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Chip-Mangel: Bosch erweitert deutsche Chip-Produktion

Aktuell - Chip-Mangel in der Auto-Industrie Ukraine-Krieg gefährdet Neon-Versorgung

Kurzarbeit, lange Lieferzeiten, nicht mehr bestellbare Modelle, halbfertige Autos auf Halde: Die Halbleiter-Krise hat aktuell massive Auswirkungen auf die Autoindustrie und den Automarkt. Vermutlich 2023 oder erst 2024 ist eine Entspannung in Sicht. Hier die aktuelle Entwicklung im Chip-Mangel-Ticker.

In diesem Artikel:

7. März 2022 – Möglicher Neonmangel wegen Ukraine-Krieg

Der Chipmangel könnte sich weiter verschärfen: Mindestens die Hälfte des weltweiten Bedarfs am Edelgas Neon decken Werke aus der Ukraine. Mit Russlands Überfall auf sein Nachbarland sind die Erzeugung und der Transport von Neon gefährdet. Die ukrainische Firma Cryoin hat beispielsweise in der Hafenstadt Odessa Neon gewonnen – im Zuge des Angriffs russischer Soldaten auf Odessa hat Cryoin seine Produktion eingestellt. Das farblose, extrem reaktionsträge, einatomige Gas zählt zu den häufigsten Elementen des Universums – auf der Erde ist es aber selten. Die Gewinnung von Neon erfolgt als Nebenprodukt der Luftzerlegung – aufgrund seiner Seltenheit und aufwendigen Gewinnung ist es teurer als beispielsweise das ähnliche Argon und kommt auch dementsprechend seltener zum Einsatz. Für den Betrieb von bestimmten Lasern ist es aber unerlässlich – und genau diese Laser sind für die Produktion von Halbleitern wichtig.

Wirtschafts-Experten verweisen auf das Jahr 2014: Damals hatte Russland die zur Ukraine gehörende Krim annektiert, was zu einem Anstieg der Neonpreise um 600 Prozent führte – seinerzeit kamen sogar 70 Prozent der weltweiten Neonproduktion aus dem Land. Hintergrund: Die Gase sind Abprodukte russischer Stahlherstellung. Russland verkauft die Gase an ukrainische Firmen, diese trennen dann die Gase für den Weiterverkauf. Die Regierungen Japans und der USA haben ihre Chip-Industrien bereits aufgefordert, sich nach alternativen Bezugsquellen für Neon umzusehen. Während die japanische Chipindustrie nach eigenen Angaben nur fünf Prozent ihres Neonbedarfs aus der Ukraine deckt, scheint dieser Anteil in den USA deutlich höher zu sein. Sollte in der Halbleiter-Industrie tatsächlich ein Neonmangel entstehen, träfe dies die Chiphersteller zu einem Zeitpunkt, in dem sie ohnehin weit davon entfernt ist, den aktuellen Bedarf an Prozessoren zu decken.

23. Februar 2022 – Bosch erweitert deutsche Chip-Produktion stärker

Bosch arbeitet ohnehin an einer Erweiterung seiner Chip-Produktionskapazitäten – aber im Zuge der globalen Halbleiter-Krise vergrößert der Zulieferer jetzt diese Kapazitäten noch stärker als geplant. Dabei geht es vor allen Dingen um die Prozessor-Herstellung in Reutlingen: Dort investiert Bosch 250 Millionen Euro mehr in den Ausbau der Fertigung als bisher vorgesehen. Als Zeitrahmen für den Ausbau gibt der Zulieferer 2025 an. Bereits im Oktober 2021 hatte Bosch angekündigt, wegen der Chipkrise insgesamt 400 Millionen Euro in seine Standorte in Dresden, Reutlingen und im malaysischen Penang zu investieren – für den Standort Reutlingen waren davon 50 Millionen Euro vorgesehen. Außerdem fließen dort 150 Millionen Euro in bereits bestehende Gebäude, was die zur Chip-Produktion nötige Reinraum-Fläche von 35.000 auf 44.000 Quadratmeter vergrößert. In Reutlingen fertigt Bosch beispielsweise Prozessoren für das ESP, die Motor- und Getriebesteuerung, für die Airbag- und Assistenzsystem-Regelungen, die Einparkhilfen und für die Nachtsicht-Systeme.

Und auch wenn die Halbleiterkrise viele Wirtschaftszweige betrifft, so ist die Autoindustrie anscheinend am stärksten betroffen. Die Beratungsagentur McKinsey hat unlängst analysiert, dass der Zuwachs beim Umsatz mit Prozessoren bis 2030 zwischen sechs und acht Prozent betragen wird. Für die Autoindustrie erwarten die Analysten aber einen überdurchschnittlich hohen Zuwachs von 13 bis 15 Prozent. Die Hauptgründe dafür seien die Umstellung auf Elektromobilität und das sich in der Entwicklung befindliche hochautomatisierte Fahren.

Bosch-Prozessorfertigung
Bosch
An seinem Halbleiter-Fertigungsstandort in Reutlingen vergrößert Bosch die für die Prozessorherstellung nötige Reinraum-Fläche von 35.000 auf 44.000 Quadratmeter.

7. Februar 2022 – VW: Dramatische Unterauslastung des Stammwerks

Da weiterhin Prozessoren für die Produktion von Autos fehlen, muss VW nach den Osterfeiertagen am 17./18. April an seinem Stammsitz in Wolfsburg fast alle Nachtschichten streichen – in der weltgrößten Autofabrik läuft dann nur noch ein Montageband im Dreischichtbetrieb. Intern sprechen Verantwortliche von einer "dramatischen Unterauslastung des Stammwerks". Bei der Golf-Fertigung fallen alle Nachteinsätze weg und beim Tiguan ist eine Montagelinie betroffen. Nur die Linie, auf der Touran, Tarraco und ebenfalls der Tiguan entstehen, läuft weiter. Der VW-Betriebsrat ist von der Lösung nicht begeistert und fordert für die betroffenen Mitarbeiter einen finanziellen Ersatz inklusive aller Schichtzuschläge – schließlich können die Mitarbeiter nichts dafür, dass trotz voller Auftragsbücher nur eine eingeschränkte Produktion möglich sei. VW-Personalvorstand Gunnar Kilian hält im Zuge der Halbleiter-Krise das Schichtmodell nicht mehr für wettbewerbsfähig und drängt auf einen Wegfall der Erschwerniszulage für Mitarbeiter im Schichtdienst.

