Kommentar: Die Gewerkschaften ignorieren die Realität bei VW

Betriebsversammlungen in Volkswagen-Werken
Die Gewerkschaften ignorieren die Realität bei VW

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.08.2026
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Daniela Cavallo, die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende des VW-Konzerns, bei einer Rede. Eingeklinkt ist ein Portraitbild von Birgit Priemer, Chefredakteurin von auto motor und sport.
Foto: Volkswagen AG / auto motor und sport

Das monotone Gerassel der Gewerkschaften gerät in diesen Tagen fast zu einer Selbstkarikatur: "Mit uns wird es keinen Stellenabbau und keine Werksschließungen geben", heißt es stakkatohaft aus den Reihen der Gewerkschaften vor der Werkstour der Vorstände, die jeweils in außerordentlichen Betriebsversammlungen gipfelt.

Einfach weitermachen trotz Überkapazitäten?

Wirklich nicht? VW soll unverändert die Produktionsstätten Emden, Zwickau, Hannover (Nutzfahrzeuge) und Neckarsulm (Audi) weiterführen, obwohl die Kapazitäten nach dem Jahr 2030 nicht ausgelastet sind? VW spricht von mehr als 500.000 Fahrzeugen jährlicher Überkapazität in Europa. Insgesamt sind die Werke der europäischen Hersteller aktuell nur zu 59 Prozent ausgelastet, von 90 sind also 35 eigentlich überflüssig.

Also einfach weitermachen, als ob nichts passiert wäre? Blume fordert jetzt zu Recht eine Perspektive für diese Werke. Kann es ein KI-basiertes Reallabor für neue Produktionsmethoden in Neckarsulm sein? Intelligente Recycling-Konzepte für Zwickau? Vielleicht. Genau diese Gedanken müssen jetzt in eine Strategie umgesetzt werden.

Der Unmut der Belegschaft ist absolut zu verstehen. Es geht um Menschen und deren Familien. Um viele Existenzen im Umfeld des Konzerns. Dabei sind viele Fehler in der Vergangenheit gemacht worden. Die falsche Modellpolitik innerhalb des Volkswagen-Konzerns ist ein wichtiger Aspekt. Aber schon unter dem vormaligen VW-Chef Martin Winterkorn und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch wurde zu viel Rücksicht auf die Gewerkschaften genommen. Schon vor zehn Jahren wusste man, dass zu viele Menschen an Bord sind, wodurch nicht rentable genug produziert werden kann.

Eine Lösung geht nur gemeinsam

Jetzt, in der größten Not, fällt Oliver Blume dieses Problem komplett auf die Füße. Wenn er diese Management-Fehler der Vergangenheit nicht löst, dann wird es für VW schwierig. Und zwar für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Will das die Gewerkschaft? Oder hat sie es nicht verstanden? Lösen können das Problem auf jeden Fall nur beide Seiten!