Ford Assistenzsystem Co-Pilot Mach-E Ford
04/2021, Ford BlueCruise Assistenzsystem
Ford Assistenzsystem Co-Pilot Mach-E
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04/2021, Ford BlueCruise Assistenzsystem 13 Bilder

General Motors verklagt Ford wegen Blue-Cruise: Markenrechte verletzt?

General Motors verklagt Ford wegen Blue-Cruise Ford soll Namen seines Assistenz-Pakets ändern

Die neuen elektronischen Fahrhilfen kommen erstmals im Mustang Mach-E und F-150 zum Einsatz. Doch GM sieht durch die Systeme seine Markenrechte verletzt.

Ford nannte seine elektronischen Assistenz-Systeme bisher Co-Pilot; in der letzten Ausbaustufe trug das Paket den Namen "Co-Pilot360 Active 2.0 Prep Package". Dass diese Bezeichnung nicht sonderlich griffig ist, ist nun offenbar auch den Entscheidern in Dearborn aufgefallen. Deshalb nennt Ford das Technik-Bündel, das assistiertes Fahren auf Level 2 ermöglicht, künftig "Blue-Cruise". Damit greift die Marke ihren Spitznamen in den USA auf: Bezogen auf das Markenemblem wird sie dort "The Blue Oval" genannt. Und Cruise ist eine in den USA übliche Bezeichnung für autonome Fahrfunktionen.

Doch aus dem neuen Namen erwachsen Ford nun Probleme. General Motors sieht dadurch seine Markenrechte verletzt und reichte am Freitag (23. Juli 2021) deshalb eine Klage gegen seinen Konkurrenten ein. Hintergrund: Der Name des 2013 gegründeten Start-ups für autonomes Fahren, an dem GM inzwischen die Mehrheit hält, lautet "Cruise". Zudem verpasst der Konzern seiner eigenen Technik für automatisiertes Fahren seit 2017 die geschützte Bezeichnung "Super Cruise".

GM fordert auch Schadenersatz von Ford

In einer Mitteilung von General Motors heißt es, man habe die Sache außergerichtlich lösen wollen. "Während GM gehofft hatte, die Angelegenheit der Markenrechtsverletzung mit Ford gütlich zu lösen, blieb uns keine andere Wahl, als unsere Marken energisch zu verteidigen." Ford soll die Bezeichnung "Blue-Cruise" nicht mehr verwenden dürfen, zudem fordert GM einen nicht näher bezifferten Schadenersatz. Doch Ford wehrt sich: "Autofahrer wissen seit Jahrzehnten, was ein Tempomat ist, jeder Autohersteller bietet ihn an, und 'Cruise' ist eine gängige Abkürzung für diese Funktion", so der Hersteller in einer Erklärung.

04/2021, Ford F-150 Modellpflege Sommer 2021
Ford Motor Corp.
Ford rüstet den aktuellen F-150 mit "Blue-Cruise" aus.

Die ersten Modelle, welche die neue Technik erhalten, sind der neue Elektro-Crossover Mustang Mach-E (hier in einigen Modellvarianten sogar serienmäßig) und die aktuelle Version des Pick-up-Bestsellers F-150 ab Modelljahr 2021. Weitere Baureihen sollen dann jedoch peu à peu folgen. Sofern die Autos über das "Co-Pilot360 Active 2.0 Prep Package" verfügen, sollen sie in der zweiten Jahreshälfte ein 600 Dollar (gut 500 Euro) teures Over-the-Air-Update erhalten. Die Software-Auffrischung beschert ihnen das neue Blue-Cruise-Paket und im Zuge dessen auch einen "Hands-Free-Mode".

Freihändiges Fahren mit Überwachung

Dieser nutzt sowohl Kamera- als auch Radarsensor-Technologien und baut auf der adaptiven Geschwindigkeitsregelung mit Stop-and-Go-Funktion, Fahrspurzentrierung und Verkehrszeichenerkennung auf. Blue-Cruise ergänzt bekannte Größen wie Notbrems- oder Parkassistent sowie Querverkehrswarner und erlaubt es, die Hände vom Steuer zu nehmen – und zwar nicht nur für wenige Sekunden, wie das bei den Mitbewerbern aktuell implementiert wurde.

Ford Assistenzsystem Co-Pilot Mach-E
Ford
Mit dem Umfang der Assistenten will Ford das Tesla Model Y ausstechen.

Das System zwingt den Fahrer allerdings zur Aufmerksamkeit. Eine Infrarot-Kamera erfasst die Augen und die Kopf-Position, laut Ford sogar bei Sonnenbrillen-Trägern. Fallen also die Augen zu, oder der Fahrer schaut für längere Zeit aus dem Seitenfenster, schlägt das System Alarm, verlangt einen Eingriff oder bremst das Fahrzeug zur Not bis zum Stillstand herunter.

Bekannte Systeme wurden verbessert

Weiterentwickelt wurden zudem der Stau- und Spurhalteassistent. Ersterer kann im Stop-and-Go-Verkehr nun selbstständiger agieren. Bislang musste das Auto nach einem Stillstand von mehr als drei Sekunden manuell wieder angefahren werden. Diese Standzeit hat Ford auf 30 Sekunden angehoben. Der aktive Spurhalteassistent erkennt nun auch auf Landstraßen ohne Markierungen den Fahrbahnrand – sofern ein klarer Abschluss vorhanden ist, also eine Gras-Narbe oder einfach nur Erde. Zudem will Ford die Fahrspurzentrierung verbessert haben.

Ford Assistenzsystem Co-Pilot Mach-E
Ford
Der überarbeitete Spurhalteassistent erkennt den Fahrbahnrand von Landstraßen auch ohne Markierungen.

Für mehr Sicherheit in der Stadt packt Ford noch einen Kreuzungs-Assistenten dazu. Der verhindert Unfälle von Linksabbiegern bei Gegenverkehr von vorne. Perspektivisch will Ford zudem einen Spurwechsel-Assistenten, der durch Antippen des Blinkers aktiv wird, und einen vorausschauenden Geschwindigkeits-Assistenten implementieren.

Vorerst nur in Nordamerika nutzbar

Aktuell funktioniert das System auf rund 100.000 Meilen (gut 160.000 Kilometern) des nordamerikanischen Highway-Netzes. Diese "Hands-Free Blue Zones" sind im Kartenmaterial des Navigationssystems hinterlegt. Sobald das Auto einen solchen Abschnitt erreicht, wird das dem Fahrer im Kombiinstrument angezeigt. Ford schätzt, im ersten Jahr rund 100.000 Fahrzeuge damit auszurüsten. Inwieweit es irgendwann für deutsche Kunden nutzbar sein wird, ist allerdings noch unklar. Gleiches gilt für die Frage, ob das Assistenz-Paket weiterhin die Bezeichnung "Blue-Cruise" tragen darf.

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Fazit

Auch wenn flächendeckendes autonomes Fahren nach wie vor weit entfernt scheint, verdichten sich doch die Komfort-Assistenz-Systeme in den Fahrzeugen. Mit dem Blue-Cruise-System will Ford nun den nächsten Schritt machen. Wenn der Fahrer damit einen Unfall baut, muss er sich schon außerordentlich talentfrei angestellt haben. Viele der Systeme sind zwar keine Neuerfindung von Ford, ein paar spannende Weiterentwicklungen sind aber durchaus dabei. Hoffentlich profitieren davon dann auch die deutschen Kunden.

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