Blume bremst Schließungsangst – Cavallo attackiert: VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg

VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg
Blume bremst Schließungsangst – Cavallo attackiert

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.08.2026
Als Favorit speichern
Daniela Cavallo und Oliver Blume
Foto: VW, Gregor Hebermehl

Auf der heutigen außerordentlichen VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg (Halle 11) hat Konzernchef Oliver Blume wenig Konkretes vermeldet – und harte Kritik von Betriebsrats-Chefin Daniela Cavallo einstecken müssen – so berichtet es der NDR. Immerhin mildert er die Sorge vor Werksschließungen etwas ab. Das Interesse war groß: VW hat Betriebsversammlung mit Bildschirmen auch draußen übertragen, damit mehr als 10.000 Beschäftigte die Reden verfolgen konnten.

Vor dem Werkstor Sandkamp bleibt es am Vormittag allerdings auffällig ruhig. Drinnen bündelt sich die Aufmerksamkeit auf eine Frage: Wie tief will der Konzern sparen – und was passiert mit Jobs und Werken?

Blume: Keine Belegung in den 2030ern – aber keine Beschlüsse

Blume betont erneut, dass VW für Emden, Hannover und Zwickau sowie für Audis Werk Neckarsulm in den 2030er-Jahren "keine wettbewerbsfähige Belegung" sehe. Er koppelt diese Aussage zugleich an einen klaren Zusatz: "Das heißt aber nicht, dass Werksschließungen beschlossen sind."

Blume nennt Schließungen "immer die letzte und teuerste Lösung". Er setzt als Ziel, in den kommenden sechs bis zwölf Monaten Perspektiven für alle Standorte zu schaffen.

Stellenabbau: Blume zielt auf Management statt Produktion

Beim Thema Personal präzisiert Blume den Fokus: Er will zuerst bei Kosten außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion ansetzen. Er nennt Management, Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung sowie Vertrieb.

Die häufig kolportierte Zahl von rund 50.000 Stellen weltweit stuft er als Rechenmodell ein, nicht als Vorgabe. "Sie ist keine Zielgröße", sagt Blume, sondern eine "theoretische Rechengröße" aus den Kosten.

Oliver Blume - Vorstandsvorsitzender, Volkswagen
Volkswagen AG

Cavallo greift an: "Mit so einem CEO lässt sich nicht arbeiten"

Betriebsrats-Chefin Daniela Cavallo verschärft den Ton gegenüber der Konzernspitze. "Unser Vertrauen in diesen Konzernvorstand, insbesondere auch in dessen Vorsitzenden Oliver Blume, ist beschädigt. Noch nicht irreparabel. Aber beschädigt", stellt sie klar.

Cavallo kritisiert vor allem die Informationspolitik: "Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten!" Laut NDR reagieren Teilnehmer in der Halle mit tosendem Applaus.

Daniela Cavallo Gesamtbetriebsratsvorsitzende Volkswagen VW Konzern
Volkswagen AG

Spiegel: "Group Target Picture 2030" mit Schließungs-Szenarien

Ein Spiegel-Bericht hatte die Lage angeheizt. Unter dem Titel "Group Target Picture 2030" soll die VW-Spitze demnach Werksschließungen und "tiefgreifende Strukturreformen" prüfen. Im Bericht stehen konkrete Jahreszahlen: Zwickau und Emden sollen 2031 die Produktion einstellen, Hannover 2032. Audi soll demnach Neckarsulm 2034 schließen; am Ende würde Audi in Deutschland nur noch in Ingolstadt und VW nur noch in Wolfsburg produzieren.

Niedersachsen und die Sperrminorität: Machtfrage im Hintergrund

Der Spiegel-Bericht beschreibt außerdem einen besonders heiklen Punkt: Blume soll Volkswagen in eine eigene Aktiengesellschaft ausgliedern wollen, um Niedersachsen das Vetorecht zu nehmen. Das Land hält 20 Prozent an VW und kann über die Sperrminorität zentrale Entscheidungen blockieren – etwa Werksschließungen. Das Land lehnt die im Raum stehenden Werksschließungen ab.

Damit rückt neben Kosten und Auslastung auch die Unternehmensführung in den Vordergrund: Wer entscheidet am Ende über Werke und Jobs?

Lies warnt vor Schließungen – und bringt Rüstung ins Gespräch

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) lehnt Werksschließungen weiterhin ab. Er nennt sie "keine Zukunftslösung" und warnt davor, die Größe des Konzerns infrage zu stellen: Das wäre "wirklich fatal".

Lies fordert außerdem zusätzliche EU-Zölle auch auf Hybridautos. Als Idee gegen Leerlauf in Werken nennt er Rüstungsprojekte; der NDR verweist auf eine eigene Umfrage, nach der 59 Prozent eine solche Nutzung befürworten.

So geht es weiter: Termine bis Ende August, Aufsichtsrat im September

VW plant bis Ende August bundesweit neun Betriebsversammlungen. In Niedersachsen folgen nach Wolfsburg und Braunschweig die Termine in Emden (26. August), Salzgitter (28. August) und Hannover (31. August).

Im September setzt VW die nächste Aufsichtsratssitzung an. Bis dahin steht der Vorstand unter Druck, die offenen Punkte zu konkretisieren.

Fazit