Porsche Macan S Diesel im Dauertest

100.000 Kilometer mit dem Kompakt-SUV

Porsche Macan S Diesel, Exterieur Foto: Ralph Alex 14 Bilder

Über 100.000 Kilometer begleitet der Macan S Diesel die auto motor und sport-Redaktion, gibt sehr talentiert den Langstrecken-Familien-Porsche. Bis kurz vor Schluss: Da ändert sich alles – wofür der Macan aber nichts kann.

Das habt ihr nun davon, liebe Porsches: Jetzt, da Limousinen und SUV das Modellprogramm erweitern, beginnt diese Geschichte nicht mit der ultimativen Lobhudelei auf das agile Fahrverhalten des Macan S Diesel. Kommt später. Und zu Recht. Nein, zuerst sei die Frage erlaubt, weshalb er mit den völlig entbehrlichen Keramik-Verbundwerkstoff-Bremsscheiben (PCCB) und Carbon-Seitenleisten, nicht jedoch mit einem ganz wesentlichen Extra zum Dauertest antrat: dem Trennnetz zwischen Passagier- und Laderaum. Eine Vermutung: Dann spricht nichts mehr für den größeren (und teureren) Cayenne.

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Porsche Macan S Diesel, Exterieur
Porsche Macan S Diesel im Dauertest 100.000 Kilometer mit dem Kompakt-SUV
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Zwar passt schon so eine erstaunliche Menge Zeugs ins Heckabteil, speziell wenn die Gepäckstücke eine gewisse Flexibilität aufweisen und so auch im Kellergeschoss untergebracht werden können. Aber mit einem Trennnetz würde einfach noch mehr hineinpassen, wäre sicher verstaut – und die unwürdige, weil arg nach Restposten aussehende und zudem sperrige Abdeckplatte kann in der Garage bleiben.

Dann: Möge die Reise beginnen. Nach Genf. Nach Hamburg. Nach Paris. Nach Assisi. Völlig egal. Hin auf jeden Fall mit einer Tankfüllung, mit ein bisschen Disziplin reicht’s auch noch für den Rückweg. Der Bordcomputer prognostiziert auf tempolimitierten Autobahnen gerne mal Reichweiten von knapp über 1.000 Kilometer nach dem letzten Tankstopp, was zum einen an der Effizienz des Dreiliter-V6-Dieseltriebwerks, aber auch am optionalen 75-Liter-Tank (Serie: 60 Liter) liegt.

Verbrauch und Leistung

Mit 9,3 l/100 km kommt der Macan über die Dauertest-Distanz, der eine oder andere Leser berichtet von rund acht Litern Durchschnittsverbrauch. Hinzu kommen noch 103,7 Liter AdBlue, also der wässrigen Harnstofflösung, die per selektiver katalytischer Reduktion (SCR) die Stickoxidemissionen deutlich reduzieren soll.

Zum Vergleich: Der BMW X5 xDrive 25d mit Vierzylinder-Dieselmotor benötigte auf 100.000 Kilometer 108 Liter des Zusatzmittels. Dass allerdings der AdBlue-Tankdeckel mit dem Radmutterschlüssel geöffnet werden muss, geht bestenfalls als Beschäftigungstherapie durch. Egal. Haken dran an die Effizienz des Macan. Was die Zahlen nur bedingt ausdrücken: die Souveränität, die mit dem Selbstzünder unter die mächtige Haube des SUV einzieht.

Porsche Macan S Diesel, Exterieur Foto: Ralph Alex
9,3 l/100 km gönnte sich der Macan über die 100.000-Dauertest-Kilometer. Mit dem 75-Liter-Tank prognostiziert der Bordcomputer gerne mal Reichweiten von knapp über 1.000 Kilometer.

Mag sein, dass die Leistung von 258 PS dem S Diesel nicht zum Titel des schnellsten Porsche verhilft, das maximale Drehmoment von 580 Newtonmetern aber zu dem des lässigsten. Mehr als 3.000 Umdrehungen? Praktisch nie nötig. Und wenn doch, dann geht der V6-Monoturbo (die Variante mit zwei Ladern passt nicht in die flache Schnauze) locker mit, dreht ein bisschen mehr, bleibt kultiviert, knurrt mit tiefem Bass, den die aufpreispflichtige Sportabgasanlage noch weiter, wenngleich nicht besonders authentisch verstärkt – noch ein verzichtbares Extra. Die Leistungsfähigkeit bleibt über die gesamte Distanz auf einem hohen Niveau, wie die Fahrleistungsmessungen (siehe ganzer Artikel) belegen.

Fahrverhalten: Ohne Sporttaste wenig lässig

Ebenso konstant: die Ruppigkeit des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes. Im Standard-Modus schaltet es schnell und sanft in die oberen Gänge, nutzt so die Kraft des Motors optimal und hält den Verbrauch im Rahmen, auch wegen der Segelfunktion, sprich das Auskuppeln beim Gleiten. Das Einkuppeln indes gelingt meist nicht ruckfrei – vor allem nicht beim Anfahren. Gas geben, nichts passiert. Gibst du mehr Gas, stürmt der Macan los, als habe ihm der Rächer aller Sportwagen zwischen die Endrohre getreten. Die Lösung: Sporttaste drücken. Dann reagiert der Motor linearer auf den Gasfuß, verharrt aber in Erwartung steter Leistungsabforderung bisweilen zu lange im kleinen Gang.