VW Golf, Exterieur
Achim Hartmann
Den Golf baut VW wegen Chipmangels an seinem Stammwerk in Wolfsburg ab Mitte April nicht mehr in der Nachtschicht.

Ford muss wieder Produktion aussetzen

Seit Anfang dieser Woche muss Ford zum wiederholten Mal wegen des Prozessormangels seine nordamerikanische Produktion drosseln. Der zweitgrößte US-Autobauer setzt die Produktion des neuen Bronco, seines Top-Sellers F-150 und des rein elektrisch angetriebenen Mustang Mach-E in den Werken Michigan (Wayne), Illinois und Mexiko aus. In seinen Werken in Missouri, Kentucky und an anderen Standorten in Michigan verlangsamt Ford die Produktion, während die Mitarbeiter des Werks im kanadischen Oakville (Ontario) Überstunden abbauen. Im letzten Quartal 2021 erzielte Ford einen Gewinn in Höhe von zwei Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet 1,7 Milliarden Euro). Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar eine Steigerung um 300 Millionen Dollar (262 Millionen Euro), aber Analysten hatten deutlich mehr erwartet. Ford leidet anscheinend stärker an der Chipkrise und den Lieferketten-Problemen als von Experten vermutet – der Aktienkurs ging um fünf Prozent runter.

2022 Ford Bronco Raptor
Ford Motor Company
Selbst den Bau seines stark nachgefragten Bronco muss Ford wegen des Chipmangels pausieren.

31. Januar 2022 – STMicro mit 1,5 Jahren Bestell-Stau

Der europäische Chiphersteller STMicroelectronics mit Hauptsitz im schweizerischen Plan-les-Ouates baut viele seiner Prozessoren für Autos. 2021 ist der Umsatz des Konzerns um 25 Prozent auf 12,8 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet zirka 11,5 Millionen Euro) gestiegen. Gleichzeitig schnellte der Gewinn um 81 Prozent auf zwei Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) hoch. Die operative Marge ist von 12,9 auf 19 Prozent gewachsen – dank der weltweiten Halbleiterkrise verkauft STMicro seine Prozessoren teurer als noch 2020. Das Unternehmen teilt mit, dass seine Halbleiter-Produktionskapazitäten für 2022 bereits komplett ausgebucht sind – der aktuelle Bestellrückstand betrage 18 Monate. Deshalb rechnen die Unternehmens-Verantwortlichen nicht mit einem Ende des Chipmangels vor 2023 – insbesondere für die Autoindustrie. Während einer Analystenkonferenz betonte STMicro-Chef Jean-Marc Chéry, dass die kompletten Automobil-Lieferketten wie leergefegt seien. Der Prozessorhersteller investiert massiv in die Erweiterung seiner Kapazitäten, allerdings sind Halbleiter-Produktionsausrüster, wie beispielsweise der niederländische Belichtungsmaschinen-Hersteller ASML, ebenfalls vom Chipmangel betroffen. Ein Vorteil von STMicro ist, dass die Firma die als Grundplatten für Prozessoren dienenden 200-Millimeter-Wafer selber produziert, da aktuell auch diese Wafer knapp sind.

27. Januar 2022 – Zahl der in der EU verkauften Nutzfahrzeuge sinkt weiter

Die Zahl der in der EU verkauften Nutzfahrzeuge sinkt seit einem halben Jahr kontinuierlich. Oft ein Indiz für eine schwächelnde Wirtschaft, ist dieses Mal die anhaltende Chipkrise der Grund für den Rückgang: Die Hersteller können aufgrund fehlender Prozessoren nicht genügend Nutzfahrzeuge produzieren. Die Zahl der im Dezember 2021 in der EU neu zugelassenen Nutzfahrzeuge sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,4 Prozent auf 155.963 Exemplare. Am härtesten traf es Spanien, wo die Zahl der Zulassungen sogar um ein Drittel zurückging. Bei schweren Nutzfahrzeugen ab 16 Tonnen gab es hingegen EU-weit einen Zuwachs in Höhe von einem Viertel – hier hat aktuell Polen den größten Bedarf. Für das Gesamtjahr 2021 gibt der europäische Branchenverband Acea mit 1,9 Millionen neu registrierten Nutzfahrzeugen zwar noch ein Wachstum um ein Zehntel bekannt, was aber am äußerst schwachen Vorjahr 2020 liegt – vom Vor-Corona- und Vor-Chipmangel-Level ist der Markt noch weit entfernt.

26. Januar 2022 – Intel baut für 20 Milliarden Dollar neue Chip-Fabriken in Ohio

US-Halbleiter-Hersteller Intel baut in Columbus, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Ohio, zwei neue Chipfabriken – die Anfangsinvestition beträgt 20 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet zirka 17,72 Milliarden Euro). Der Bau soll noch 2022 beginnen und 2025 abgeschlossen sein. US-Präsident Joe Biden sieht in den Fabriken einen wichtigen Beitrag für eine stabile Versorgung des heimischen Marktes mit Prozessoren. Der US-Kongress hatte im Juni 2021 den U.S. Investment and Competition Act (USICA) verabschiedet, der Investitionen in kritische US-Infrastrukturen beschleunigen soll. Dem in diesem Rahmen vorgeschlagenen Chips for America Act muss der Kongress noch zustimmen – dann stünden 52 Milliarden Dollar (46 Milliarden Euro) an Fördermitteln für die US-Chipindustrie zur Verfügung. Intel selbst stellt für die kommenden zehn Jahre und unter Einrechnung massiver US-Fördergelder für Ohio sogar Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar (88,54 Milliarden Euro) in Aussicht, wobei dies alles andere als eine feste Zusage ist. Trotzdem schwärmen Politiker bereits von einem zweiten Silicon Valley namens Silicon Heartland. Die aktuelle Chipkrise neigt sich nach Einschätzung von Fachleuten ab der zweiten Jahreshälfte 2022 ihrem Ende zu und könnte Anfang 2023 überstanden sein. Die neue Intel-Halbleiter-Produktionsstätte in Ohio hilft mit ihren 2025 fertiggestellten Werken voraussichtlich also nicht gegen die laufende Krise, könnte aber vor dem Wiederkehren einer solch fundamentalen Produktions-Krise schützen.

