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Chip-Mangel: Bänder stehen still - Audi mit Kurzarbeit

Aktuell - Chip-Mangel in der Auto-Industrie Bänder stehen still - Kurzarbeit bei Audi

Kurzarbeit, lange Lieferzeiten, nicht mehr bestellbare Modelle, halbfertige Autos auf Halde: Die Halbleiter-Krise hat aktuell massive Auswirkungen auf die Autoindustrie und den Automarkt. Vermutlich 2023 oder erst 2024 ist eine Entspannung in Sicht. Hier die aktuelle Entwicklung im Chip-Mangel-Ticker.

12. Oktober 2021: Audi stoppt Produktion in Ingolstadt und Neckarsulm

Audi unterbricht laut Automobilwoche die Produktion einiger Modelle: "In Ingolstadt ruht die Produktion in dieser Woche auf den Montagelinien für A3 und Q2, sowie auf dem Band für A4/A5 und A3", berichtet das Branchenmagazin. Die Produktion von A4 und A5 laufe im Einschichtbetrieb. Dafür ruht in Neckarsulm die Produktion der Mittelkasse-Baureihen. Auch A6 und A7 würden voraussichtlich bis Freitag nicht produziert. Ohne Einschränkungen würden E-Tron GT und R8 gebaut, der "A8 wird zumindest in einer Schicht produziert", so das Fachmagazin weiter. Betroffene Mitarbeiter gingen laut Audi in Kurzarbeit. Schon im Juli waren in Audi-Werken wegen der Lieferkrise bei Halbleitern immer wieder Schichten ausgefallen. Ende August war die Produktion in Neckarsulm für eine Woche ausgefallen.

7. Oktober 2021 – Daimler mit heftigem Absatzeinbruch

Der Chipmangel sorgt bei Daimler für einen massiven Absatzeinbruch: Mercedes lieferte von Juni bis Ende September 428.361 Fahrzeuge aus – das sind 30,2 Prozent weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Für den Autohersteller ist dies besonders bitter, da nach eigenen Angaben weltweit eine robuste Nachfrage besteht und die Stuttgarter einen hohen Auftragseingang verbuchen können. Die Halbleiterkrise beeinträchtigt auch Daimlers Geschäfte mit leichten Nutzfahrzeugen und Smart. Bei den Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb und bei der S-Klasse konnte Daimler den Absatz verbessern – die entsprechenden Baureihen versorgt der Konzern vorrangig mit den begehrten Prozessoren.

BMW trotz Halbleitermangel mit Absatzplus

BMW kommt bisher anscheinend gut durch die Halbleiterkrise: Das Unternehmen erzielte mit 1.932.236 verkauften Fahrzeugen bis Ende September ein Absatzplus in Höhe von 17,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Absatz vollelektrischer Fahrzeuge hat sich mit 59.688 Exemplaren mehr als verdoppelt (plus 121,4 Prozent). Die Marke BMW selbst hat bis Ende September 1.703.080 Fahrzeuge ausgeliefert, was einem Zuwachs von 19,3 Prozent entspricht. Nord-LB-Analyst Frank Schwope zeigt sich "verblüfft von der  Anhebung der Gewinnprognose in Zeiten des Chipmangels". "Während dieses Jahr weltweit über alle Konzerne mehr als 5 Millionen Autos infolge der Versorgungsengpässe nicht gefertigt bzw. ausgeliefert werden können, dürfte BMW hier mit nur 90.000 bis 100.000 Fahrzeugen noch relativ gut davonkommen", so der Marktbeobachter. BMW geht allerdings davon aus, dass die Situation auf dem Halbleitermarkt angespannt bleibt – einen negativen Effekt auf die Absätze in den kommenden Monaten können die Verantwortlichen deshalb nach eigenen Angaben nicht ausschließen. "Allerdings erstaunt", so Schwope, "dass die positiven Preiseffekte die Produktionsengpässe überkompensieren. Künstliche Knappheit stärkt die Preise!" Entsprechend heben die Analysten der Nord-LB das Kursziel der Aktien und empfehlen sie zu kaufen. 

