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T5- und T6-VW-Busse kriegen Elektroantrieb von Naext

T5- und T6-VW-Busse mit Elektroantrieb von Naext Elektrifizieren statt Wegwerfen

Das Start-Up Naext schenkt Verbrenner-Bullis nach dem Vorbild des Second-Life-Konzepts aus dem Flugzeugbau ein zweites Leben und spart so schon CO2, ehe das E-Auto den ersten Kilometer gefahren ist.

Eigentlich ist das Team des Ingenieurbüros Naext Engineering in der Konstruktion im Flugzeugbau tätig. Dort gibt es schon lange das sogenannte Second-Life-Konzept: Alte Flugzeuge werden bis auf den Rumpf komplett entkernt und modernisiert. Das bedeutet: Alles Alte raus und durch neuere und leichtere Materialien ersetzen. Dadurch kann das "alte" Flugzeug erhalten bleiben und durch den Refurbishing-Prozess noch einmal viele weitere Jahre in den Betrieb gehen. Die erst kürzlich aus dem Ingenieurbüro heraus gegründete Tochterfirma mit dem Namen Naext GmbH setzte sich nun zum Ziel, dieses Konzept auch mit Autos umzusetzen. Im letzten Jahr entwickelten sie in nur 100 Tagen den Prototypen N1: Auf der Basis eines gebrauchten, 18 Jahre alten VW T5 Multivan ist der N1 jetzt ein serienreifes Elektrofahrzeug. Es geht aber noch weiter.

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Als Basisfahrzeug für den Prototyp N1 diente ein 18 Jahre alter T5 Multivan. Der Umbau zum E-Fahrzeug schenkte dem Bulli nun ein zweites Leben.

Reduktion von grauer Energie

Ziel der Firma ist nun, einen Elektro-Umbausatz herzustellen, der auch von Partnerwerkstätten flexibel in alle Modelle des gleichen Typs eingebaut werden kann. Mit dem qualitativ hochwertigen Umbau erhält man dann aus seinem alten Verbrenner mit meist üppigen Emissionen ein vollelektrisches, TÜV-geprüftes, überarbeitetes Fahrzeug, das noch viele weitere tausend Kilometer fahren kann. Ein Display auf dem Armaturenbrett informiert den Fahrer oder die Fahrerin über den Betrieb des E-Motors. Mit einem Preis des Umbau-Kits von ca. 30.000 Euro wäre man damit nicht nur billiger unterwegs als mit einem neu gekauften Stromer, sondern vor allem nachhaltiger. Denn es muss nicht ein weiteres Mal viel "graue" Energie, also die Energie für Herstellung, Lagerung, Transport und Bau eines Neuwagens, aufgewendet werden, sondern man schenkt dem Rohgerüst des Alten ein zweites Leben. Der Preis soll laut Naext in den kommenden Jahren noch merklich sinken.

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So sieht der Motorraum aus, wenn der alte Verbrenner aus- und der neue E-Motor eingebaut ist.

Modulares Umbau-Set

Das Umbau-Set, das die Hamburger Ingenieure in den Bulli einbauen und zukünftig als kompaktes Umbau-Kit auch an ihre Partnerwerkstätten liefern wollen, besteht aus zwei Hauptkomponenten: Dem Antriebsmodul und dem Akkumodul. Die Module entwirft und konstruiert das Ingenieur-Team mithilfe von CAD-Software. Sie sind statisch berechnet und nachgewiesen. Dazu sind sie "made in Germany". Als Basis dient der originale Aggregate-Träger, der von unten komplett ausgerüstet in das Fahrzeug eingesetzt wird. Nach ein paar weiteren kleineren Umbauten steht einem zweiten elektrischen Leben für den ursprünglichen Verbrenner-Bulli nichts mehr im Wege, so das Hamburger Unternehmen.

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Eine Nahaufnahme des Antriebsmoduls.