11th Gen Intel Core processor
Intel
Intel baut im US-Bundesstaat Ohio zwei neue Chipfabriken. Im Bild die elfte Generation der Intel-Core-Prozessoren.

3. Januar 2022 – VW ID.4 in der Basis-Ausführung nicht mehr kaufbar

Die Basisversion des VW ID.4 Pur mit dem 52 kWh großen Akku und dem 109-kW-Motor, ist aktuell nicht mehr bestellbar. Im VW-Konfigurator erscheint die Meldung: "Aufgrund aktueller Lieferengpässe von Halbleitern, die Bestandteil zahlreicher Komponenten unserer Fahrzeuge sind, kann es bei einigen unserer Modellvarianten zu deutlich längeren Produktionszeiten kommen." Der Kunde wird im Konfigurator automatisch auf das 52-kWh-Modell mit dem stärkeren 125-kW-Motor umgeleitet.

9. Dezember 2021 – BMW sichert sich Fertigungskapazitäten

Um eine langfristige Versorgung mit Prozessoren sicherzustellen, hat BMW direkte Verträge mit dem Münchner Chip-Entwickler Inova Semiconductors und dem US-Halbleiter-Hersteller Globalfoundries geschlossen. BMW bezeichnet die Maßnahme als Optimierung seiner Lieferketten. Kern der Übereinkunft ist die Lieferung von jährlich mehreren Millionen Mikrochips. Speziell handelt es sich um Prozessoren zur Steuerung des von BMW mitentwickelten Smart-LED-Lichts ISELED (Intelligent Smart Embedded LED). Die ISELED-Technik kann bis zu 4.079 LEDs unabhängig voneinander steuern. Erstmals eingesetzt hat BMW die Technik im Elektro-SUV iX.

Ford schließt ebenfalls Vertrag mit Globalfoundries

Ford hat sich ebenfalls Kapazitäten beim US-Auftragsfertiger Globalfoundries gesichert. Der amerikanische Autohersteller möchte dabei offiziell nicht nur seinen Halbleiternachschub sichern, sondern auch die US-Autoindustrie sowie die US-Halbleiterindustrie stärken. Im Rahmen der Vereinbarung schafft Globalfoundries zusätzliche Kapazitäten zur Befriedigung von Fords Halbleiter-Bedürfnissen. Außerdem möchte Ford gemeinsam mit dem Chiphersteller an Prozessoren für Fahr-Assistenzsysteme, Antriebsbatterie-Laderegler und die interne Fahrzeugvernetzung forschen.

Tesla kauft vielleicht Chipfertigung

Während die anderen Autohersteller ihre Beziehungen zu Prozessor-Entwicklern und Chip-Herstellern intensivieren, ist Tesla schon einen Schritt weiter und liebäugelt mit dem Kauf eines kompletten Halbleiterwerks. Viele andere Autohersteller lehnen so einen Schritt aktuell noch kategorisch ab, Tesla möchte damit die Kontrolle über die eigene Produktion erhöhen. Dabei scheint es Tesla vor allen Dingen um kleinere Prozessoren zu gehen, für deren Fertigung nicht die modernste Technologie nötig ist – integrierte Schaltkreise zur Steuerung des Power-Managements gehören beispielsweise zu dieser Kategorie.

BMW iX xDrive i40 Mineral White
Uwe Fischer
Die ISELED-Technik setzt BMW erstmals im Elektro-SUV iX ein. Mithilfe von Prozessoren ist hier die unabhängige Steuerung von mehr als 4.000 LEDs gleichzeitig möglich.

9. November 2021: Keine Touchfunktion für Bildschirm bei BMW

Der Chipmangel zwingt BMW, bei einigen Modellen vorübergehend den Touchscreen in der Mittelkonsole durch einen herkömmlichen Bildschirm ohne Touch-Funktion zu ersetzten. Betroffen sind 3er Limousine, 4er Coupé, Cabrio und Gran Coupé (ausgenommen i4), Z4, X5, X6 sowie X7 – sowohl in Europa als auch auf dem US-Markt. In den USA bekommen betroffene Kunden einen Rabatt in Höhe von 500 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 432 Euro). Entsprechende Regelungen für Kunden auf dem deutschen Markt veröffentlicht BMW auch auf Nachfrage nicht – das Unternehmen teilt nur mit, dass die BMW-Händler betroffene Kunden informieren.

3. November 2021: Produktions-Rückstände bei Audi nicht mehr einholbar

Audi-Chef Markus Duesmann betont, dass die durch die Halbleiterkrise verursachten Produktionsrückstände nicht vollständig einholbar seien – der Chipmangel habe Audi um ein Rekordjahr gebracht. Für die Zukunft möchte er die Lieferketten so umstellen, dass eine jährliche Lieferung von Milliarden Prozessoren an Audi sichergestellt ist. Eine eigene Chipfertigung komme aber nicht infrage.

Ford stoppt Produktion von Fiesta und Focus

Wegen des anhaltenden Prozessormangels muss Ford in seinem Kölner Werk den seit September andauernden Produktionsstopp des Fiesta bis zum 19. November verlängern. Eine weitere Produktionspause ist für den 24. und den 25. November geplant. Hinzu kommt ein Produktionsstopp des Focus im Werk Saarlouis – dieser Stopp dauert mindestens bis zum 5. November.

Ford Fiesta 2022
Aleksander Marko
Ford muss wegen des Chipmangels die Produktion des Fiesta in seinem Kölner Werk weiter pausieren.

12. Oktober 2021: Audi stoppt Produktion in Ingolstadt und Neckarsulm

Audi unterbricht laut Automobilwoche die Produktion einiger Modelle: "In Ingolstadt ruht die Produktion in dieser Woche auf den Montagelinien für A3 und Q2, sowie auf dem Band für A4/A5 und A3", berichtet das Branchenmagazin. Die Produktion von A4 und A5 laufe im Einschichtbetrieb. Dafür ruht in Neckarsulm die Produktion der Mittelkasse-Baureihen. Auch A6 und A7 würden voraussichtlich bis Freitag nicht produziert. Ohne Einschränkungen würden E-Tron GT und R8 gebaut, der "A8 wird zumindest in einer Schicht produziert", so das Fachmagazin weiter. Betroffene Mitarbeiter gingen laut Audi in Kurzarbeit. Schon im Juli waren in Audi-Werken wegen der Lieferkrise bei Halbleitern immer wieder Schichten ausgefallen. Ende August war die Produktion in Neckarsulm für eine Woche ausgefallen.