5.10.2021 – Siliziumpreis explodiert

Der nicht nur die Autoindustrie schwer belastende Chipmangel verschärft sich weiter: Die Preise für den Rohstoff Silizium sind in den vergangenen zwei Monaten explodiert. Das Halbmetall ist das unverzichtbare Basismaterial der meisten Prozessoren – und es ist nach Sauerstoff das zweithäufigste Element der Erdhülle. Auch die Förderung von Silizium in Form von Quarzsand gilt als unkompliziert. Um das Element allerdings aus dem Quarzsand zu gewinnen, sind große Mengen an Energie nötig – die entsprechenden Schmelzöfen arbeiten mit Temperaturen von zirka 2.000 Grad. Und darin besteht aktuell das Problem: Über 60 Prozent der weltweiten geförderten Siliziummenge kommt derzeit aus China. Dort ist mit einem weltweiten Anteil in Höhe von 20 Prozent wiederum die Provinz Yunnan einer der Hauptproduzenten. Wie Focus Online berichtet, ist dieser Anteil jetzt fast komplett weggebrochen, weil die dortige Provinzregierung Mitte September einen Erlass veröffentlicht hat, nachdem die örtlichen Firmen nur noch zehn Prozent der üblichen Siliziummenge produzieren dürfen – um die Energieziele der Provinz zu erreichen. Dem Weltmarkt sollen so bis Ende des Jahres 200.000 Tonnen Silizium fehlen. Deshalb kostet eine Tonne Silizium aktuell 7.700 Euro, was einen Rekordpreis darstellt. Seit Anfang August hat sich der Preis angeblich fast vervierfacht. Experten gehen davon aus, dass der Bedarf an Halbleitern weiterwächst – somit dürfte der Preis für Silizium auch ohne die chinesische Produktionsdrosselung steigen.

Silizium und Silizium-Waver
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Von Anfang August bis Anfang Oktober 2021 hat sich der Preis für den Chip-Rohstoff Silizium fast vervierfacht.

1.10.2021 – Cadillac Escalade ohne Super Cruise

Cadillac muss seinen großen SUV Escalade wegen des Halbleitermangels ohne Super Cruise ausliefern. Super Cruise ist GMs Assistenzsystem-Paket zum teilautonomen Fahren. In einem Test des US-Verbrauchermagazins Consumer Report landete Super Cruise auf dem ersten Platz – vor Teslas sogenanntem Autopilot-System. Bei den Limousinen CT4 und CT5 möchte GM wenigstens einige Exemplare mit Super Cruise ausrüsten – das große Ausrollen dieser Ausstattung hat der Hersteller wegen des Chipmangels jetzt aber auf die erste Hälfte 2022 verschoben.

Cadillac Escalade Sport
Cadillac
Sein großes SUV Escalade liefert Cadillac wegen des Chipmangels jetzt ohne das Assistenzsystem-Paket Super Cruise aus. Super Cruise ermöglicht teilautonomes Fahren nach Level 2.

30.9.2021 – Opel-Werk in Eisenach dicht

Vorerst bis zu Jahresende 2021 schließt Opel wegen Lieferengpässen sein Werk in Eisenach vom 4.10.2021 an. "Die globale Automobilindustrie befindet sich aufgrund der anhaltenden Pandemie und einem weltweiten Mangel an Halbleitern in einer Ausnahmesituation. In dieser anspruchsvollen und unsicheren Lage plant Stellantis, Anpassungen der Produktion vorzunehmen", begründete ein Sprecher des zum europäischen Großkonzern Stellantis gehörenden Herstellers am Donnerstag den Schritt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die rund 1.300 Opel-Arbeiter im thüringischen Werk werden in Kurzarbeit geschickt. Anfang 2022 soll die Produktion des Opel Grandland wieder anlaufen, falls sich bis dahin die Situation verbessert hat. Schon im August standen in Eisenach vorübergehend die Bänder still.

