BMW 440i Gran Coupé Luxury Line, Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT, Exterieur Achim Hartmann
BMW 440i Gran Coupé Luxury Line, Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT, Exterieur
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BMW 440i Gran Coupé Luxury Line, Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT, Exterieur 30 Bilder

Kia Stinger 3.3 T-GDI, BMW 440i Gran Coupé

Kia Stinger 3.3 T-GDI & BMW 440i GranCoupé im Test Überholt diesmal der Kia?

Die jüngste Modellpflege kostet den Kia Stinger vier seiner vormals 370 PS. Das ergibt einen Vorsprung von genau 40 PS auf das viel teurere BMW 440i Gran Coupé. Kann sich der Kia in diesem Vergleich durchsetzen, oder bleibt der BMW vorn?

Das Fließheck-Konzept ist ja keine so richtig neue Sache. Vor wenigen Jahren noch schien es etwas verstaubt, bis Audi, BMW und Kia die Staubschicht von Heckklappen und Fastback pusteten. Aus den Lieblingsautos der Dorfpfarrer und Gemeinschaftskunde-Lehrerinnen wurden coole Coupés mit großen Klappen für angesagtes Sportgerät.

Nur den richtigen Namen für die neue Coupé-Form hat noch keiner entdeckt: Gran Coupé, Sportback, GT? Zündet alles nicht so richtig, doch einen besseren Vorschlag haben wir ebenfalls nicht. Also schwingen wir uns in die Autos und fahren los, bestimmt warten Sie längst darauf.

BMW 440i Gran Coupé Luxury Line, Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT, Exterieur
Achim Hartmann
Der samtige BMW-Reihensechszylinder läuft kultivierter und sparsamer als der rustikalere Kia-V6.

Zuerst in den Kia Stinger, der kürzlich einer kleinen Modellpflege unterzogen wurde. Sie Facelift zu nennen wäre eine Übertreibung, weil so gut wie nichts geliftet wurde. Alle Änderungen fanden im Interieur oder unter der Motorhaube statt, sieht man einmal von den beiden neuen Lackfarben Lakestone Metallic und Neonorange ab. Unser Testwagen kommt in High Chroma Red für 890 Euro Aufpreis, es ist das einzige kostenpflichtige Extra des Stinger 3.3 T-GDI AWD.

Am Ende stehen also genau 55.381 Euro auf dem Preiszettel – eine Menge Geld für einen sechszylindrigen Gran Turismo aus Fernost. Wenn man nur den Testwagenpreis samt fahrdynamisch relevanten Extras betrachtet, erscheint der Unterschied zum teureren BMW gar nicht so dramatisch: 60.582 Euro wären dann für den 440i Gran Coupé fällig.

Über 15.000 Euro billiger

Das ist freilich nur ein Aspekt der Preisfrage, denn der von Haus aus weniger gut ausstaffierte BMW bringt zusätzlich zu der fahrdynamischen Sonderausstattung wie Adaptivfahrwerk, dickere Räder mit Mischbereifung und variable Sportlenkung viele weitere Extras im Wert von über 15.000 Euro mit, womit er einen Gegenwert von 70.000 Euro darstellt. Und der Kia?

Nichts weiter. Bei ihm gehört alles bis auf den erwähnten Metallic-Lack zur Grundausstattung. So erscheinen über 15.000 Euro weniger auf der Rechnung, mithin der Gegenwert eines Kia Rio in Basisausstattung. Ist der BMW also tatsächlich einen Rio besser als der Stinger T-GDI AWD? Bei der Gestaltung schon mal nicht. Der Entwurf basiert auf der unter Design-Chef Peter Schreyer entstandenen GT-Studie zur IAA 2011. Das Serienauto kommt zwar etwas weniger exaltiert rüber, doch die lang gestreckte Silhouette und das expressive Markengesicht wirken dynamisch und modern.

Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT, Exterieur
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Beim Kia gehört alles bis auf den Metallic-Lack zur Grundausstattung.

Nicht weniger ausdrucksvoll, etwas zurückgenommener und eleganter steht das 4er Gran Coupé da, zeigt in der aktuellen Generation F36 deutliche Anklänge an das größere Gran Coupé der Sechser-Reihe. Der Nachfolger G26, der ja wie der aktuelle Dreier G20 auf der CLAR-Architektur basieren wird, steht schon in den Startlöchern. Ein BMW der alten Schule also, das fällt bereits beim Einsteigen auf. Dieser 440i verfügt über klassische Rundinstrumente, die so schlicht und gut ablesbar sind, dass man sich hier womöglich gar keinen digitalen Fortschritt wünscht.

