Interview Philipp Schiemer, Schiemer Vorsitzender Geschäftsführung AMG Dino Eisele

Interview mit AMG CEO Philipp Schiemer

Interview mit AMG-Chef Philipp Schiemer „Auch vom EQS kommt eine AMG-Variante“

Philipp Schiemer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Mercedes-AMG, über die Ausrichtung der Marke, Performance-Hybride, Artenschutz für den V8 und den kommenden SL.

Philipp Schiemer war seit 1987 im Daimler-Konzern in verschiedenen Managementpositionen in Deutschland und Brasilien tätig. Unter anderem als Leiter des Produktmanagements der A-Klasse und als Leiter des Bereiches Marketing Mercedes Benz PKW. Seit 2013 verantwortete er das gesamte Brasiliengeschäft als CEO der Mercedes-Benz do Brasil Ltda.

Herr Schiemer, AMG ist breiter aufgestellt als je zuvor: von A-Klasse, GLA und GLB über C- und E- bis hin zu GLS-, G- und S-Klasse. Vom Hypercar One ganz zu schweigen. Können Sie sich das auch weiterhin leisten?

Warum nicht? Die Ausweitung unseres Portfolios war und ist sehr erfolgreich, im letzten Jahr haben wir über 130.000 Autos mit AMG-Label verkauft, das ist schon sensationell. Und auch gut fürs Image. AMG wird ja schon länger nicht mehr als Tuningprodukt gesehen, sondern als eigene Marke, auch als Konkurrenz etwa zu Porsche. Die Ausweitung des Portfolios hat unser Image nicht verwässert, sondern weiter geschärft. Aber eins ist natürlich auch klar, wie Ola Källenius gesagt hat: Wir müssen uns fokussieren, konzentrieren und viel in die Elektro- und Hybridtechnologie investieren. Deshalb werden wir uns ganz genau anschauen, ob wir alle Modelle so weiterbauen oder nicht. Aber dieses stete Überdenken des Portfolios ist ein ganz normaler Prozess. Momentan sind wir mit allen unseren Fahrzeugen sehr zufrieden.

Interview Philipp Schiemer, Mercedes-AMG SL, Exterieur
Christian Schulte
Sportlich leicht - dafür stand das Kürzel SL beim Start 1952. Die Neuauflage mit Stoffverdeck zielt unter dem AMG-Label wieder stärker in diese Richtung.
Dürfen wir auch einen vollelektrischen Sportwagen erwarten?

Zunächst ist es unsere Aufgabe, die sportlichsten Derivate, basierend auf Mercedes Benz-Modellen, zu entwickeln. Wir nehmen also eine Konzernbasis und bieten davon die Performance-Variante von AMG an. Das gilt in Verbindung mit dem Verbrenner als Performance-Hybrid ebenso, wie für EQ-Modelle. Ein erstes rein elektrisches Beispiel dafür ist die AMG-Version des im kommenden Jahr erscheinenden EQS. Wir arbeiten natürlich auch weiterhin an eigenen Themen, wie beispielsweise der Hybrid-Variante unseres Viertürer-GT.

Werden Sie sich trotz zunehmenden Kostendrucks weiterhin technisch von Mercedes differenzieren? Merkt der Kunde so etwas überhaupt?

Natürlich! Unsere Kunden sind schließlich auch echte Fans. Wer einen AMG kauft, der macht das aus absoluter Überzeugung, erwartet eine klare sportliche Positionierung und ist auch bereit, dafür zu bezahlen. Deswegen werden wir den nötigen technischen Aufwand weiterhin betreiben, und dabei natürlich auch die Synergien der großen Marke Mercedes-Benz nutzen, etwa bei den Assistenzsystemen.

Stichwort Mercedes und Synergien: Der nächste SL kommt von AMG und nutzt die gleiche Plattform wir der GT. Gibt es da kein Differenzierungsproblem?

Ob SL und GT tatsächlich auf der gleichen Plattform stehen, werden wir sehen. Sicher ist jedoch, dass sich der neue SL – nicht nur wegen des Stoffverdecks – wieder stärker in Richtung seiner Wurzeln, seiner Heritage orientiert. Er wird spürbar sportlicher als die direkten Vorgänger, ohne dabei dem GT zu nahe zu kommen. Dieser behält weiterhin seine noch konsequentere dynamische, sportliche Ausrichtung. Der SL, der übrigens grundsätzlich AMG im Namen trägt, ist in seinem Charakter weniger kompromisslos.

Zum Schluss eine Frage zu einem wichtigen AMG-Wahrzeichen, dem V8. Aus der C-Klasse wird er verschwinden. Wo darf er bleiben?

Von den Gerüchten der C-Klasse haben wir auch gehört … Um den V8 müssen Sie sich keine Sorgen machen. Er zählt zum Kern der Marke und ist nicht nur in Deutschland extrem beliebt, sondern vor allem in unserem Hauptmarkt USA. Deshalb: der V8 bleibt, zum Beispiel in unserem ersten E-Performance Hybridmodell.

Mercedes-AMG C 63 (2018); BR205

Mercedes-AMG C 63 (2018); BR205
MediaPortal Daimler AG
Der Vierliter-V8 mit Biturbo-Aufladung ist eines der Markenzeichen von AMG - auch akustisch. In Zukunft powert er unter anderem als Performance-Hybrid.
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