27.9.2021 – Über ein Jahr Wartezeit auf bestimmte Mercedes-Modelle

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius hat in einem in der Sonntagsausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Interview darauf hingewiesen, dass Mercedes-Kunden aktuell teilweise mehr als ein Jahr auf ihre Fahrzeuge warten müssen. Grund ist die Halbleiter-Krise in Kombination mit einer kräftigen Nachfrage. Dass es auf einige Modelle eine erheblich längere Wartezeit gebe als auf andere, hänge damit zusammen, dass man die Profitabilität und den Vorrang der Elektro-Offensive berücksichtigen müsse. Der Daimler-Chef zitiert die großen Chiphersteller, nach deren Aussage sich die Lage am Halbleitermarkt erst 2023 entspanne. Källenius betont, dass sich Daimler nicht am Aufbau neuer Chipfabriken beteiligen wird – schließlich seien dafür Milliardeninvestitionen nötig.

23.9.2021 – Verluste doppelt so hoch wie prognostiziert

Die Verluste, die die Autohersteller wegen der Halbleiterkrise hinnehmen müssen, sind anscheinend doppelt so hoch wie noch Anfang 2021 vorausgesagt. Die Beratungsfirma Alix Partners geht inzwischen davon aus, das den Herstellern Einnahmen in Höhe von 210 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet zirka 178,9 Milliarden Euro) entgehen. Im Mai 2021 hatten die Berater die Verluste noch auf 110 Milliarden Dollar (93,7 Milliarden Euro) geschätzt. Damit im direkten Zusammenhang stehen die Autos, die die Hersteller wegen fehlender Prozessoren nicht bauen können. Im Mai hieß es noch, dass der Verlust 3,9 Millionen Fahrzeuge beträgt, jetzt gehen Analysten von 7,7 Millionen nicht produzierten Fahrzeugen aus.

10.9.2021 – Intel sucht Europa-Standort für gigantische Chipfabrik

Der US-Halbleiterhersteller Intel möchte in Europa eine riesige Chipfabrik bauen, die Prozessoren für die Autoindustrie herstellt. 2019 betrug der Kostenanteil von Prozessoren an einem Auto laut Intel im Durchschnitt vier Prozent. Bis 2030 steigt dieser Anteil nach Einschätzung der Halbleiterspezialisten auf 20 Prozent. Dafür sorgen unter anderem viele neue Funktionen, wie beispielsweise das teilautonome Fahren. Intel betont, dass man den Standort in Europa suche, weil hier die Autoindustrie verwurzelt sei. Bis Ende 2021 möchte Intel den Standort gefunden haben. Von den über 70 Bewerbungen kamen die meisten aus Deutschland – zehn deutsche Standorte sind noch im Rennen. Intel fordert mindestens fünf Quadratkilometer Fläche, Elektrizität, Wasser, Talente und Anreize. Mit Anreizen sind die bei solchen Projekten üblichen finanziellen Unterstützungen durch den Steuerzahler gemeint. Intel möchte ähnliche Geldspritzen, wie sie in Asien üblich seien – das heißt, eine Kostenbeteiligung von Land und EU in Höhe von 20 bis 30 Prozent. Im Gegenzug sollen acht Fab-Komplexe mit je 1.500 Arbeitsplätzen entstehen – jeder Arbeitsplatz soll fünf bis zehn weitere Arbeitsplätze bei externen Dienstleistern nach sich ziehen. Intel scheint mit dem Projekt auch Marktanteile zurückerobern zu wollen: Das alte Kerngeschäft mit PC-Prozessoren schrumpft und bei Prozessoren für Smartphones, Tablets, Fernseher und andere elektronische Geräte hat Intel aktuell gegenüber der Konkurrenz das Nachsehen.

3.9.2021 – GM stoppt Produktion in acht Werken, Ford stoppt Pick-up-Fertigung

Die Halbleiterkrise verschlimmert sich: GM muss jetzt die Produktion in acht Werken für mindestens zwei Wochen pausieren. Die Produktionsstopps betreffen auch die gewinnträchtige Pick-up-Fertigung in den Werken Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana und mexikanischen Werk Silao (beide Chevrolet Silverado und GMC Sierra). Außerdem sind das Werk Wentzville (mittelgroße Lastwagen und Transporter) in Missouri, die Werke Ingersoll in der kanadischen Provinz Ontario und San Luis Potosí in Mexiko (beide Equinox), das Werk Delta Township (Chevrolet Traverse und Buick Enclave) in Michigan, das Werk Spring Hill (GMC Acadia, Cadillac XT5 und XT6) in Tennessee und das Werk Ramos (Chevrolet Blazer) in Mexiko bis zum 27. September geschlossen.