7. Oktober 2021 – Daimler mit heftigem Absatzeinbruch

Der Chipmangel sorgt bei Daimler für einen massiven Absatzeinbruch: Mercedes lieferte von Juni bis Ende September 428.361 Fahrzeuge aus – das sind 30,2 Prozent weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Für den Autohersteller ist dies besonders bitter, da nach eigenen Angaben weltweit eine robuste Nachfrage besteht und die Stuttgarter einen hohen Auftragseingang verbuchen können. Die Halbleiterkrise beeinträchtigt auch Daimlers Geschäfte mit leichten Nutzfahrzeugen und Smart. Bei den Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb und bei der S-Klasse konnte Daimler den Absatz verbessern – die entsprechenden Baureihen versorgt der Konzern vorrangig mit den begehrten Prozessoren.

BMW trotz Halbleitermangel mit Absatzplus

BMW kommt bisher anscheinend gut durch die Halbleiterkrise: Das Unternehmen erzielte mit 1.932.236 verkauften Fahrzeugen bis Ende September ein Absatzplus in Höhe von 17,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Absatz vollelektrischer Fahrzeuge hat sich mit 59.688 Exemplaren mehr als verdoppelt (plus 121,4 Prozent). Die Marke BMW selbst hat bis Ende September 1.703.080 Fahrzeuge ausgeliefert, was einem Zuwachs von 19,3 Prozent entspricht. Nord-LB-Analyst Frank Schwope zeigt sich "verblüfft von der Anhebung der Gewinnprognose in Zeiten des Chipmangels". "Während dieses Jahr weltweit über alle Konzerne mehr als 5 Millionen Autos infolge der Versorgungsengpässe nicht gefertigt bzw. ausgeliefert werden können, dürfte BMW hier mit nur 90.000 bis 100.000 Fahrzeugen noch relativ gut davonkommen", so der Marktbeobachter. BMW geht allerdings davon aus, dass die Situation auf dem Halbleitermarkt angespannt bleibt – einen negativen Effekt auf die Absätze in den kommenden Monaten können die Verantwortlichen deshalb nach eigenen Angaben nicht ausschließen. "Allerdings erstaunt", so Schwope, "dass die positiven Preiseffekte die Produktionsengpässe überkompensieren. Künstliche Knappheit stärkt die Preise!" Entsprechend heben die Analysten der Nord-LB das Kursziel der Aktien und empfehlen sie zu kaufen.

5.10.2021 – Siliziumpreis explodiert

Der nicht nur die Autoindustrie schwer belastende Chipmangel verschärft sich weiter: Die Preise für den Rohstoff Silizium sind in den vergangenen zwei Monaten explodiert. Das Halbmetall ist das unverzichtbare Basismaterial der meisten Prozessoren – und es ist nach Sauerstoff das zweithäufigste Element der Erdhülle. Auch die Förderung von Silizium in Form von Quarzsand gilt als unkompliziert. Um das Element allerdings aus dem Quarzsand zu gewinnen, sind große Mengen an Energie nötig – die entsprechenden Schmelzöfen arbeiten mit Temperaturen von zirka 2.000 Grad. Und darin besteht aktuell das Problem: Über 60 Prozent der weltweiten geförderten Siliziummenge kommt derzeit aus China. Dort ist mit einem weltweiten Anteil in Höhe von 20 Prozent wiederum die Provinz Yunnan einer der Hauptproduzenten. Wie Focus Online berichtet, ist dieser Anteil jetzt fast komplett weggebrochen, weil die dortige Provinzregierung Mitte September einen Erlass veröffentlicht hat, nachdem die örtlichen Firmen nur noch zehn Prozent der üblichen Siliziummenge produzieren dürfen – um die Energieziele der Provinz zu erreichen. Dem Weltmarkt sollen so bis Ende des Jahres 200.000 Tonnen Silizium fehlen. Deshalb kostet eine Tonne Silizium aktuell 7.700 Euro, was einen Rekordpreis darstellt. Seit Anfang August hat sich der Preis angeblich fast vervierfacht. Experten gehen davon aus, dass der Bedarf an Halbleitern weiterwächst – somit dürfte der Preis für Silizium auch ohne die chinesische Produktionsdrosselung steigen.

Silizium und Silizium-Waver
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Von Anfang August bis Anfang Oktober 2021 hat sich der Preis für den Chip-Rohstoff Silizium fast vervierfacht.

1.10.2021 – Cadillac Escalade ohne Super Cruise

Cadillac muss seinen großen SUV Escalade wegen des Halbleitermangels ohne Super Cruise ausliefern. Super Cruise ist GMs Assistenzsystem-Paket zum teilautonomen Fahren. In einem Test des US-Verbrauchermagazins Consumer Report landete Super Cruise auf dem ersten Platz – vor Teslas sogenanntem Autopilot-System. Bei den Limousinen CT4 und CT5 möchte GM wenigstens einige Exemplare mit Super Cruise ausrüsten – das große Ausrollen dieser Ausstattung hat der Hersteller wegen des Chipmangels jetzt aber auf die erste Hälfte 2022 verschoben.

Cadillac Escalade Sport
Cadillac
Sein großes SUV Escalade liefert Cadillac wegen des Chipmangels jetzt ohne das Assistenzsystem-Paket Super Cruise aus. Super Cruise ermöglicht teilautonomes Fahren nach Level 2.