Da zerbröselt sie also, die Lässigkeit des Antriebs. Doch selbst wenn du es fliegen lässt, weil dich die tiefe, ergonomisch perfekte Sitzposition, das kleine Dreispeichenlenkrad und der zentrale Drehzahlmesser kitzeln, reicht der Druck im Drehzahlkeller. Dann haut das Fahrwerk eine weitere Trumpfkarte krachend auf den Tisch, nachdem es eben schon mit ausgewogenem Federungskomfort den Langstrecken-Stich einsackte – trotz 20-Zoll-Rädern.

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Frisst Sprit, macht viel Spaß

Landstraße, Kurven, Kehren: Porsche-Revier. Ja, auch das des Macan. Denn seine Agilität erreicht so mancher selbst ernannte Sportwagen nicht. Allein die Lenkung: Sie lässt dich die Straße unmittelbar erleben, genauer gesagt das, was die Vorderräder dort an Grip vorfinden – kristallklare Rückmeldung, fein austarierter Lenkkraftbedarf. Beides jederzeit und sogar mit 19-Zoll-Winterrädern. Dazu ein weitgehend neutrales Kurvenverhalten, zumindest im legalen Geschwindigkeitsbereich – oder jenem, den ein normal dimensionierter Ver- standshubraum zulässt. Darüber: Untersteuern, aber auch spürbare Lastwechselreaktionen. Das Heck will mitspielen. Dann genügt etwas mehr Gas, damit der elektronisch geregelte, voll variable Allradantrieb mehr Kraft an die Vorderräder schickt und den Macan stabilisiert.

Komfortable Luftfederung, teure Options-Bremse

Wie er das alles unter einen Hut bekommt, den Komfort, die Agilität? Mithilfe folgender Extras: Luftfederung, adaptive Dämpfer, elektronisch geregelte Differenzialsperre an der Hinterachse. Macht zusammen über 4.100 Euro. Konsequenterweise müsste hier noch die Options-Bremse aufgezählt werden, da die leichteren Scheiben die ungefederten Massen reduzieren, was sich wiederum positiv auf Agilität und Komfort auswirkt. Kostet nochmals über 8.000 Euro mehr – zu viel.

Porsche sagt, dass die Ausrüstungsquote im Promillebereich läge. Ein rationaler Grund findet sich ja auch nicht für PCCB. Selbst im Motorsport findet diese Technik kaum Beachtung. Im normalen Betrieb ärgert die Anlage den Fahrer mit einem sehr zögerlichen Ansprechen bei Nässe, zudem müssen nach rund halber Testdistanz die Scheiben wegen sogenannter Delaminierung getauscht werden. Das könne aufgrund von Streusalzeinwirkung und starken Bremsmanövern vorkommen, sei aber nur bei 0,29 Prozent aller bisher mit PCCB ausgestatteten Exemplare sämtlicher Baureihen vorgekommen – sagt Porsche und sichert einen Tausch auf Kulanz zu.

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Nur: Aufgrund der Erfahrungen einiger Macan-Besitzer kommen Zweifel an Porsches Kulanz auf. Nicht wegen der Bremse, sondern generell, denn häufig traten Mängel auf, die unserem Testwagen erspart blieben. Einzig das defekte Radlager, das sich kurz vor Testende durch wummernde Geräusche bei Kurvenfahrt bemerkbar machte, schlägt sich im Mängelindex nieder und kostet den Spitzenplatz im SUV-Segment.

Der Diesel ist Schuld: Macan S nur noch gebraucht

Mit dem Testende näherte sich aber auch das Ende des Macan S Diesel generell. Wegen des Facelifts? Nein, wegen des Diesels. Im Frühjahr wurde bekannt, dass auch Porsche bei den von Audi übernommenen Aggregaten eine jenseits der Legalität programmierte Software nutzte, um aktuelle Emissionsgrenzwerte einzuhalten. Am 31. Juli gab das Kraftfahrt-Bundesamt ein Software-Update frei, das ab Oktober beim Vertragshändler aufgespielt werden kann – was Porsche umgehend seinen Kunden mitteilen will.

Im Rahmen der Emissionsmessungen von auto motor und sport, die nach einem standardisierten Profil im normalen Straßenverkehr stattfinden, übertrifft der Macan den NOX-Grenzwert von 80 mg/km (Prüfstand nach NEFZ) um mehr als das Sechsfache. Klingt viel? Nun, laut unseren Messungen stoßen viele Kleinwagen über 1.000 mg/km aus.

Statt allerdings den Diesel zu noch mehr Sauberkeit zu erziehen, entschied sich Porsche, ihn in allen Baureihen aus dem Programm zu nehmen. Es bleiben Benziner, die mehr verbrauchen und damit mehr CO2 ausstoßen. Dem Macan kommt also jener Motor abhanden, der am besten zu ihm passt – unabhängig von der Wahl der richtigen Extras.

Fazit

Ja, der Macan kostet unfassbar viel Geld in der Anschaffung, selbst ohne die teure Options-Bremse. Doch er fährt agiler als mancher Sportwagen, komfortabel wie eine etablierte Limousine und sparsam – dank des Diesels, der nicht mehr sein darf, obwohl kein anderer Antrieb den Porsche so selbstverständlich entspannt motorisiert. Das defekte Radlager verhindert eine Spitzenposition unter den getesteten SUV. Bei den Kilometerkosten fällt die Bilanz positiv aus, auch weil der Wertverlust im Rahmen bleibt.

Technische Daten
Porsche Macan S Diesel S
Grundpreis 61.143 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4697 x 1923 x 1624 mm
KofferraumvolumenVDA 500 bis 1500 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 190 kW / 258 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
0-100 km/h 6,4 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 9,0 l/100 km
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