Ford stoppt Produktion seines wichtigsten Modells

Pick-ups gehören bei US-amerikanischen Autokonzernen zu den Brot-und-Butter-Autos – das in Nordamerika volumenstarke Segment sorgt für sichere Gewinne. Ford ist jetzt gezwungen, auch bei den wichtigen Pick-ups die Produktion zu drosseln. So steht die Produktion im Werk Kansas City (in Claycomo im US-Bundesstaat Missouri, 16 Kilometer nordöstlich von Kansas City) still. Mit dem F-150 baut Ford dort das seit über 40 Jahren kontinuierlich meistverkaufte Modell auf dem US-amerikanischen Markt. Außerdem läuft dort der Transit vom Band. Im F-150-Werk in Dearborn (Michigan) und im Werk Louisville (Ford Escape und Lincoln Corsair) in Kentucky fallen zudem Schichten weg.

Ford F-150 Raptor 2021 Weltpremiere
Ford
Das beinahe Undenkbare ist eingetreten: Ford muss wegen des Chipmangels die Produktion des F-150 (im Bild die sportliche Raptor-Version) massiv drosseln. Der F-150 ist Ford wichtigstes Modell.

Chipmangel verschärft sich aktuell massiv

Die von den Autoherstellern in Sachen Chipmangel ersehnte Erholung ist nicht in Sicht – aktuell verschlimmert sich die Lage. Branchenanalysten gehen davon aus, dass dies mit der Delta-Variante des Corona-Virus zusammenhängt, die die Mitarbeiter in asiatischen Chipfabriken befallen hat. Wegen des unter den Mitarbeitern grassierenden Virus mussten einige Fabriken schließen. Dass die Lagerbestände bis ins Jahr 2022 knapp bleiben, halten viele Experten inzwischen für gesetzt. Die Auswirkungen der Produktionsstopps sind bereits jetzt gravierend: In den USA stehen aktuell eine Millionen Neuwagen bei den Händlern – im September 2019 waren es noch 3,58 Millionen Neuwagen. Der Verkauf des Bestsellers Ford F-150 ging im August um 23 Prozent zurück – weil Ford nicht liefern kann. Das knappe Angebot und die damit verbundenen hohen Preise frustrieren wiederum die Kunden, die deshalb teilweise auf die Neuanschaffung eines Fahrzeugs verzichten.

2.9.2021 – Wartezeit auf Neuwagen, weniger Sicherheitsausstattungen, Subaru macht dicht

Wegen des weltweiten Halbleitermangels verlängern sich die Wartezeiten auf Neuwagen permanent. Die Hersteller bevorzugen bei der Produktion ihre Volumenmodelle und/oder die Modelle, die die höchsten Gewinne versprechen. Bei anderen Autos beträgt die Wartezeit inzwischen bis zu 14 Monate – dies gilt zum Beispiel für die Audi-Modelle E-Tron GT und den Q4 E-Tron, den Dacia Spring und den Mercedes A 250 E.

Subaru stoppt komplette japanische Produktion

Subaru stellt wegen des Chipmangels seine gesamte japanische Produktion ein. Vom 4. bis zum 10. September steht die Fertigung in den Werken Yajima (BRZ, Crosstrek, Impreza, WRX, STi und Forester) und Oizumi (Motoren und Getriebe) still. Die US-Fabrik in Lafayette im Bundesstaat Indiana ist vorerst nicht von der Produktionspause betroffen. Im April musste Subaru seine Produktion schon einmal pausieren – damals für 13 Tage. Dadurch konnten die Japaner 10.000 Autos nicht bauen. Der erneute Produktionsstopp könnte zu einem Verlust von weiteren 10.000 Autos führen.