30.9.2021 – Opel-Werk in Eisenach dicht

Vorerst bis zu Jahresende 2021 schließt Opel wegen Lieferengpässen sein Werk in Eisenach vom 4.10.2021 an. "Die globale Automobilindustrie befindet sich aufgrund der anhaltenden Pandemie und einem weltweiten Mangel an Halbleitern in einer Ausnahmesituation. In dieser anspruchsvollen und unsicheren Lage plant Stellantis, Anpassungen der Produktion vorzunehmen", begründete ein Sprecher des zum europäischen Großkonzern Stellantis gehörenden Herstellers am Donnerstag den Schritt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die rund 1.300 Opel-Arbeiter im thüringischen Werk werden in Kurzarbeit geschickt. Anfang 2022 soll die Produktion des Opel Grandland wieder anlaufen, falls sich bis dahin die Situation verbessert hat. Schon im August standen in Eisenach vorübergehend die Bänder still.

27.9.2021 – Über ein Jahr Wartezeit auf bestimmte Mercedes-Modelle

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius hat in einem in der Sonntagsausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Interview darauf hingewiesen, dass Mercedes-Kunden aktuell teilweise mehr als ein Jahr auf ihre Fahrzeuge warten müssen. Grund ist die Halbleiter-Krise in Kombination mit einer kräftigen Nachfrage. Dass es auf einige Modelle eine erheblich längere Wartezeit gebe als auf andere, hänge damit zusammen, dass man die Profitabilität und den Vorrang der Elektro-Offensive berücksichtigen müsse. Der Daimler-Chef zitiert die großen Chiphersteller, nach deren Aussage sich die Lage am Halbleitermarkt erst 2023 entspanne. Källenius betont, dass sich Daimler nicht am Aufbau neuer Chipfabriken beteiligen wird – schließlich seien dafür Milliardeninvestitionen nötig.

23.9.2021 – Verluste doppelt so hoch wie prognostiziert

Die Verluste, die die Autohersteller wegen der Halbleiterkrise hinnehmen müssen, sind anscheinend doppelt so hoch wie noch Anfang 2021 vorausgesagt. Die Beratungsfirma Alix Partners geht inzwischen davon aus, das den Herstellern Einnahmen in Höhe von 210 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet zirka 178,9 Milliarden Euro) entgehen. Im Mai 2021 hatten die Berater die Verluste noch auf 110 Milliarden Dollar (93,7 Milliarden Euro) geschätzt. Damit im direkten Zusammenhang stehen die Autos, die die Hersteller wegen fehlender Prozessoren nicht bauen können. Im Mai hieß es noch, dass der Verlust 3,9 Millionen Fahrzeuge beträgt, jetzt gehen Analysten von 7,7 Millionen nicht produzierten Fahrzeugen aus.

10.9.2021 – Intel sucht Europa-Standort für gigantische Chipfabrik

Der US-Halbleiterhersteller Intel möchte in Europa eine riesige Chipfabrik bauen, die Prozessoren für die Autoindustrie herstellt. 2019 betrug der Kostenanteil von Prozessoren an einem Auto laut Intel im Durchschnitt vier Prozent. Bis 2030 steigt dieser Anteil nach Einschätzung der Halbleiterspezialisten auf 20 Prozent. Dafür sorgen unter anderem viele neue Funktionen, wie beispielsweise das teilautonome Fahren. Intel betont, dass man den Standort in Europa suche, weil hier die Autoindustrie verwurzelt sei. Bis Ende 2021 möchte Intel den Standort gefunden haben. Von den über 70 Bewerbungen kamen die meisten aus Deutschland – zehn deutsche Standorte sind noch im Rennen. Intel fordert mindestens fünf Quadratkilometer Fläche, Elektrizität, Wasser, Talente und Anreize. Mit Anreizen sind die bei solchen Projekten üblichen finanziellen Unterstützungen durch den Steuerzahler gemeint. Intel möchte ähnliche Geldspritzen, wie sie in Asien üblich seien – das heißt, eine Kostenbeteiligung von Land und EU in Höhe von 20 bis 30 Prozent. Im Gegenzug sollen acht Fab-Komplexe mit je 1.500 Arbeitsplätzen entstehen – jeder Arbeitsplatz soll fünf bis zehn weitere Arbeitsplätze bei externen Dienstleistern nach sich ziehen. Intel scheint mit dem Projekt auch Marktanteile zurückerobern zu wollen: Das alte Kerngeschäft mit PC-Prozessoren schrumpft und bei Prozessoren für Smartphones, Tablets, Fernseher und andere elektronische Geräte hat Intel aktuell gegenüber der Konkurrenz das Nachsehen.

3.9.2021 – GM stoppt Produktion in acht Werken, Ford stoppt Pick-up-Fertigung

Die Halbleiterkrise verschlimmert sich: GM muss jetzt die Produktion in acht Werken für mindestens zwei Wochen pausieren. Die Produktionsstopps betreffen auch die gewinnträchtige Pick-up-Fertigung in den Werken Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana und mexikanischen Werk Silao (beide Chevrolet Silverado und GMC Sierra). Außerdem sind das Werk Wentzville (mittelgroße Lastwagen und Transporter) in Missouri, die Werke Ingersoll in der kanadischen Provinz Ontario und San Luis Potosí in Mexiko (beide Equinox), das Werk Delta Township (Chevrolet Traverse und Buick Enclave) in Michigan, das Werk Spring Hill (GMC Acadia, Cadillac XT5 und XT6) in Tennessee und das Werk Ramos (Chevrolet Blazer) in Mexiko bis zum 27. September geschlossen.

Ford stoppt Produktion seines wichtigsten Modells

Pick-ups gehören bei US-amerikanischen Autokonzernen zu den Brot-und-Butter-Autos – das in Nordamerika volumenstarke Segment sorgt für sichere Gewinne. Ford ist jetzt gezwungen, auch bei den wichtigen Pick-ups die Produktion zu drosseln. So steht die Produktion im Werk Kansas City (in Claycomo im US-Bundesstaat Missouri, 16 Kilometer nordöstlich von Kansas City) still. Mit dem F-150 baut Ford dort das seit über 40 Jahren kontinuierlich meistverkaufte Modell auf dem US-amerikanischen Markt. Außerdem läuft dort der Transit vom Band. Im F-150-Werk in Dearborn (Michigan) und im Werk Louisville (Ford Escape und Lincoln Corsair) in Kentucky fallen zudem Schichten weg.

Ford F-150 Raptor 2021 Weltpremiere
Ford
Das beinahe Undenkbare ist eingetreten: Ford muss wegen des Chipmangels die Produktion des F-150 (im Bild die sportliche Raptor-Version) massiv drosseln. Der F-150 ist Ford wichtigstes Modell.

