Ein 2,5-Liter-V6 im Mazda MX-5 ? Die Idee klingt verlockend – und ist bei Mazda keineswegs neu. Wie Christian Schultze, Director Research & Operations von Mazda Motor Europe, in einem Interview mit dem niederländischen Magazin AutoRai schildert, haben Mazda-Ingenieure vor rund 20 Jahren aus purer Begeisterung in der Werkstatt einen Prototyp mit 2,5-Liter-V6 aufgebaut. Fahrdynamisch soll das Feierabend-Experiment "absolut interessant" gewesen sein. Trotzdem verschwand der Sechszylinder-MX-5 schnell wieder in der Schublade.
Probleme mit Optik und Gewichtsverteilung
Der entscheidende Grund: Packaging. Der V6 war für die flache Roadster-Architektur schlicht zu hoch und passte nicht sauber unter die Motorhaube. Damit geriet ausgerechnet das unter Druck, was beim MX-5 seit jeher zum Markenkern gehört: die stimmige Proportion und die niedrige, leichte Bauweise. Das Ergebnis sei "optisch nicht schön" gewesen – ein K.-o.-Kriterium für ein Auto, das so sehr von seinem klassischen Layout und seiner schlanken Silhouette lebt.
Hinzu kommt, dass ein größerer Motor nicht nur Platz braucht, sondern auch Gewicht mitbringt – und zwar an der ungünstigsten Stelle. Ein 2,5-Liter-V6 sei per Definition schwerer als ein 1,5- oder 2,0-Liter-Pendant mit vier Zylindern, betont Schultze. Mehr Masse auf der Vorderachse verändert Balance und Lenkgefühl unmittelbar. Genau diese feine Gewichtsverteilung und das unmittelbare Einlenken sind aber zentrale MX-5-Tugenden, die Mazda nicht für ein bisschen mehr Hubraum aufs Spiel setzen wollte.
Unterm Strich scheiterte das V6-Projekt also nicht am Fahrspaß, sondern an den Basics der MX-5-Philosophie: niedrig bauen, leicht bleiben, ausgewogen fahren. Deshalb stellt Schultze im Interview die Gretchenfrage, die auch heute noch gilt: Wofür braucht man den größeren Motor eigentlich – für mehr Drehmoment, für Emissionsvorteile oder nur, weil die Zahl größer klingt? Solange darauf aus Herstellersicht keine überzeugende Antwort existiert, bleibt der Sechszylinder im MX-5 vor allem das: eine spannende Episode aus der Werkstatt – aber kein realistischer Serienplan.
V6 im MX-5? Das funktioniert wunderbar!
Das heißt freilich nicht, dass es grundsätzlich eine schlechte Idee ist, einen Mazda MX-5 und einen V6-Motor zu verheiraten. Die britische Firma Rocketeer macht genau das und verfrachtet V6-Motoren von Jaguar in den MX-5-Bug (siehe Fotoshow über dem Artikel). Diese leisten bis zu 380 PS und sorgen in den ersten beiden MX-5-Generationen NA und NB angesichts des geringen Leergewichts im dreistelligen Bereich für ein hervorragendes Leistungsgewicht. Dabei bleiben die Roadster optisch diskret; in der Motorhaube gibt es nicht einmal eine kleine Hutze. Zudem zeigen einige Tests und Fahrberichte, dass auch die MX-5-typische Fahrdynamik gewahrt bleibt.