Reichweite je nach Bedarf

Für den aktuell angebotenen Umbau von VW T5 und T6 auf Elektro-Antrieb erhält der gebrauchte Bulli eine richtige Verschlankungskur: Dieselmotor, Tank, Abgasanlage und weitere Verbrennerteile werden aus- und der neue Antriebsstrang mit Batterie und 55 kW (75 PS) moderat starkem Elektromotor eingebaut. Ganz nach dem Vorbild des Refurbishing aus der Flugzeugbranche bietet Naext auf Wunsch die Modernisierung des Innenraumes an. Hierfür sind 3D-Drucker im Einsatz. Ladefläche, Tische, Sitze und Stauraum bleiben die alten. Interessant ist, dass auch das manuelle Getriebe erhalten bleibt. So soll der Umbau schneller vonstatten gehen. Es passt aber auch zur Überzeugung der Entwickler, möglichst viel zu erhalten und somit ressourcenschonend zu arbeiten. So bieten sie zum Beispiel auch an, sich zunächst erst eine kleinere Batterie mit 200 Kilometern Reichweite einbauen zu lassen. Mehr ist im Pendler-Alltag oder im Handwerkerbetrieb nicht unbedingt nötig. Und wenn der Kunde will, so das Start-Up, kann er sein Auto für einen halben Tag in die Werkstatt bringen und die Reichweite auf 400 Kilometer verdoppeln lassen. Damit kann etwa der Einsatz seltener Materialien wie etwa für die Batterie den Bedürfnissen der Kunden angepasst werden.

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Der originale Aggregateträger dient als Basis und wird von unten komplett ausgerüstet in das Fahrzeug eingesetzt.

Zweiter Prototyp mit höherer Ladegeschwindigkeit

Mittlerweile ist auch ein weiterer Prototyp entstanden. Der N2 Holiday, eine Kombination aus dem modularen Elektroumbau eines VW-Transporters und einem Ausbau zum Tagescamper, bringt es bereits auf 110 kW Leistung, eine Akkukapazität von 72 kWh und 350 Kilometer Reichweite. Nicht viel weniger als der vollelektrische, für 2022 geplanten VW ID.Buzz wohl schaffen wird. Auch die Ladegeschwindigkeit entwickelte sich beim N2 von 7,5 kW auf 11 kW weiter. Naext bietet aktuell Umbauten von T5 und T6 Multivan oder California sowie Transporter, egal ob für private oder gewerbliche Zwecke. Es sollen in den nächsten Jahren aber auch noch weitere Prototypen im Pkw-Bereich folgen.

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Viel ist von der ursprünglichen Verbrennerausrüstung nicht mehr da. Nur noch das, was gebraucht wird, bleibt erhalten.

Upgraden statt Abwracken

Das Team des Hamburger Start-Ups will mit seinem Second-Life-Konzept nicht nur dafür sorgen, dass Millionen bereits gebauter und teils ausgedienter Autos ein zweites, sauberes Leben geschenkt bekommen. Sie versprechen sich auch neue Arbeitsplätze in Werkstätten, wenn die künftig mehr alte Autos zu Elektrofahrzeugen umrüsten. Upgraden statt abwracken ist die Devise, so der Mitgründer H. Behn. Ob sich dies wirklich zu einem fundierten Geschäftsmodell entwickeln wird und nicht doch mit einem zu hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden bleibt, sei dahingestellt. Es bleibt auch offen, ob sich bei einem so spezifischen, individuellen Umbau technische Probleme im Alltag schnell beheben lassen, wenn die von Naext angekündigte Werkstatt-Infrastruktur noch nicht gegeben ist. Aber neue Impulse in Richtung nachhaltiges Wirtschaften sind nicht nur für Flugzeuge wichtig. Schließlich fahren allein in Deutschland 47 Millionen Autos, die wenigsten davon elektrisch.

Fazit

Die Hamburger Firma Naext Engineering will ihren Anteil zu einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen beitragen und baut E-Motoren in alte T5 oder T6-Bullis mit herkömmlichen Antrieben ein. Mit neuem sauberen Motor und weiteren Modernisierungen am gebrauchten Fahrzeug kann das "alte neue" Fahrzeug so noch viele tausend Kilometer weiterfahren. Mit 30.000 Euro ist das im Moment allerdings noch relativ teuer. Das Hamburger Start-Up arbeitet aber an einem Umbausatz, mit dem die Umrüstung in Partnerwerkstätten dann günstiger ausfällt. Ein durchaus aufwändiger, aber innovativer Wendeimpuls hin zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Mobilität.

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