Chipmangel verschärft sich aktuell massiv

Die von den Autoherstellern in Sachen Chipmangel ersehnte Erholung ist nicht in Sicht – aktuell verschlimmert sich die Lage. Branchenanalysten gehen davon aus, dass dies mit der Delta-Variante des Corona-Virus zusammenhängt, die die Mitarbeiter in asiatischen Chipfabriken befallen hat. Wegen des unter den Mitarbeitern grassierenden Virus mussten einige Fabriken schließen. Dass die Lagerbestände bis ins Jahr 2022 knapp bleiben, halten viele Experten inzwischen für gesetzt. Die Auswirkungen der Produktionsstopps sind bereits jetzt gravierend: In den USA stehen aktuell eine Millionen Neuwagen bei den Händlern – im September 2019 waren es noch 3,58 Millionen Neuwagen. Der Verkauf des Bestsellers Ford F-150 ging im August um 23 Prozent zurück – weil Ford nicht liefern kann. Das knappe Angebot und die damit verbundenen hohen Preise frustrieren wiederum die Kunden, die deshalb teilweise auf die Neuanschaffung eines Fahrzeugs verzichten.

2.9.2021 – Wartezeit auf Neuwagen, weniger Sicherheitsausstattungen, Subaru macht dicht

Wegen des weltweiten Halbleitermangels verlängern sich die Wartezeiten auf Neuwagen permanent. Die Hersteller bevorzugen bei der Produktion ihre Volumenmodelle und/oder die Modelle, die die höchsten Gewinne versprechen. Bei anderen Autos beträgt die Wartezeit inzwischen bis zu 14 Monate – dies gilt zum Beispiel für die Audi-Modelle E-Tron GT und den Q4 E-Tron, den Dacia Spring und den Mercedes A 250 E.

Subaru stoppt komplette japanische Produktion

Subaru stellt wegen des Chipmangels seine gesamte japanische Produktion ein. Vom 4. bis zum 10. September steht die Fertigung in den Werken Yajima (BRZ, Crosstrek, Impreza, WRX, STi und Forester) und Oizumi (Motoren und Getriebe) still. Die US-Fabrik in Lafayette im Bundesstaat Indiana ist vorerst nicht von der Produktionspause betroffen. Im April musste Subaru seine Produktion schon einmal pausieren – damals für 13 Tage. Dadurch konnten die Japaner 10.000 Autos nicht bauen. Der erneute Produktionsstopp könnte zu einem Verlust von weiteren 10.000 Autos führen.

Toyota reduziert Produktion um 40 Prozent

Auch Toyotas Produktion leidet zunehmend unter der Halbleiterkrise. Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Autoherstellern hatten die Japaner einen großen Chip-Vorrat angelegt, weshalb sie bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind. Jetzt gehen die Vorräte zur Neige: Toyota reduziert seine weltweite Produktion im September um drastische 40 Prozent. Die Japaner gehen für 2021 von einem Produktionsausfall in Höhe von 208.000 Autos aus.

Toyota GR Yaris, Nordschleife
Hans-Dieter Seufert
Da seine Chipvorräte zur Neige gehen, muss Toyota seine September-Produktion um 40 Prozent drosseln (im Bild ein Toyota GR Yaris).

Volvo und Ford reduzieren Sicherheits-Ausstattung

Volvo und Ford sehen sich wegen der Halbleiterknappheit gezwungen, auf optionale Sicherheitsfeatures zu verzichten. So entfallen beispielsweise beim Ford Puma in der ST-Ausstattung der Fernlichtassistent, die Einparkhilfe hinten, der Spurhalteassistent, die Spurverlassenswarnung, der Pre-Collision-Assistent mit automatischer Notbremsung (AEB), die Multikollisionsbremse und die Fußgänger- sowie Radfahrererkennung. Auch bei den Ausstattungslinien anderer Modelle entfällt ein Teil dieser Ausstattung. Wer sein Auto trotzdem mit der genannten Ausstattung haben möchte, muss ein bis zwei Monate mehr Wartezeit einplanen. Durch den Entfall von AEB und Spurverlassenswarner ist der Puma nicht mehr für seine ursprüngliche Fünf-Sterne-Euro-NCAP-Wertung qualifiziert.

Volvo muss aufgrund fehlender Prozessoren den Umfang seines Driver-Awareness-Pakets reduzieren. Das Paket enthält einen aktiven Totwinkel-Warner, einen Querverkehrswarner mit Bremsassistent sowie den Heckaufprallschutz RCWM (Rear Collision Warning and Mitigation). Volvo betont, dass die Reduktion des Paketumfangs keinen Einfluss auf die Euro-NCAP-Bewertung des XC60 hat. Der Hersteller kontaktiert jetzt alle Besteller eines XC60 und fragt, ob sie ihr Fahrzeug mit dem reduzierten Sicherheitspaket haben oder auf eine spätere Auslieferung warten wollen.

Tesla Roadster verzögert sich

Tesla-Chef Elon Musk verkündet, dass die zweite Generation des Tesla Roadster nicht vor 2023 auf den Markt kommt. 2021 sei ein superverrücktes Jahr und es bringe nichts, neue Modelle zu bringen, die man dann nicht ausliefern kann. Der Starttermin 2023 gilt zudem auch nur, wenn 2022 "nicht dramatisch wird".

Tesla Roadster
Tesla
Die zweite Generation des Roadster soll mal ein sportlicher Über-Tesla werden. Die Halbleiterkrise verschärft jetzt die ohnehin erwartete Auslieferungsverzögerung dieses Modells. Tesla-Chef Elon Musk stellt als frühesten Marktstart-Termin 2023 in Aussicht.

1.9.2021 – Ford Bronco nicht mehr online reservierbar

Interessenten können den Ford Bronco nicht mehr online reservieren. Aufgrund des Chipmangels, aber auch wegen Herstellungsproblemen beim Dachzulieferer, kommt Ford nicht mehr mit der Produktion hinterher. Wer sich jetzt einen Bronco reservieren möchte, muss dies direkt beim Händler machen. Im Oktober möchte Ford die Reservierungsmöglichkeit wieder online nehmen – dann können Kunden die 2022er-Modelle bestellen.

