Vergleich BMW X6 gegen Mercedes GLE Coupé

Goliath gegen Goliath

IAA 2019

Im Kampf um gutverdienenden SUV-Fans gehen zwei bekannte Modelle auf der IAA neu ins Rennen: BMW X6 und Mercedes-Benz GLE Coupé. Wir haben uns beide auf der Messe genauer angeschaut.

Auf der IAA sind neben Studien, Elektroautos, Kleinwagen und Supersportlern auch die gefragtesten aller Automobile vertreten, die SUVs. Gewaltige Fahrzeuge, die Platz für nicht mehr Personen bieten wie ein Kompakwagen, aber mit Leistung aufwarten, die selbst Sportwagenfahrern Angst und Bange macht. Perfekte Hybride also, ohne Hybridantrieb. Zwei der größten SUV-Coupés feiern auf der diesjährigen IAA ihre Auftritte: BMW X6 und Mercedes-Benz GLE Coupé. Wir zeigen, wer was zu bieten hat.

Kaltvergleich BMW X6 gegen Mercedes GLE Coupé: Goliath gegen Goliath

BMW X6 3. Generation 2020
BMW X6 3. Generation 2020 BMW X6 Marcel Sommer BMW X6 3. Generation 2020 BMW X6 3. Generation 2020 17 Bilder

Länger, höher, breiter

Bereits Anfang 2019 hatte Mercedes den GLE (W167) neu aufgelegt. Mit diesem Modell ist das Coupé bis zur B-Säule weitgehend identisch. Es basiert auf der MRA-Plattform der neuen E-Klasse und speckt dadurch im Vergleich zum Vorgänger um ein paar Kilogramm ab. Bei den Dimensionen legt das GLE Coupé gegenüber dem Vorgänger beim Radstand um 20 Millimeter, bei der breite um sieben Millimeter (2.010 mm) und bei der Länge um 39 Millimeter (4.939 mm) zu. Beim Radstand unterbietet das Coupé den SUV um 60 Millimeter.

Mercedes-AMG GLE 53 4MATIC+ Coupé
Mercedes-AMG
Der Mercedes-Benz GLE Coupé ist 4,94 Meter lang und 2,01 Meter breit.

Die Windschutzscheibe der neuen Modellgeneration ist flacher geneigt als bisher, die darunter liegenden Flanken gestaltet Mercedes flächig. Kunststoffbeplankungen und optionale Trittbretter sollen dagegen den „SUV“ im SUV-Coupé (SUC) betonen. An der neuen Front sitzt prominent ein A-förmiger Grill, während sich der des Vorgängermodells noch nach unten verjüngt hatte. Zudem sind die Lufteinlässe gewachsen und statt einer Sicke, die durch die Türgriffe läuft, findet sich nun eine oberhalb der Griffe.

US-Boy für Europa

Der X6 der dritten Generation folgt auf den bereits vor einem Jahr vorgestellten neuen BMW X5 (G05) und wird wie dieser auch weiterhin im US-Werk Spartanburg gebaut. Entsprechend zum neuen X5 nimmt auch das SUV-Coupé eine neue Stylinglinie auf, die mehr auf scharfe Kanten setzt als bisher. Speziell am Heck mit den niedrigeren, in die Breite gezogenen Leuchten fällt dies auf. Rein optisch nimmt dies dem X6 ein Stück seiner bisherigen „Pummeligkeit“, auch die neuen Lufthutzen in den hinteren Seitenteilen bringen einen aggressiveren Look.

BMW X6 3. Generation 2020
BMW
Der BMW ist zwei Meter breit.

Die Größenänderungen im Vergleich zum Vorgänger fallen nicht besonders ins Gewicht: Die Höhe reduziert sich um sechs Millimeter auf 1.696 Millimeter, in der Breite legt der neue BMW X6 um 15 auf 2.004 Millimeter zu, die Länge wächst um immerhin 26 auf 4.935 Millimeter. Die größte Änderung gibt es beim Radstand, wo ein Plus von 42 Millimeter ein neues Maß von 2.975 Millimeter bringt.

In Bezug auf die äußeren Abmessungen sind bei den beiden Kontrahenten im SUV-Segment demnach kaum Unterschiede auszumachen. Wer es genauer mag: Der Mercedes ist vier Millimeter länger und sechs Millimeter breiter als der BMW.

