Ram 1500 Laramie 3.0 EcoDiesel Crewcab Shortbox

Das dicke Diesel-Ding

Ram 1500 3.0 CRD EcoDiesel Laramie Crew-Cab Pickup Foto: Torsten Seibt 36 Bilder

Wenn es ein bisschen mehr sein darf: der neue Ram 1500 Laramie 3.0 EcoDiesel ist einfach nur fett und mächtig. Und mit dem neuen Fiat-Diesel macht er auch noch auf Spritsparer. Wir haben ihn getestet.

Ein Berg von einem Auto – neben dem Ram Pickup duckt sich ein VW Amarok verschämt weg, als wäre er ein Kleinwagen. Fast sechs Meter lang, über zwei Meter breit (ohne Spiegel, versteht sich), ein Kühlergrill von der Dimension eines mitteleuropäischen Garagentors.

Nein, heute keine Klischees, weites Land, einsamer Reiter und so. Das hat der Ram 1500 nicht nötig, er wirkt für sich. Aber vorstellen darf er sich: Ram 1500 Laramie 3.0 CRD EcoDiesel Crewcab Shortbox. Den Namen „Dodge“ trägt er übrigens seit 2009 nicht mehr, als „Ram Trucks“ als eigene Untermarke ausgegliedert wurde.

Doge Ram? Nein, nur Ram

Soviel Zeit für die ausführliche Vorstellung muss jedenfalls sein, denn in seiner Heimat, wo sich Fullsize-Pickups besser verkaufen als jeder schnöde Pkw, gibt es alleine vom Ram derart viele Ausstattungsvarianten, Karosseriekombinationen mit verschiedenen Radständen, Kabinen, Pritschen und Gewichtsklassen, dass schon über diese Wahl beim Kaufentscheid einige Tage ins Land gehen können. Deshalb fallen die Typbezeichnungen eben etwas länger aus als bei einem Golf GTI. Seit kurzem ist noch eine dritte Qual der Wahl hinzugekommen, eben der „EcoDiesel“ aus der ellenlangen Typbezeichnung. Damit wird der Ram europäischer als gedacht: die Dreiliter-Maschine stammt von Fiat-Tochter VM-Motori und ist deutschen Jeep-Kunden schon lange aus dem aktuellen Grand Cherokee bekannt. Nach Deutschland kommt der Ram über ein Tochterunternehmen des kanadischen Importeurs: Die AEC Europe GmbH in München ist autorisierter Importeur für Dodge und Ram, betreibt ein eigenes Händlernetz und übernimmt Garantieabwicklung und Finanzierungsgeschäft. Eine sehr internationale Geschichte also, bis ein deutscher Kunde seinen neuen Ram 1500 in Empfang nehmen kann. Offiziell bringt AEC den Ram voraussichtlich Ende des Jahres zu den Händlern, daher auch unsere vorläufige Zirka-Preisangabe.

Nach dem ersten „Wow, was für ein Brocken!“ geht es hinein in die gute Stube, in der sich wohl auch ein Kleinwagen parken ließe. Die große Crew Cab bietet derart viel Platz auf allen Stühlen, dass selbst eine Mercedes S-Klasse neidisch wird. Frischverliebte könnten sich kein falscheres Auto aussuchen: getrennt von der Mittelkonsole im Einbauschrank-Format befindet sich der Beifahrer gerade noch so in Rufweite.

Da stimmt es zuversichtlich, dass der Ram 1500 in der Laramie-Ausstattung drohender Vereinsamung mit seiner überaus feudalen Ausstattung entgegenwirkt. Das aus dem Fiat-Chrysler-Konzern bekannte UConnect Multimedia-System bietet die volle Bandbreite heute üblicher Unterhaltungsmöglichkeiten, die feinen Ledersitze sind beheiz- und klimatisierbar, das beheizte Multifunktions-Lederlenkrad ist nach kalten Winternächten ein Segen für Laternenparker. Der Ausstattungsumfang entspricht ziemlich dem Jeep-Topmodell Grand Cherokee Overland, sicher nicht für seine asketische Möblierung bekannt.

Ram 1500 3.0 CRD Laramie Testwerte

Modell Ram 3.0 CRD Crew Cab
Länge/Breite/Höhe 5.817/2.017/1.992 mm
Radstand 3.556 mm
Leergewicht 2.770 kg
Motor V6-Turbodiesel
Hubraum 2.998 ccm
Leistung 240 PS
Drehmoment 569 Nm
Getriebe 8-Gang-Automatik
Tankinhalt 98 l k.A. k.a.
Testverbrauch 11,0 l D
Ladefläche L/B 1.670/1.570 mm
Anhängelast 3.500 kg
Testwert 0-100 km/h 9,9 s
Testwert 80-120 km/h 8,7 s (Kickdown)
Preis ca. 65.000,- EUR

Innenstadt geht nur mit Humor

Angesichts der schieren Größe ist eines von vorneherein klar: wer sich mit dem Ram ins innerstädtische Verkehrsgewühl begibt oder im Flughafenparkhaus nach einem Abstellplatz fahndet, braucht eine große Portion Gelassenheit und Humor. Deutsche Normparkplätze passen mit viel Gefühl von der Breite her gerade so, aber entweder hinten oder vorne ist nach der Parkplatz-Markierung noch jede Menge Auto übrig.

