Klimawandel Protest Schild Grün Demonstranten pexels / Markus Spiske

Auto-Gipfel 2020 im Kanzleramt

Forderungen statt Ergebnisse

Die Automobilbranche ist im Wandel. Damit im Zuge dieses Prozesses keine Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben, soll der Staat jetzt helfen – das fordern Hersteller und Gewerkschafter.

Die Autoindustrie schickt mal wieder einen Hilferuf nach Berlin. Am 15. Januar 2020 gab es deshalb einen Auto-Gipfel im Kanzleramt mit Personalvorständen der Hersteller, Betriebsräten, Gewerkschaftern und Fachministern. Kern der Diskussion: Der verstärkte Umstieg auf die Elektromobilität und die Sicherung von Arbeitsplätzen im Zuge dieser Transformation. Das Problem dabei ist, dass die Fertigung von Elektromotoren und Elektroautos weniger Personal erfordert, da sie aus weniger Komponenten bestehen und sich mehr Abläufe automatisieren lassen.

BMW i3, Produktion, Montage
BMW
Für die Fertigung von Elektroautos sind weniger Komponenten und damit auch weniger Personal nötig.

Natürlich müssen Produktionsabschnitte umgebaut und Fachkräfte umgeschult werden, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Gleichzeitig erzielen die deutschen Automobilhersteller bislang noch keine Riesengewinne im Elektro-Sektor und befinden sich derzeit im Kerngeschäft nicht gerade in Gipfelsturm-Stimmung. Um betriebswirtschaftlich kurzfristiger reagieren zu können, ist in einem Positionspapier von VDA, Gesamtmetall und IG Metall ein vereinfachter Zugang zu Kurzarbeitergeld gefordert, wie der Spiegel zitiert. So könne man auch bei vorübergehend geringem Auftragsvolumen die Mitarbeiter halten.

Viele tausend Stellen gefährdet

Dass akuter Handlungsbedarf besteht, zeigt die Lage bei Opel. Dort sollen bis Ende 2021 rund 2.100 Stellen abgebaut werden. Über Programme zu Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen könnte es bis 2029 sogar um 4.100 Mitarbeiter gehen.

Opel Russland Kaluga
Opel
Bei Opel sollen bis Ende kommenden Jahres rund 2.100 Stellen abgebaut werden.

Ergebnisse wurden bei dem Gipfeltreffen allerdings noch nicht erzielt, bislang stehen nur die Forderungen der Verbände und der Industrie im Raum. Das von der Regierung eingesetzte Gremium „Nationale Plattform Zukunft der Mobilität“ unterstreicht den Handlungsbedarf mit einer düsteren Prognose. Sollte der Rückstand zu den Wettbewerbern nicht schnell aufgeholt werden, droht der Verlust von insgesamt bis zu 410.000 Arbeitsplätzen.

Dass die Bundesregierung als Ansporn den Kauf von Elektroautos mit der Umweltprämie unterstützt, ist bei der Vermeidung eines solchen Szenarios sicherlich hilfreich. Dass sich die geplante Aufstockung der Prämie sich nun allerdings um mehrere Monate verzögern soll dagegen weniger. Die Entscheidungshoheit über die Prämien-Erhöhung liegt bei der EU. Dort allerdings heißt es, die Bundesregierung habe die erforderlichen Unterlagen noch gar nicht eingereicht. Dass sich nun aber potentielle Elektroauto-Käufer mit Aussicht auf mehr Zuschüsse beim Fahrzeugerwerb zurückhalten ist auch klar. Falls Sie zu den E-Auto-Interessenten gehören, finden Sie in unserer Bildergalerie alle Elektroautos, die Sie derzeit kaufen können – aufsteigend von günstig bis teuer.

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Fazit

Die Lage für die Mitarbeiter von Automobilherstellern und Zulieferern ist ernst. Um die Folgen der Mobilitätswende zumindest abzumildern, sind nun mehr konkrete Entscheidungen gefragt und weniger Krisen-Diskussionen am runden Tisch.

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