Toyota reduziert Produktion um 40 Prozent

Auch Toyotas Produktion leidet zunehmend unter der Halbleiterkrise. Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Autoherstellern hatten die Japaner einen großen Chip-Vorrat angelegt, weshalb sie bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind. Jetzt gehen die Vorräte zur Neige: Toyota reduziert seine weltweite Produktion im September um drastische 40 Prozent. Die Japaner gehen für 2021 von einem Produktionsausfall in Höhe von 208.000 Autos aus.

Toyota GR Yaris, Nordschleife
Hans-Dieter Seufert
Da seine Chipvorräte zur Neige gehen, muss Toyota seine September-Produktion um 40 Prozent drosseln (im Bild ein Toyota GR Yaris).

Volvo und Ford reduzieren Sicherheits-Ausstattung

Volvo und Ford sehen sich wegen der Halbleiterknappheit gezwungen, auf optionale Sicherheitsfeatures zu verzichten. So entfallen beispielsweise beim Ford Puma in der ST-Ausstattung der Fernlichtassistent, die Einparkhilfe hinten, der Spurhalteassistent, die Spurverlassenswarnung, der Pre-Collision-Assistent mit automatischer Notbremsung (AEB), die Multikollisionsbremse und die Fußgänger- sowie Radfahrererkennung. Auch bei den Ausstattungslinien anderer Modelle entfällt ein Teil dieser Ausstattung. Wer sein Auto trotzdem mit der genannten Ausstattung haben möchte, muss ein bis zwei Monate mehr Wartezeit einplanen. Durch den Entfall von AEB und Spurverlassenswarner ist der Puma nicht mehr für seine ursprüngliche Fünf-Sterne-Euro-NCAP-Wertung qualifiziert.

Volvo muss aufgrund fehlender Prozessoren den Umfang seines Driver-Awareness-Pakets reduzieren. Das Paket enthält einen aktiven Totwinkel-Warner, einen Querverkehrswarner mit Bremsassistent sowie den Heckaufprallschutz RCWM (Rear Collision Warning and Mitigation). Volvo betont, dass die Reduktion des Paketumfangs keinen Einfluss auf die Euro-NCAP-Bewertung des XC60 hat. Der Hersteller kontaktiert jetzt alle Besteller eines XC60 und fragt, ob sie ihr Fahrzeug mit dem reduzierten Sicherheitspaket haben oder auf eine spätere Auslieferung warten wollen.

Tesla Roadster verzögert sich

Tesla-Chef Elon Musk verkündet, dass die zweite Generation des Tesla Roadster nicht vor 2023 auf den Markt kommt. 2021 sei ein superverrücktes Jahr und es bringe nichts, neue Modelle zu bringen, die man dann nicht ausliefern kann. Der Starttermin 2023 gilt zudem auch nur, wenn 2022 "nicht dramatisch wird".

Tesla Roadster
Tesla
Die zweite Generation des Roadster soll mal ein sportlicher Über-Tesla werden. Die Halbleiterkrise verschärft jetzt die ohnehin erwartete Auslieferungsverzögerung dieses Modells. Tesla-Chef Elon Musk stellt als frühesten Marktstart-Termin 2023 in Aussicht.

1.9.2021 – Ford Bronco nicht mehr online reservierbar

Interessenten können den Ford Bronco nicht mehr online reservieren. Aufgrund des Chipmangels, aber auch wegen Herstellungsproblemen beim Dachzulieferer, kommt Ford nicht mehr mit der Produktion hinterher. Wer sich jetzt einen Bronco reservieren möchte, muss dies direkt beim Händler machen. Im Oktober möchte Ford die Reservierungsmöglichkeit wieder online nehmen – dann können Kunden die 2022er-Modelle bestellen.

Der modulare Aufbau des Ford Bronco.
Ford
Ford kommt bei der Produktion des Bronco nicht nur wegen des Chipmangels langsamer voran als erhofft - auch der Dachzulieferer hat Probleme.