Ähnliches ließe sich über den Automatik-Wählhebel erzählen. Die griffige Kommando-Einheit über das Achtstufen-Wandlergetriebe erfüllt seine Funktion ergonomisch und ästhetisch überzeugend. Bemerkenswert auch: Bei der Innenraum-Gestaltung folgten die Kia-Kreativen einem ähnlichen Leitbild. Es dominieren ebenfalls klare Rundinstrumente mit tatsächlich vorhandenen Zeigern, und der Wählhebel hat die Gestalt eines massiven und griffsympathischen Hebels.

Drangvoller Kia-V6

Dessen Bedienung wirft keine großen Fragen auf, er wird einfach in die entsprechende Position gedrückt, und los geht’s. Der 3,3-Liter-V6 fällt bereits beim Start durch seine etwas rustikalere Ansprache auf, selbst mit dem theoretisch idealen Zylinderwinkel von 60 Grad geht diesem V6 ein wenig die Seidigkeit ab.

Das Triebwerk gehört übrigens zur Lambda-II-Motorenfamilie, die in Asan/Südkorea und Montgomery/ Alabama zu Hunderttausenden für die höherklassigen Modelle des Hyundai-Konzerns gefertigt wird. Dass der Motor nun auf vier PS verzichten muss, ist beim Fahren natürlich nicht zu merken. Er wirkt kräftig, reagiert spontan auf Gasbefehle und harmoniert gut mit der Achtstufen-Automatik.

Nichts zu mosern also, jedenfalls so lange, bis man in den 440i umgestiegen ist. Dessen Sechszylinder lässt seine Kolben schön aufgereiht an der Kurbelwelle tanzen. Bekanntlich heben sich so Massenkräfte und -momente gegenseitig auf, Beruhigungsmaßnahmen mittels Ausgleichswellen sind nicht erforderlich. Entsprechend seidenweich dreht das BMW-Triebwerk hoch, bleibt dabei recht leise, sodass bald Windgeräusche von den rahmenlosen Seitenscheiben den Motor übertönen.

BMW 440i Gran Coupé Luxury Line, Interieur
Achim Hartmann
Die Bedienung via iDrive-Controller und Spracheingabe gelingt im BMW fast intuitiv.

Der Blick auf die Messwerte zeigt: Das kultivierte Antreten lässt den BMW verhaltener wirken, als er ist. Im Kia fühlt es sich zwar so an, als stürme der GT drangvoll von dannen, doch bei allen Messungen ist er ein paar Zehntel langsamer. Das war vor der Modellpflege noch anders: Der vor rund drei Jahren getestete GT mit 370 PS wurde jeweils ein paar Zehntel fixer gestoppt, er war sogar einen Hauch schneller als der damalige BMW-Testwagen. Offenbar ist der minimale Leistungsverlust dem Kia etwas aufs Gemüt geschlagen.

Immerhin wurde er etwas sparsamer: Statt mit 11,6 Litern wie 2017 ließ er es diesmal mit 10,8 Liter/100 Kilometer im Testmittel bewenden. Was jedoch nichts daran ändert, dass er in praktisch allen Lebenslagen einen Liter mehr Treibstoff verbrennt als der BMW-Reihensechszylinder. Besonders auffällig wird der Unterschied bei schnellen Autobahn-Passagen, nach denen der Stinger mitunter mit einer Vierzehn auf dem Bordcomputer-Display überrascht. Um mit dem 440i dauerhaft über die Zwölf zu kommen, bedarf es dagegen viel freier Strecke und eines sehr druckvollen Gasfußes.

Prinzipiell ist der Kia ohnehin die schnellere Wahl, denn während ihn die Elektronik erst bei 270 km/h abregelt, läuft der BMW schon bei 250 km/h sanft, aber entschieden in den Begrenzer. Auswirkungen in der Praxis? Nicht der Rede wert.

Agiles Gran Coupé

Und falls Sie das Leben mal von der Autobahn auf die Landstraße verschlägt, werden Sie mit dem Gran Coupé etwas mehr Spaß haben. Die Unterschiede bleiben gering, gleichwohl beim direkten Umsteigen bemerkbar. Der 440i biegt agiler in die Kurven, beißt mit seinen nicht angetriebenen Vorderrädern nachdrücklicher in die Ecken, fühlt sich dabei mindestens vier Zentner leichter an als der trägere Stinger. Dabei bringt er nur 158 Kilo weniger auf die Waage, wie sich zu Beginn des Messprogramms zeigt.