Innen geht’s komfortabel zu

Coupé oder nicht, laut Mercedes bietet das neue GLE Coupé mehr Platz im Innenraum als sein Vorgänger. Das Cockpit wirkt wie eine gewaltige Schaltzentrale, ohne zu viele Schalter. Beziehungsweise sehr wenig Schalter. Der große Doppelbildschirm in der Front und die üppige Verwendung von Leder erzeugt ein Gefühl von Luxus. Oder anders gesagt: Hier haben auch große Hände ordentlich was zu packen. Ob Lenkrad, Mittelkonsole oder Tür – die mit Leder ummantelten Interieurelemente wirken sportlich robust. Hinzu kommen Sitze, die kaum komfortabler sein könnten.

Mercedes-Benz GLE Coupé Marcel Sommer
Stefan Baldauf / SB-Medien
Coupé oder nicht, laut Mercedes bietet das neue GLE Coupé mehr Platz im Innenraum als sein Vorgänger. Ein erster Check zeigt vor allem: hier geht´s edel zu und äußerst komfortabel.

Eher mäßig komfortabel ist der Einstieg in den Fond. Hier stört die Kombination aus massivem Radkasten und kleinem Türausschnitt. Eine dritte Sitzreihe wie im SUV gibt es nicht für Geld oder gute Worte. Das Gepäckabteil schluckt mit maximalen 1.790 Litern bauartbedingt deutlich weniger als der Standard-SUV (2.055 Liter). Mindestens sind es aber doch stattliche 655 Liter, ohne umgelegte Rücksitze. Wem die Ladekante zu hoch ist, der kann sie sich bei zugebuchtem Luftfahrwerk um bis zu 50 Millimeter absenken.

BMW deutlich sportlicher

Mit 580 bis 1.530 Litern Kofferraumvolumen fällt der BMW X6 deutlich hinter den Schwaben zurück. Und das, obwohl er bei umgeklappter Rückbank fünf Liter mehr bietet, als sein Vorgänger. Wer auf ein paar Liter Gepäck verzichten kann, wird sich an dem komfortablen Fond erfreuen. Im Vergleich zum Mercedes fällt bereits der Einstieg um ein Vielfaches leichter, was den Gesamteindruck in puncto Platzangebot positiv beeinflusst. In beiden Fahrzeugen kommen Mitfahrer mit einer Körpergröße bis 1,85 Meter ohne jegliche Haar-Decken-Berührung aus.

BMW X6 Marcel Sommer
Stefan Baldauf
auto-motor-und-sport-Redakteur Marcel Sommer hat sich die beiden SUVs auf der IAA genauer angeschaut.

In der ersten Sitzreihe darf das Gardemaß sogar noch um einige Zentimeter höher liegen. Wer hier auf einem der beiden Sportsitze thront, will kaum noch aussteigen. In diesem Punkt schenken sich die beiden SUV nichts. Das Cockpit des neuen BMW X6 entspricht dem des X5 und bietet entsprechend die Möglichkeit optionaler Glasapplikationen für den Gangwahlschalter, den i-Drive Controller, den Start-/Stopp-Knopf und den Lautstärkeregler des Audiosystems. Ebenfalls neu sind die Thermo-Cupholder mit Kühl- und Wärmefunktion. Für den X6 ist eine Lederausstattung (Version „Vernasca“) serienmäßig, optional gibt es die Merino-Lederausstattung aus dem Individual-Programm. Unterm Strich zeigt sich der BMW aufgrund fehlender Mittelkonsolengriffe urbaner, weniger rustikal. Gleichzeitig wirkt der aufgesetzte Infotainment-Bildschirm im Vergleich zum Mercedes-Kino ein wenig stiefmütterlich.

Beim Innenraum liegen beide SUVs gleich auf. Sowohl in puncto Wertigkeit, als auch Praktikabilität. Der BMW punktet allerdings deutlich beim Einstieg in den Fond. Hier muss Mercedes nachbessern, damit aus der Turnstunde ein angemessenes Betreten wird.