31.8.2021 – Stellantis muss Produktion in mehreren Werken stoppen

Der aus der Fusion von Groupe PSA (PSA) und Fiat Chrysler Automobiles (FCA) hervorgegangene Autohersteller Stellantis muss aufgrund der Halbleiter-Krise die Produktion in mehreren seiner nordamerikanischen Werke für mindestens eine Woche pausieren. Von den Schließungen betroffen sind die Werke Sterling Heights (RAM 1500) im US-Bundesstaat Michigan, Belvidere (Jeep Cherokee) im US-Bundesstaat Illinois sowie Windsor (Chrysler Pacifica und Voyager) und Brampton (Dodge Challenger, Charger und Chrysler 300) in der kanadischen Provinz Ontario.

30.8.2021 – VW Nivus ohne Infotainment-System

VW muss den Nivus in seiner Basisausstattung aktuell ohne Infotainment-System ausliefern. Der in Brasilien angebotene kompakte SUV bekommt zwar einen Bildschirm für den Fahrer, aber in der Mittelkonsole sitzt jetzt dort, wo normalerweise der Infotainment-Touchscreen leuchtet, eine schwarze Kunststoffplatte. Die zum Serienumfang des Basis-Nivus gehörende Rückfahrkamera ergibt somit erst Sinn, wenn die Nachrüstung des Mittelkonsolen-Bildschirms möglich ist. Wer schon bei der Auslieferung einen Mittelkonsolen-Bildschirm für seinen Nivus möchte, kann den aufpreispflichtigen 6,5-Zoll-Bildschirm (umgerechnet zirka 300 Euro) oder das Play-&-Tech-Paket (umgerechnet 745 Euro) bestellen. Der Nivus basiert auf dem T-Cross und kommt Ende 2021 als Taigo auch in Deutschland auf dem Markt. Ob und wenn ja wie sich der Chipmangel auch auf den Taigo auswirken wird, kann VW noch nicht abschätzen.

VW Nivus
VW
Hier hat der VW Nivus noch einen Bildschirm in der Mittelkonsole. Aufgrund des Chipmangels liefert VW die Basisversion des kompakten SUV in Brasilien inzwischen ohne den Infotainment-Touchscreen aus.

30.8.2021 – GM pausiert Produktion von Dieselmotor

Aufgrund des Chipmangels muss GM die Produktion seines 3,0-Liter-Duramax-Dieselmotors (LM2) pausieren. Der amerikanische Autohersteller möchte die Fertigung zwar so schnell wie möglich wieder aufnehmen, kann aber noch nicht abschätzen, wann dies soweit sein wird. In einem Schreiben ermutigt GM seine Händler, den Kunden anstelle des Dieselmotors entweder den 5,3-Liter-V8-Benziner (L84) oder den 6,2-Liter-V8-Benziner (L87) anzubieten.

20.8.2021 – Toyota kürzt Produktion in 14 Werken

Der weltgrößte Autohersteller Toyota muss seine Produktion dramatisch kürzen. Wie die japanische Tageszeitung "Nikkei" berichtet, werde Toyota im September nur rund 500.000 Fahrzeuge wegen des Engpasses an Halbleitern produzieren können. Weltweit sind dem Bericht zufolge 14 Werke betroffen. Die Produktion in Nordamerika, China und Euro werde wahrscheinlich um zehntausend Autos gesenkt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters produziert das Toyota-Joint-Venture im chinesischen Guangzhou bereits auf einer Fertigungslinie nicht mehr.

Bisher ist Toyota besser als andere Autohersteller durch die Chip-Krise gekommen, da sich seit Jahren größere Teile-Vorräte unter anderem an Halbleitern angelegt hat.

19.8.2021 – Kurzarbeit bei Audi

In den Audi-Werken in Ingolstadt und Neckarsulm müssen 10.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. So stehen im Stammwerk in Ingolstadt alle Bänder bis zum 30.8.2021 still. Während zwei Linien wegen des Halbleiter-Mangels nicht mehr produzieren können, wird die Linie 1 auf die Produktion für den Audi Q6 E-Tron umgerüstet. 6.000 Audi-Werker müssen hier in Kurzarbeit. Im Werk in Neckarsulm sind rund 4.000 Arbeiter betroffen. Für September hat Audi ebenfalls Kurarbeit angemeldet. Bereits seit Anfang 2021 konnten rund 50.000 Fahrzeuge wegen fehlender Bauteile nicht gebaut werden.

