10/2020, Cruise Cruise

Studie: Autonome Autos sparen nur wenig Energie

Studie zur Mobilität der Zukunft Autonome Autos sparen nur wenig Energie

Einer aktuellen Studie der Agora Verkehrswende zufolge sparen autonom fahrende Autos kaum Energie. Vor allem die Datenmengen machen den Vorteil des effizienten Fahrstils zunichte.

Hand aufs Herz, eigentlich haben wir das alle in der Fahrschule gelernt. Vorausschauendes Fahren spart Energie, weil nicht unnötig stark beschleunigt und wieder abgebremst werden muss. Moderne Fahrassistenten, die beispielsweise Navigationsdaten in der Steuerung der Geschwindigkeitsregelanlage übernehmen, machen uns das vor. Naht eine Kurve oder ein Gefälle, wird die Geschwindigkeit bereits im Vorfeld angepasst.

Das Auto im "Internet of Everything"

Blicken wir in die Zukunft. Autonom fahrende Autos müssten doch dann äußerst sparsam unterwegs sein, oder? Sie sind untereinander und mit dem "Internet of Everything" vernetzt und können staureiche Strecken umfahren, kennen die Rot- und Grünphasen und Ampeln sowie die Strecke auf der Route.

Die perfekte Ausgangslage für einen ruhigen und damit sparsamen Fahrstil. Dennoch geht die Agora Verkehrswende in einer aktuellen Studie davon aus, dass der Energiebedarf durch autonom fahrende Autos nicht sinkt.

Der Verbrauch der Fahrzeuge dürfte, den Angaben der Forscher des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) zufolge, in der Tat um vier bis zehn Prozent sinken. Gleichzeitig machen die erhöhten Anforderungen an das Mobilfunknetz, die Datenverarbeitung im Auto und auch die Menge an aus dem Auto heraus gesendeten Daten diesen Vorteil wieder zunichte.

Bis zu 19 Terrabyte Daten pro Stunde

Die Modellrechnung sieht vor, dass ein selbstfahrendes Auto pro Stunde 1,4 bis 19 Terrabyte an Daten an Empfänger in seinem Umfeld sendet. Dazu zählen zum Beispiel andere Verkehrsteilnehmer, Leitstellen und vernetzte Ampelanlagen.

Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die Menschen autonom fahrende Autos häufiger nutzen und damit mehr Kilometer fahren, als wenn sie selbst steuern müssten. Die Agora Verkehrswende mahnt daher an, "automatisierte Fahrzeuge in erster Linie gemeinschaftlich zu nutzen und gut in den öffentlichen Verkehr zu integrieren. Nur so ließe sich ein Anstieg der Pkw-Fahrleistung und des damit verbundenen Energieverbrauchs vermeiden." Den Berechnungen zufolge lassen sich durch autonom fahrende Autos im Jahr 2050 vier bis zehn Prozent Energie einsparen. Aber schon der Anstieg der Fahrleistung um ein Prozent würde diesen Vorteil auffressen.

Fazit

Autos werden immer effizienter, aber zusätzliche Elektronik benötigt mehr und mehr Energie. Beim selbstfahrenden Auto fressen die Datenströme und die Infrastruktur den Vorteil der sparsamen Fahrweise anfangs wieder auf. Es bleibt wichtig, immer die gesamte Energiebilanz im Auge zu haben.

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