VW Golf Plus, Exterieur Dani Heyne
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VW Golf Plus im Gebrauchtwagen-Check

Wie fit ist der bequeme Golf im Alter?

Bevor sich die SUV-Mode ausbreitete, brachte VW einen bequemen Golf mit hoher Sitzposition und nannte ihn Plus. Sexy war das nicht – aber schön praktisch. Höchste Zeit, ein gebrauchtes Modell unter die Lupe zu nehmen.

Spulen wir mal kurz zurück in die jungen 2000er-Jahre. Da sind im Autouniversum kompakte Vans schwer angesagt – SUV kommen erst langsam in Mode. Diese Vans punkten erstaunlicherweise viel weniger mit klugen Allradsystemen als mit wuchtigen Formen und Hoch-oben-Gefühl. Manch einer spricht sogar vom Thronen, bequemer Einstieg inklusive.

Bei VW legt man sich erst mal – wie so oft – auf die Lauer und beobachtet analytisch, ob es bei dem SUV-Trend groß was zu holen gibt. Sollen doch andere Marken vorpreschen, zumal man gerade erst erfolgreich den Touran ins Rennen geschickt hat. Kurzfristig ließe sich, wenn überhaupt, nur ein bequemerer Golf startklar machen – einen, der das Hochsitzen draufhat.

Ob es sich so in Wolfsburg abgespielt hat? Wer weiß. Fakt ist: Der bequemere Golf kommt 2004 auf den Markt, basiert technisch auf der fünften Genera- tion des kompakten Klassenprimus und trägt sein Dach 14 Zentimeter höher als das Original. Das steigert nicht nur das Raumgefühl, sondern auch die Freude am Ein- und Aussteigen, die Sitze im Golf Plus sind höher angeordnet als bei der normalen Version. Längs verschiebbare Rücksitze erhöhen zudem die Variabilität.

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In der Werkstatt nimmt Meister Wünsch den Golf Plus genauer unter die Lupe.

„Klingt jetzt so, als wäre der Golf Plus eine Mogelpackung“, unterbricht Meister Wünsch die üppige Einleitung. Ist er nicht – im Gegenteil: Er kombiniert äußerst clever die Sehnsüchte einer alternden Gesellschaft und nutzt dazu die Basis eines gefragten Fahrzeugtyps.

„Und wo ist das Aber?“, stichelt Meister Wünsch. Dieses Aber versteckt sich in seiner Verpackung: Neben einem Tiguan sieht ein Golf Plus nämlich ungefähr so lecker aus wie ein Stück Knäckebrot zwischen frisch gebackenen Brötchen. Schaut man jedoch genauer hin, bieten beide Modelle einen bequemen Zustieg sowie eine erhabene Sitzposition. Klar, der Allrad- antrieb zählt beim Tiguan zu den tollen Optionen, geordert wird er aber eher selten.

Die Mängel des Golf Plus

„In unserer Kundschaft fahren vor allem ältere Semester einen Golf Plus“, erzählt Meister Wünsch – und fügt hinzu: „Dadurch befinden sich die Fahrzeuge oft in einem sehr gepflegten Zustand. Dennoch hat auch dieses Modell seine Problemzonen: Gelegentlich brechen die Fahrwerksfedern, korrodieren die Bremsscheiben der Hinterachse so stark, dass man sie nicht mehr freigebremst bekommt. Bei den Turbomotoren kann die Ladedruckregelung fehlerhaft arbeiten, wodurch die Motorkontroll-Leuchte anspringt und der Wagen in den Notlauf schaltet. Nicht selten muss dann der Abgasturbolader getauscht werden – es gibt sogar schon spezielle Reparatursätze, die bei 393 Euro netto liegen, plus Einbaukosten.“ Meister Wünsch zeigt auf den 1.4- TSI-Motor: „An und für sich ein moderner Benziner, allerdings sollte man bei den Baujahren 2008 bis 2011 Vorsicht walten lassen, hier wurden mangelhafte Steuerketten verbaut, die sich längen und zu einem kapitalen Motorschaden führen können. Mittlerweile gibt’s aber auch dafür ein Reparatur-Set, das idealerweise hier schon verbaut wurde.“

Der Rest der Technik? Zwischen Baujahr 2006 und 2008 können defekte Zündschlösser nerven, bei Fahrzeugen aus 2012 fällt gern mal das Reifendruckkontrollsystem aus. Wer mit dem schnellen Doppelkupplungsgetriebe liebäugelt, sollte wissen, dass es ebenfalls einem gewissen Verschleiß unterliegt und jenseits der 150 000 Kilometer gern ruppig die Gänge wechselt. Günstig wird die Reparatur leider nicht.