Audi Q6 E-Tron Erlkönig
Neuheiten

19.8.2021 – Mercedes stellt V8-Modelle in den USA ein

Mercedes setzt den Verkauf von vielen V8-Modellen in den USA aus. Insgesamt 17 Modelle (siehe Fotoshow) sind von dem Verkaufsstopp betroffen. Als Grund werden unter anderem "Probleme in der Lieferkette" insbesondere bei den Halbleitern genannt.

18.8.2021 – Zweitgrößter Hafen in China dicht

Wegen der Corona-bedingten Schließung eines Terminals in Chinas zweitgrößtem Hafen Ningbo werden die globalen Lieferketten gestört. Über 50 Containerschiffe warten dort bereits auf die Abfertigung. Am 10.8. wurde ein Hafenarbeiter positiv auf Corona getestet, das Terminal weitgehend geschlossen. Die teilweise Wiedereröffnung ist nicht vor dem 24.8. geplant. Große Reedereien müssen nun auf andere Häfen ausweichen, was dort zu Verzögerungen führt.

17.8.2021 – Basismodelle von VW ID.3 und Golf nicht mehr bestellbar

Bei Volkswagen sind aufgrund der Halbleiterkrise die Basismodelle vom Golf sowie vom ID.3 nicht bestellbar. Wer bereits eines dieser Fahrzeuge bestellt hat, muss mit vier Monaten Wartezeit rechnen. Neubestellungen sind erst ab 2022 wieder möglich.

VW ID.3 und Golf Basismodelle Stopp
E-Auto

16.8.2021 – Daimler mit Kurzarbeit

Daimler passt nach eigenen Angaben permanent seine Produktion zum Beispiel in Rastatt, Kecskemét und Bremen den vorhandenen Liefermöglichkeiten an. In Rastatt und Bremen gibt es jedoch ebenso Kurzarbeit, wir für das Werk in Sindelfingen am 19. und 20. August. Die Kurzarbeit in Sindelfingen betrifft nach Angaben der Stuttgarter Zeitung vor allem die Produktion der E-Klasse. Die Herstellung der S-Klasse und des EQS in der Factory 56 läuft uneingeschränkt weiter.

22.7.2021 – BMW kann 40.000 Autos nicht bauen

BMW ist von der Halbleiter-Krise zwar nicht so heftig betroffen wie beispielsweise die großen amerikanischen Autohersteller Ford und GM, aber auch die Bayern kämpfen zunehmend mit den Lieferengpässen. Der Nachrichtenagentur Reuters haben BMW-Verantwortliche bestätigt, dass fast sämtliche deutschen Produktionsstandorte unter der Krise leiden. Aktuell kann BMW zirka 10.000 Autos nicht zu Ende bauen, weil die entsprechenden Prozessoren fehlen. Schon bisher konnte der bayerische Hersteller 30.000 Autos aufgrund des Chipmangels nicht produzieren. Die Produktion im wichtigen Werk Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina, wo die meisten BMW-SUV-Modelle vom Band laufen, soll hingegen bis Ende 2021 gesichert sein.

Halbleiter und Autobau

In neuen Autos können mehr als 100 Halbleiter-Elemente stecken. Fehlt auch nur ein einziges, kann das die Produktion des entsprechenden Modells stoppen.

Wie lange der Halbleitermangel anhält, lässt sich aktuell nur schwer einschätzen. Michael Hogan, Senior Vice President beim großen Halbleiter-Auftragsfertiger Globalfoundries, geht davon aus, dass von einer Bestellung eines Autoherstellers bis zur tatsächlichen Lieferung 20 bis 25 Wochen vergehen könnten. Da Globalfoundries schon bisher ein großer Lieferant für die Autoindustrie war, betont Hogan, dass man alles tue, um die Produktion für die Autoindustrie zu priorisieren.

