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Neue Studie zur Elektromobilität

Wir Deutsche ticken anders

Eine neue Castrol-Studie beleuchtet umfassend die weltweiten Erwartungen an die E-Mobilität. Es zeigt sich: Die Deutschen ticken in Sachen Elektroautos anders als die anderen.

Sollten Sie etwas verwundert angesichts des Auftraggebers dieser Studie sein, sei es hier noch einmal bestätigt: Ja, ausgerechnet das Mineralöl-Unternehmen Castrol hat eine umfassende Untersuchung zum Thema Elektromobilität in Auftrag gegeben. Doch auch eine Firma aus der alten Welt der fossilen Kraft- und Schmierstoffe muss sich für die Zukunft wappnen. Castrol scheint sich hier bereits zu positionieren: Die Marke ist sehr aktiv, was die Entwicklung von speziellen Getriebeölen, Kühlmitteln und Schmierfetten für Elektroantriebs-Komponenten betrifft.

Für Deutsche darf ein E-Auto 33.000 Euro kosten

Interessante Erkenntnisse liefert die Studie namens "Accelerating the EVolution" ("Die EVolution beschleunigen") allemal. Vor allem im Hinblick darauf, wo sich die deutschen Verbraucher, Flottenmanager und Führungskräfte der Automobilindustrie in ihren Erwartungen an die Elektromobilität im internationalen Vergleich ansiedeln. Und da zeigt sich: Deutsche Autofahrer stellen im Schnitt höhere Anforderungen an Ladezeiten und Reichweite von Elektroautos, sind dafür aber auch bereit, höhere Preise für ein EV ("Electric Vehicle") zu zahlen.

09/2020, Studie Accelerating the EVolution
Castrol
Nur die Chinesen und die Japaner sind bereit, mehr Geld für ein E-Auto auszugeben als die Deutschen (hier die Werte in US-Dollar).

Für die hierzulande von Dezember 2019 bis Januar 2020 befragten Studien-Teilnehmer hat der Preis eines Elektroautos oberste Priorität. 64 Prozent von ihnen sagen, dass E-Autos derzeit ihr Budget überschreiten. Dabei sind sie mit 33.000 Euro im internationalen Vergleich sogar bereit, mehr als der Durchschnitt (32.000 Euro) zu bezahlen. Weit vorne liegt in dieser Hinsicht Japan (38.000 Euro). Die Briten wollen dagegen gemittelt nur 26.000 Euro ausgeben.

Nur die Franzosen fordern noch kürzere Ladezeiten

Interessant dabei ist jedoch: 64 Prozent der in Deutschland Befragten nennen die zu erwartenden Wartungskosten als Grund, kein E-Auto zu kaufen. Was zeigt, dass hier falsche Erwartungen vorherrschen, schließlich haben Stromer in dieser Hinsicht klare Vorteile gegenüber Autos mit Verbrennungsmotor.

09/2020, Studie Accelerating the EVolution
Castrol
An die Ladezeiten von Elektro-Modellen stellen die deutschen Verbraucher (grün) recht hohe Anforderungen. In Blau: die Ansichten der Flottenmanager.

Priorität Nummer zwei: die Ladezeiten. Die Deutschen erwarten eine Ladezeit von 29 Minuten, bevor sie den Kauf eines E-Autos in Erwägung ziehen. Die Autofahrer anderer Länder geben den Elektrikern im Schnitt zwei Minuten mehr. Noch fordernder sind die Franzosen (27 Minuten), die Chinesen und Inder zeigen sich bei dem Thema eher entspannt (34 beziehungsweise 35 Minuten). Zwei von drei deutschen Verbrauchern geben zudem an, dass sich Elektroautos nur dann durchsetzen werden, wenn die Dauer des Ladevorgangs ähnlich kurz ist wie ein Tankvorgang beim Verbrenner-Modell.

Reichweite ist nur das drittwichtigste Kriterium

Interessanterweise ist für die deutschen Verbraucher die Reichweite eines Elektroautos nur das drittwichtigste Kriterium. Entsprechend durchschnittlich liegen wir mit unserer Erwartung (472 Kilometer) im internationalen Vergleich (469 Kilometer). Die mit Abstand geringsten Ansprüche haben in dieser Hinsicht die Inder (401 Kilometer), die klar höchsten Reichweiten erwarten die Norweger (507 Kilometer) und die Amerikaner (517 Kilometer).

09/2020, Studie Accelerating the EVolution
Castrol
In allen untersuchten Ländern zeigt sich: Verbraucher (grün) erwarten eine viel geringere Reichweite als Flottenmanager (blau).

Aber auch bei diesem Aspekt zeigt sich wieder eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen an Elektroautos und dem eigenen Mobilitätsverhalten. Drei von fünf Befragten in Deutschland sind der Meinung, dass die Reichweite eine erhebliche Hürde für die allgemeine Verbreitung von Elektrofahrzeugen darstellt. Gleichzeitig gaben 74 Prozent an, ihr Fahrzeug hauptsächlich für Pendel- oder Kurzstreckenfahrten nutzen.

Eine weitere zentrale Erkenntnis der Studie ist übrigens, dass Flotten-Manager mit Blick auf die E-Mobilität ganz anders ticken als die Endverbraucher. Sie erwarten in allen Ländern den Durchbruch deutlich später, lassen längere Ladezeiten zu und können mit höheren Preisen leben, fordern aber deutlich höhere Reichweiten. Außerdem gewichten Flottenmanager die Prioritäten anders: Für sie kommt es in erster Linie auf die Reichweite an; Preise und Ladezeiten spielen in ihren Überlegungen nur eine untergeordnete Rolle.

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Haben Sie auch schon über die Anschaffung eines Elektroautos nachgedacht?
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Fazit

Die Skepsis gegenüber der Elektromobilität ist also noch immer hoch; in Deutschland im Schnitt sogar noch etwas höher als in anderen Nationen. Dennoch scheint der Durchbruch nicht mehr allzu weit entfernt zu sein: Mehrheitlich gaben die deutschen Verbraucher an, dass sie den Kauf eines Elektrofahrzeugs bis 2025 in Erwägung ziehen. Und blickt man auf die aktuellen Neuzulassungszahlen, scheint die Corona-Krise die Entwicklung eher beschleunigt als gebremst zu haben.

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