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Bei den Motoren sollte man je nach Baujahr nocheinmal genauer hinsehen.

Acht Rückrufe gab es für den Golf Plus – der letzte betrifft die schummelnden 1,6- und 2,0-Liter- Dieselmotoren der EA-189-Familie.

„Genug ausgekramt, schauen wir uns diesen Golf Plus doch endlich mal von unten an“, ruft Meister Wünsch und rollt den VW auf die Hebebühne. Kurz darauf zückt er die Taschenlampe und beleuchtet die Bremsscheiben: „Vorn sind sie einwandfrei, hinten leicht verrostet. Typisch. Was dagegen hilft? Ab und zu stark in die Eisen steigen, damit die hinteren Sättel kräftig zubeißen und die Scheiben schön blank werden.“

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Das Serviceheft sollte gepflegt sein.

Als Nächstes schaut sich Meister Wünsch die Vorderachse an (tadellos in Ordnung), checkt den Antrieb auf Ölspuren (trocken), die Achsmanschetten auf Risse (haben keine) und den Kühler auf Beschädigungen (nix Wildes). „Die Abgasanlage schafft noch ein paar Jahre ohne Löcher, und die Kraftstoff- und Bremsleitungen werden den TÜV- Prüfer erfreuen. Was mir weniger gefällt, sind diese Bläschen. “ Meister Wünsch zeigt auf den Kotflügel der Fahrerseite, dessen schwarzer Lack sich an der Kante zum Radhaus ganz leicht vom Blech abdrückt. „Hier rostet der Kotflügel, garantiert eine Nachlackierung, bei der der Untergrund nicht sauber war. Das kann schnell behoben werden – kostet rund 400 Euro.“

Ist der bequeme Golf teurer als das Original?

In den gängigen Gebrauchtwagenbörsen werden sieben Jahre alte Golf Plus mit 1.4-TSI-Herzen und 80.000 Kilometern ab 8.500 Euro angeboten – damit sind sie kaum teurer als vergleichbare konventionelle Golf-Modelle.

Fazit

Ein gebrauchter Golf Plus ist Ihr Typ, wenn Sie einen VW Golf wollen, in den Sie maximal bequem einsteigen können. Der Ihnen nicht nur serienmäßig eine längs verschiebbare Rücksitzbank serviert, sondern auch ein luftiges Raumgefühl. Ob er der beste Golf ist? Wenn es um praktisches Talent geht, dann hat er viele Trümpfe im Ärmel. Der Beste: Er kostet gebraucht kaum mehr als ein normaler Golf, daher lohnt sich der Vergleich in jedem Fall. Technik und Motoren sind bei beiden nahezu identisch – auch die Solidität und die paar Kinderkrankheiten teilen sich die VW-Brüder.

Das gefällt uns:

Die pragmatische Herangehensweise von VW. Sie wollten einen Golf, der bequemer und luftiger ist als das Original – und haben genau das ziemlich leidenschaftslos umgesetzt. Das mag nicht unbedingt den Augen schmeicheln – spätestens beim Platznehmen gefällt der Golf Plus. Genau genommen verkörpert er die uneitle Version der soften SUV. Liebenswert!

Das stört uns:

Gar nicht mal so viel. Die Verarbeitung ist markentypisch gut, alles scheint bis ins Detail durchdacht, sogar die Rücksitze lassen sich längs verschieben. Schade, dass der Volkswagen dann doch so viele Kinderkrankheiten und Rückrufe mit sich bringt. Bei den TSI-Motoren längen sich die Steuerketten, die Diesel schummelten, und die DSG schalten mit den Jahren ruppig.

So ist die Marktlage:

Im Vergleich zum normalen Golf muss man nach der Plus-Version schon gezielt suchen. Den Grund ist man von einem Volkswagen gar nicht mehr gewohnt: Es wurden nicht so viele Golf Plus hergestellt (ingesamt 930.000 Einheiten), bevor er 2014 zum Golf Sportsvan wurde. Dennoch lohnt sich die Suche für alle, die gern höher sitzen und bequemer einsteigen.

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