Der modulare Aufbau des Ford Bronco.
Ford
Ford kommt bei der Produktion des Bronco nicht nur wegen des Chipmangels langsamer voran als erhofft - auch der Dachzulieferer hat Probleme.

31.8.2021 – Stellantis muss Produktion in mehreren Werken stoppen

Der aus der Fusion von Groupe PSA (PSA) und Fiat Chrysler Automobiles (FCA) hervorgegangene Autohersteller Stellantis muss aufgrund der Halbleiter-Krise die Produktion in mehreren seiner nordamerikanischen Werke für mindestens eine Woche pausieren. Von den Schließungen betroffen sind die Werke Sterling Heights (RAM 1500) im US-Bundesstaat Michigan, Belvidere (Jeep Cherokee) im US-Bundesstaat Illinois sowie Windsor (Chrysler Pacifica und Voyager) und Brampton (Dodge Challenger, Charger und Chrysler 300) in der kanadischen Provinz Ontario.

30.8.2021 – VW Nivus ohne Infotainment-System

VW muss den Nivus in seiner Basisausstattung aktuell ohne Infotainment-System ausliefern. Der in Brasilien angebotene kompakte SUV bekommt zwar einen Bildschirm für den Fahrer, aber in der Mittelkonsole sitzt jetzt dort, wo normalerweise der Infotainment-Touchscreen leuchtet, eine schwarze Kunststoffplatte. Die zum Serienumfang des Basis-Nivus gehörende Rückfahrkamera ergibt somit erst Sinn, wenn die Nachrüstung des Mittelkonsolen-Bildschirms möglich ist. Wer schon bei der Auslieferung einen Mittelkonsolen-Bildschirm für seinen Nivus möchte, kann den aufpreispflichtigen 6,5-Zoll-Bildschirm (umgerechnet zirka 300 Euro) oder das Play-&-Tech-Paket (umgerechnet 745 Euro) bestellen. Der Nivus basiert auf dem T-Cross und kommt Ende 2021 als Taigo auch in Deutschland auf dem Markt. Ob und wenn ja wie sich der Chipmangel auch auf den Taigo auswirken wird, kann VW noch nicht abschätzen.

VW Nivus
VW
Hier hat der VW Nivus noch einen Bildschirm in der Mittelkonsole. Aufgrund des Chipmangels liefert VW die Basisversion des kompakten SUV in Brasilien inzwischen ohne den Infotainment-Touchscreen aus.

30.8.2021 – GM pausiert Produktion von Dieselmotor

Aufgrund des Chipmangels muss GM die Produktion seines 3,0-Liter-Duramax-Dieselmotors (LM2) pausieren. Der amerikanische Autohersteller möchte die Fertigung zwar so schnell wie möglich wieder aufnehmen, kann aber noch nicht abschätzen, wann dies soweit sein wird. In einem Schreiben ermutigt GM seine Händler, den Kunden anstelle des Dieselmotors entweder den 5,3-Liter-V8-Benziner (L84) oder den 6,2-Liter-V8-Benziner (L87) anzubieten.

20.8.2021 – Toyota kürzt Produktion in 14 Werken

Der weltgrößte Autohersteller Toyota muss seine Produktion dramatisch kürzen. Wie die japanische Tageszeitung "Nikkei" berichtet, werde Toyota im September nur rund 500.000 Fahrzeuge wegen des Engpasses an Halbleitern produzieren können. Weltweit sind dem Bericht zufolge 14 Werke betroffen. Die Produktion in Nordamerika, China und Euro werde wahrscheinlich um zehntausend Autos gesenkt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters produziert das Toyota-Joint-Venture im chinesischen Guangzhou bereits auf einer Fertigungslinie nicht mehr.

Bisher ist Toyota besser als andere Autohersteller durch die Chip-Krise gekommen, da sich seit Jahren größere Teile-Vorräte unter anderem an Halbleitern angelegt hat.

19.8.2021 – Kurzarbeit bei Audi

In den Audi-Werken in Ingolstadt und Neckarsulm müssen 10.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. So stehen im Stammwerk in Ingolstadt alle Bänder bis zum 30.8.2021 still. Während zwei Linien wegen des Halbleiter-Mangels nicht mehr produzieren können, wird die Linie 1 auf die Produktion für den Audi Q6 E-Tron umgerüstet. 6.000 Audi-Werker müssen hier in Kurzarbeit. Im Werk in Neckarsulm sind rund 4.000 Arbeiter betroffen. Für September hat Audi ebenfalls Kurarbeit angemeldet. Bereits seit Anfang 2021 konnten rund 50.000 Fahrzeuge wegen fehlender Bauteile nicht gebaut werden.

19.8.2021 – Mercedes stellt V8-Modelle in den USA ein

Mercedes setzt den Verkauf von vielen V8-Modellen in den USA aus. Insgesamt 17 Modelle (siehe Fotoshow) sind von dem Verkaufsstopp betroffen. Als Grund werden unter anderem "Probleme in der Lieferkette" insbesondere bei den Halbleitern genannt.

18.8.2021 – Zweitgrößter Hafen in China dicht

Wegen der Corona-bedingten Schließung eines Terminals in Chinas zweitgrößtem Hafen Ningbo werden die globalen Lieferketten gestört. Über 50 Containerschiffe warten dort bereits auf die Abfertigung. Am 10.8. wurde ein Hafenarbeiter positiv auf Corona getestet, das Terminal weitgehend geschlossen. Die teilweise Wiedereröffnung ist nicht vor dem 24.8. geplant. Große Reedereien müssen nun auf andere Häfen ausweichen, was dort zu Verzögerungen führt.

17.8.2021 – Basismodelle von VW ID.3 und Golf nicht mehr bestellbar

Bei Volkswagen sind aufgrund der Halbleiterkrise die Basismodelle vom Golf sowie vom ID.3 nicht bestellbar. Wer bereits eines dieser Fahrzeuge bestellt hat, muss mit vier Monaten Wartezeit rechnen. Neubestellungen sind erst ab 2022 wieder möglich.