Viel lieber ist dem Dieselkreuzer die freie Wildbahn, wo er richtig auftrumpfen kann. Per Drehschalter wird eine Fahrstufe eingelegt und das Schiff kann aus der Parkbucht ablegen. Bis zum ersten Aha-Moment dauert es nicht lange: der Ram Ecodiesel kann tatsächlich federn. Im Gegensatz zu den allermeisten anderen Pickups stützt sich seine Hinterachse mit Schraubenfedern gegen den Rahmen, was statt den mitunter fiesen Trampeleien der Blattfeder-Konkurrenz zu echtem Kuschelkomfort verhilft. Ruhig wogen die 2,8 Tonnen Richtung Horizont, während sich der V6-Diesel früh und sanft die größeren Gänge aus der Achtstufen-Automatik zupft. Übertriebene Hektik ist dem Ram Ecodiesel nicht nur der Abstimmung wegen fremd, es ist auch nicht sonderlich zielführend, einen schweren Gasfuß walten zu lassen. Der Diesel kann den dicken Brocken zwar in ansehnlicher Zeit auf Landstraßentempo zoomen, doch Raserei ist so ziemlich das Letzte, auf das man im Ram 1500 Lust hat. Fahrwerk, Lenkung, Gewicht – alles an ihm ruft danach, sich dem bemerkenswerten Komfort bewusst zu werden und entschleunigt zu reisen.

Auf der Autobahn kann es auch gerne mal etwas flotter sein, mit einer Reisegeschwindigkeit von 140-150 km/h kommt man ausgeruht und entspannt ans Ziel. Bei 170 zieht die freiwillige Selbstkontrolle der Motorsteuerung eine sanfte Grenze, der Ram wird dann einfach nicht schneller.

Ram EcoDiesel – der Name ist Programm

Bei alledem ist die größte Überraschung eigentlich der Blick auf die Tankuhr. Denn die bewegt sich beim Ram Ecodiesel verdächtig langsam, kaum wahrnehmbar. Tatsächlich bereitet es keinerlei Problem, das dicke Ding mit einem Verbrauch von unter zehn Liter 100 Kilometer weit zu fahren. Die übliche, im mitleidig-süffisanten Ton vorgetragene „Was braucht der denn so?“-Frage an der Tankstelle, mit der die Besitzer von US-Autos seit Jahrzehnten leben müssen, lässt sich entsprechend mit einem Lächeln kontern. Der Ram Ecodiesel fängt noch nicht einmal unanständig zu saufen an, wenn er wirklich zügig über die Autobahn getrieben wird. Mehr als 15 Liter gehen selbst bei sehr unanständiger Fahrweise nicht durch.

Als Arbeitstier eingesetzt, zeigt der Kuschelriese sein zweites Gesicht: um bis zu 3,5 Tonnen schwere Anhänger zu wuppen, kann man sich diesseits eines ausgewachsenen Lkw nicht viel besseres vorstellen. Angesichts der gewaltigen Abmessungen etwas überraschend: die beim Crew Cab verwendete 5,7„-Pritsche ist nicht wesentlich länger als die eines japanischen Midsize-Pickup – der Preis für den Tanzsaal, welchen die Kabine den Passagieren bietet. Immerhin bietet sie in der Breite einen echten Mehrwert gegenüber Hilux und Konsorten.

Das Thema Gelände ist beim serienmäßigen Ram 1500 Ecodiesel hingegen schnell abgehandelt: 3,6 Meter Radstand in Verbindung mit tiefen Trittbrettern verhindern jede größere Ambition, der Riesenbrocken geht schon bei harmlosen Verwerfungen im Fahrweg auf Grund. Wer mehr will, muss in ein Höherlegungsfahrwerk und deutlich größere Reifen investieren, um die Bodenfreiheit und vor allem den Rampenwinkel deutlich zu erhöhen. Dann wird es allerdings grob im Gemüse und der Ram mutiert zum Bergepanzer. Die technischen Voraussetzungen dazu (kurze Untersetzung, akzeptable Verschränkung dank Schraubenfedern) bringt der Ram Ecodiesel serienmäßig mit. Und eine bemerkenswert großzügige Auswahl an Antriebsoptionen: der automatische Allradantrieb lässt sich für reinen Heckantrieb wegschalten, zusätzlich kann der Allrad in der Straßenstufe zentral verblockt werden, in der zuschaltbaren Geländeuntersetzung (all dies wird durch Knopfdruck befehligt) ist der Durchtrieb immer starr.

Fazit

Er ist groß, schwer und teuer. Und er ist extrem bequem, überraschend sparsam sowie edel möbliert. Mussten sich Fans bisher ihr Fullsize-Pickup-Feeling mit trinkstarken Benzinern erkaufen, setzt der Ram EcoDiesel auf andere Werte. Kein V8-Gewummer, aber auch keine Tränen an der Tankstelle. Wer außer laden und anhängen auch Gelände will, muss allerdings noch in Umbauarbeiten investieren.

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