nach dem Rückruf ist vor dem Rückruf - die erste Rückrufaktion hat anscheinend die Probleme nicht behoben.
Kurbeltrieb, Lager, Fertigungsfenster
Im Zentrum der Untersuchungen stehen laut früheren Unterlagen Schäden an Kurbelwelle, Pleuel, Lagern – also im Kurbeltrieb. The Autopian verweist auf eine hohe Zahl früher Ausfälle vor dem Rückruf und beschreibt als Kern des Problems Fertigungs- und Qualitätsabweichungen an internen Komponenten: sedimentartige Verschmutzungen an Pleueln und Ölkanälen sowie bei den Kurbelwellen Maße und Oberflächen-Beschaffenheiten außerhalb der Spezifikation. Der Motor kann dann zunächst durch Geräusche oder sinkenden Öldruck auffallen – oder ohne große Vorwarnung blockieren.
GM-L87-V8Der GM L87 ist ein V8-Motor aus der legendären Small-Block-Familie (Generation V). Mit einem Hubraum von 6,2 Litern leistet das Triebwerk rund 426 PS und liefert 624 Newtonmeter Drehmoment. GM hat den Motor 2019 eingeführt – seither treibt er große Pick-ups und SUVs wie den Chevrolet Silverado, GMC Sierra oder Cadillac Escalade an. Eine technische Besonderheit ist das Dynamic Fuel Management, das aus Effizienzgründen, je nach Fahrgegebenheiten, einzelne Zylinder abschaltet.
Rückruf, Teilemangel, Reparaturstau
Die neue Untersuchung befasst sich mit einem Thema, das das V8-motorisierte Amerika schon beim ersten Aufschlag erschütterte – schließlich galten dort V8-Motoren jahrzehntelang als die zuverlässigsten Verbrenner. Hinzu kam, dass der Rückruf ein Logistikproblem nach sich zog: Ersatzmotorenmangel und lange Standzeiten waren insbesondere für gewerbliche Nutzer schmerzhaft. Inzwischen stellt die NHTSA anscheinen den gesamte Reparaturansatz infrage, was das Vertrauen in die besagte Motorenbaureihe weiter aufweichen könnte.
Parallel baut GM am Nachfolger
GM arbeitet parallel an einer neuen Small-Block-Generation, die ab 2027 in verschiedenen Baureihen arbeiten könnte.