Ein Teil des Mehrgewichts geht beim Kia sicher auf das Konto des serienmäßigen Allradantriebs. Käme der BMW als xDrive, läge der Unterschied immer noch bei rund 100 Kilogramm. Große Nachteile hat der BMW-Fahrer durch den fehlenden Allradantrieb kaum zu befürchten, einigermaßen normale Straßenverhältnisse vorausgesetzt. Die gut kontrollierbare und sensible Leistungsentfaltung und die feinfühlige Traktionskontrolle kommen mit dem Hinterradantrieb mühelos zurecht.

Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT, Interieur
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Hinten wirds im Stinger schon mal eng, der Dachhimmel schwebt recht tief über den Fond-Insassen.

Wenn es dennoch unbedingt der Allradantrieb sein muss: Das 440i Gran Coupé mit xDrive kostet genau 2.473 Euro mehr, ein Aufpreis, den so mancher wohl lieber für hübschere Räder investiert.

Der Vierradantrieb setzt sich auch im Stinger nur sehr zurückhaltend in Szene. Man wundert sich allenfalls bei fixerer Kurvenfahrt über die unerschütterliche Traktion an den Hinterrädern. Mit seiner im Extremfall leicht nach außen drängenden Hinterachse wirkt der Kia eher hecklastig. Zu den Neuerungen der Modellpflege gehört ein mechanisches Sperrdifferenzial, das die Kraft je nach Fahrsituation und -modus so verteilt, dass sogar leichte Drifts gefahrlos möglich sind. Nicht auf öffentlichen Straßen, versteht sich.

Fein federnder BMW

So wie bei der Fahrdynamik zeigt sich der Kia auch in Sachen Komfort etwas hölzerner als der anschmiegsame BMW. Trotz der serienmäßigen Adaptivdämpfer poltert er nachdrück-licher durch die Lande, obwohl auch der 440i kein Flausch-Coupé ist. Sein Geheimnis liegt in der feinen Ansprache seiner Federelemente, die Unebenheiten sensibel weitermelden, ohne deswegen in Unruhe zu geraten. Allerdings kosten die adaptiven Dämpfer beim BMW immerhin 1.072 Euro extra, und es wirkt schon arg ernüchternd, für welche Selbstverständlichkeiten in dieser Preisklasse hier noch zusätzlich abkassiert wird.

BMW 440i Gran Coupé Luxury Line, Interieur
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Das kultivierte Antreten lässt den BMW verhaltener wirken, als er ist.

Sollten Sie nicht bereits vorgeblättert haben, um zu sehen, wer diesen Vergleich am Ende gewinnt: Es ist der BMW. Und zwar nicht, weil er irgendwas Spezielles so viel besser könnte als der Kia, sondern weil er in der Summe seiner Eigenschaften das ausgewogenere Auto ist. Das gilt nicht zuletzt für die Bedienung, die im teuren Stinger nicht mehr ganz so mühelos gelingt wie in preiswerteren Kia-Modellen. In dieser Hinsicht kann das 4er Gran Coupé sogar strahlender glänzen als die aktuelle BMW-Dreier-Generation G20. Von wegen verstaubt.

Fazit

1. BMW 440i Gran Coupé 439 Punkte

Sparsamerer Motor, feinerer Komfort, fetzigeres Handling - das 440i Gran Coupé zeigt sich fast in allen Disziplinen eine Idee besser. Allerdings zum viel höheren Preis.

2. Kia Stinger 3.3 T-GDI 412 Punkte

Viel macht der Stinger GT nicht falsch, es sind Nuancen bei Laufkultur, Fahrwerk und Innenraum, die ihn ins Hintertreffen bringen. Dennoch: tolles Preis-Leistungsverhältnis.

Technische Daten

BMW 440i Gran Coupé Luxury Line Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT
Grundpreis 58.926 € 56.440 €
Außenmaße 4638 x 1825 x 1389 mm 4830 x 1870 x 1400 mm
Kofferraumvolumen 480 bis 1300 l 406 bis 1114 l
Hubraum / Motor 2998 cm³ / 6-Zylinder 3342 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 240 kW / 326 PS bei 5500 U/min 269 kW / 366 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 270 km/h
0-100 km/h 4,9 s 5,3 s
Verbrauch 9,8 l/100 km 10,5 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km 10,8 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Kia Stinger
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