Der wirtschaftliche Schaden

Dass die Autoindustrie wahrscheinlich noch lange mit der Halbleiter-Krise zu kämpfen hat, zeichnet sich immer stärker ab. Die Analysefirma Gartner erwartet inzwischen für bestimmte Teilbereiche eine Erholung für frühestens 2023 oder sogar 2024. Erst dann stehen, insbesondere für Speicherchips, neue Fertigungs-Kapazitäten zur Verfügung. Die Autoindustrie habe es während der Halbleiter-Krise besonders schwer, da sie zum einen mit einem tiefgreifenden technologischen Wandel beschäftigt und zum anderen von den Auswirkungen der Corona-Krise gebeutelt sei. Hinzu komme, dass die Autoindustrie spezielle Chips mit einer erhöhten Ausfallsicherheit benötigt – für solche Prozessoren ließe sich bei der Fertigung schwerer eine Ausweichmöglichkeit finden. Außerdem können die Autohersteller in Sachen Marktmacht nicht mit den jährlich hunderte Millionen Exemplare absetzenden Herstellern von Smartphones und anderen elektronischen Geräten mithalten.

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Audi, Osram, Mercedes
LED-Scheinwerfer sind ohne integrierte Schaltkreise nicht möglich.

Das US-amerikanische Beratungs-Unternehmen Alix Partners hat anhand von neuesten Daten nachgerechnet, was der aktuelle Halbleitermangel die Autoindustrie kostet. Demnach laufen 2021 zirka 3,9 Millionen Fahrzeuge weniger vom Band, was Kosten in Höhe von 110 Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet rund 90,6 Milliarden Euro) bedeutet. Damit sind die Kosten fast doppelt so hoch, wie von der Beratungsfirma noch Anfang Januar 2021 geschätzt. Damals gingen die Spezialisten von 61 Milliarden Dollar (50,2 Millarden Euro) Verlust aus. Die Unternehmensberater vermuten, dass die Autohersteller nur einen kleinen Teil dieser Verluste durch den Abbau von Lagerbeständen abfedern können.

Die Hintergründe

Die Gründe für den Mangel an den wichtigen elektronischen Bauteilen sind nämlich bei einem Teil der Autohersteller auch hausgemacht: Mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie haben einige, in Erwartung von stark einbrechenden Absätzen, ihre Bestellungen zurückgefahren.

Nvidia Drive AGX Xavier, Prozessor für autonomes Fahren
Nvidia
Ein fehlendes Halbleiter-Bauelement kann zum Produktionsstopp einer Automodellreihe führen.

Gleichzeitig haben die Hersteller von für Homeoffice notwendiger Elektronik deutlich mehr Prozessoren geordert, um in ausreichender Menge Laptops, Webcams, Tablets und 5G-Smartphones bauen zu können. Schließlich brauchen nicht nur Unternehmens-Mitarbeiter leistungsstarkes Elektronik-Equipment für ihren Arbeitsplatz zu Hause, auch die Unternehmen selbst mussten auf diesem Gebiet teilweise massiv nachrüsten.

Fazit

Zeiten des schnellen Wandels hinterlassen in der Industrie tiefe Spuren: Die flächendeckende Einführung von Homeoffice aufgrund der nach wie vor grassierenden Corona-Pandemie sorgt für einen sprunghaft angestiegenen Bedarf an elektronischen Geräten wie Computern, Monitoren und Tablets. In diesen Geräten arbeiten Halbleiter-Chips. Und Halbleiterchips kommen seit Jahrzehnten auch vermehrt in Autos zum Einsatz – inzwischen können in einem neuen Auto über 100 dieser Bauteile stecken.

Die Prozessoren in der gefragten Homeoffice-Elektronik fehlen für die Autoproduktion. Für ein Ende der Lieferkrise ist eine Produktionserhöhung von Halbleiter-Bauelementen nötig – die entsprechenden Unternehmen arbeiten mit Hochdruck daran. Trotzdem dürfte der Halbleitermangel noch eine Weile anhalten, was zwar nicht zu erhöhten Fahrzeugpreisen, aber immerhin zu deutlich längeren Lieferzeiten führen könnte.

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