16.8.2021 – Daimler mit Kurzarbeit

Daimler passt nach eigenen Angaben permanent seine Produktion zum Beispiel in Rastatt, Kecskemét und Bremen den vorhandenen Liefermöglichkeiten an. In Rastatt und Bremen gibt es jedoch ebenso Kurzarbeit, wir für das Werk in Sindelfingen am 19. und 20. August. Die Kurzarbeit in Sindelfingen betrifft nach Angaben der Stuttgarter Zeitung vor allem die Produktion der E-Klasse. Die Herstellung der S-Klasse und des EQS in der Factory 56 läuft uneingeschränkt weiter.

22.7.2021 – BMW kann 40.000 Autos nicht bauen

BMW ist von der Halbleiter-Krise zwar nicht so heftig betroffen wie beispielsweise die großen amerikanischen Autohersteller Ford und GM, aber auch die Bayern kämpfen zunehmend mit den Lieferengpässen. Der Nachrichtenagentur Reuters haben BMW-Verantwortliche bestätigt, dass fast sämtliche deutschen Produktionsstandorte unter der Krise leiden. Aktuell kann BMW zirka 10.000 Autos nicht zu Ende bauen, weil die entsprechenden Prozessoren fehlen. Schon bisher konnte der bayerische Hersteller 30.000 Autos aufgrund des Chipmangels nicht produzieren. Die Produktion im wichtigen Werk Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina, wo die meisten BMW-SUV-Modelle vom Band laufen, soll hingegen bis Ende 2021 gesichert sein.

Halbleiter und Autobau

In neuen Autos können mehr als 100 Halbleiter-Elemente stecken. Fehlt auch nur ein einziges, kann das die Produktion des entsprechenden Modells stoppen.

Wie lange der Halbleitermangel anhält, lässt sich aktuell nur schwer einschätzen. Michael Hogan, Senior Vice President beim großen Halbleiter-Auftragsfertiger Globalfoundries, geht davon aus, dass von einer Bestellung eines Autoherstellers bis zur tatsächlichen Lieferung 20 bis 25 Wochen vergehen könnten. Da Globalfoundries schon bisher ein großer Lieferant für die Autoindustrie war, betont Hogan, dass man alles tue, um die Produktion für die Autoindustrie zu priorisieren.

Der wirtschaftliche Schaden

Dass die Autoindustrie wahrscheinlich noch lange mit der Halbleiter-Krise zu kämpfen hat, zeichnet sich immer stärker ab. Die Analysefirma Gartner erwartet inzwischen für bestimmte Teilbereiche eine Erholung für frühestens 2023 oder sogar 2024. Erst dann stehen, insbesondere für Speicherchips, neue Fertigungs-Kapazitäten zur Verfügung. Die Autoindustrie habe es während der Halbleiter-Krise besonders schwer, da sie zum einen mit einem tiefgreifenden technologischen Wandel beschäftigt und zum anderen von den Auswirkungen der Corona-Krise gebeutelt sei. Hinzu komme, dass die Autoindustrie spezielle Chips mit einer erhöhten Ausfallsicherheit benötigt – für solche Prozessoren ließe sich bei der Fertigung schwerer eine Ausweichmöglichkeit finden. Außerdem können die Autohersteller in Sachen Marktmacht nicht mit den jährlich hunderte Millionen Exemplare absetzenden Herstellern von Smartphones und anderen elektronischen Geräten mithalten.

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Audi, Osram, Mercedes
LED-Scheinwerfer sind ohne integrierte Schaltkreise nicht möglich.

Das US-amerikanische Beratungs-Unternehmen Alix Partners hat anhand von neuesten Daten nachgerechnet, was der aktuelle Halbleitermangel die Autoindustrie kostet. Demnach laufen 2021 zirka 3,9 Millionen Fahrzeuge weniger vom Band, was Kosten in Höhe von 110 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet rund 90,6 Milliarden Euro) bedeutet. Damit sind die Kosten fast doppelt so hoch, wie von der Beratungsfirma noch Anfang Januar 2021 geschätzt. Damals gingen die Spezialisten von 61 Milliarden Dollar (50,2 Millarden Euro) Verlust aus. Die Unternehmensberater vermuten, dass die Autohersteller nur einen kleinen Teil dieser Verluste durch den Abbau von Lagerbeständen abfedern können.

Die Hintergründe

Die Gründe für den Mangel an den wichtigen elektronischen Bauteilen sind nämlich bei einem Teil der Autohersteller auch hausgemacht: Mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie haben einige, in Erwartung von stark einbrechenden Absätzen, ihre Bestellungen zurückgefahren.

Nvidia Drive AGX Xavier, Prozessor für autonomes Fahren
Nvidia
Ein fehlendes Halbleiter-Bauelement kann zum Produktionsstopp einer Automodellreihe führen.

Gleichzeitig haben die Hersteller von für Homeoffice notwendiger Elektronik deutlich mehr Prozessoren geordert, um in ausreichender Menge Laptops, Webcams, Tablets und 5G-Smartphones bauen zu können. Schließlich brauchen nicht nur Unternehmens-Mitarbeiter leistungsstarkes Elektronik-Equipment für ihren Arbeitsplatz zu Hause, auch die Unternehmen selbst mussten auf diesem Gebiet teilweise massiv nachrüsten.

Fazit

Zeiten des schnellen Wandels hinterlassen in der Industrie tiefe Spuren: Die flächendeckende Einführung von Homeoffice aufgrund der nach wie vor grassierenden Corona-Pandemie sorgt für einen sprunghaft angestiegenen Bedarf an elektronischen Geräten wie Computern, Monitoren und Tablets. In diesen Geräten arbeiten Halbleiter-Chips. Und Halbleiterchips kommen seit Jahrzehnten auch vermehrt in Autos zum Einsatz – inzwischen können in einem neuen Auto über 100 dieser Bauteile stecken.

Die Prozessoren in der gefragten Homeoffice-Elektronik fehlen für die Autoproduktion. Für ein Ende der Lieferkrise ist eine Produktionserhöhung von Halbleiter-Bauelementen nötig – die entsprechenden Unternehmen arbeiten mit Hochdruck daran. Trotzdem dürfte der Halbleitermangel noch eine Weile anhalten, was zwar nicht zu erhöhten Fahrzeugpreisen, aber immerhin zu deutlich längeren Lieferzeiten führen könnte.

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Trotz anhaltender Pandemie gibt es erste optimistische Zeichen.

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