Benz-Motoren mit ordentlich Wumms

Als Basismotorisierung dient im GLE Coupé der OM 656, also der Reihensechszylinder-Diesel der aktuellen Motorenfamilie. Den bietet Mercedes in zwei Leistungsstufen als 350 d 4Matic mit 272 PS und als 400 d 4Matic mit 330 PS an. Beide Varianten erfüllen dank SCR-Kat in Kombination mit Ammoniak-Sperr-Kat die die Abgasnorm Euro 6d. Weiterhin eint alle Varianten das Automatikgetriebe 9G-Tronic mit elektronisch geregelter Lamellenkupplung. Für Vortrieb im GLE 53 Coupé sorgt ein doppelt aufgeladener 3,0-Liter-Reihen-Sechszylinder. Der Motor leistet 435 PS und generiert ein maximales Drehmoment von 520 Newtonmetern. Zusätzlich sitzt zwischen Motor und Getriebe ein so genannter EQ Boost Startergenerator, der Anlasser und Lichtmaschine vereint. Dieser speist das 48-Volt-Bordnetz und kann kurzzeitig für einen Leistungsgewinn von 22 PS und einen Drehmoment-Zuwachs von 250 Newtonmetern (Boosten) sorgen.

Mercedes-Benz GLE Coupé (2020)
Mercedes
In der AMG-Version entfesselt der Fahrer bis zu 612 PS.

Wie schon beim GLE-SUV kommt auch das AMG-Coupé aus Affalterbach mit zwei Leistungsversionen auf den Markt. Unter der konturierten Motorhaube arbeitet der 4,0-Liter-Biturbo-V8, der in der S-Version 612 PS auf die Kurbelwelle stemmt und in der zivileren Version ohne den S-Zusatz immerhin noch auf 571 PS kommt.

530 PS starker V8 aus München

Zum Marktstart bringt BMW den X6 mit jeweils zwei Diesel- und Benzinmotoren. Alle sind mit der Achtgang-Steptronic verheiratet. Die M-Modelle sind ab Start verfügbar. Dabei kommt im X6 M50i der neue V8-Benziner zum Einsatz, welcher bislang auch im X5 noch nicht verfügbar ist und dort voraussichtlich im September debütieren soll. Mit 530 PS beschleunigt der 4,4-Liter-Achtzylinder den neuen BMW X6 in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 und bringt ihn auf ein (abgeregeltes) Maximaltempo von 250 km/h.

BMW X6 3. Generation 2020
BMW
Bis zu 530 PS bringt der neue BMW X6 auf die Straße.

Beim Thema Motorisierung ist entscheidend, worauf es dem Kunden ankommt: Sattes V8-Grollen oder einfach nur viel PS auf dem Papier. Bei Mercedes ist dank des 612 PS starken V8 beides möglich. So lässt er den BMW in diesem Punkt im Regen stehen.

Preise

Bei Mercedes hält man sich bezüglich der Preise des neuen GLE Coupés bedeckt. Nimm man die Preissteigerungen der Vergangenheit als Richtungsmesser, dürfte der Einstiegspreis bei rund 76.000 Euro liegen. Das aktuell günstigste GLE Coupé, der 350 d 4 Matic, startet bei 71.698 Euro. Das aktuelle 585-PS-Topmodell steht mit 132.685 Euro in der Preisliste. Die 140.000 Euro-Grenze dürfte demnach vom Nachfolger haarscharf touchiert und mit dem ersten Häkchen in der Aufpreisliste gecknackt werden. Fest stehen die Termine zur Auslieferung: ab Frühjahr 2020.

Der auf der IAA seine Premiere feiernde BMW X6 startet ab November 2019 in den Markt. Die Preise beginnen bei 75.500 Euro für den X6 xDrive30d. Der X6 xDrive40i kostet ab 77.000 Euro. Für den X6 M50d müssen mindestens 96.600 Euro investiert werden, der X6 M50i steht schließlich für 99.000 Euro in der Preisliste.

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Fazit

Den sportlicheren Eindruck macht – zumindest im Innenraum – der BMW X6. Keine überflüssigen Haltegriffe oder ähnliche Offroad-Anleihen. Denn eines ist mal sicher: Abgesehen von einer Weide, die bei einem Reitturnier befahren werden muss, dürfte keiner der beiden SUVs jemals ins Gelände abdriften. In puncto Preispolitik fahren beide Hersteller in derselben Spur. Mit der Ausnahme, dass der BMW die Ausfahrt unter der 100.000 Euro-Marke nimmt, während der Mercedes-Kunde auf Anhieb und für mehr PS satte 40.000 Euro mehr auf den Tisch legen kann.

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