Langsam, unpraktisch, schwer: Österreich zieht Polizei-E-Autos den Stecker

Langsam, unpraktisch, schwer
Österreich zieht Polizei-E-Autos den Stecker

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.02.2026
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Österreich Polizei
Foto: EKH-Pictures via Getty Images

Getestet wurden 24 Fahrzeuge unter realen Einsatzbedingungen in Tirol, Salzburg, Niederösterreich und Wien. Mit Jahresende 2026 wird der Versuch eingestellt.

Zum Testfuhrpark gehörten der Volkswagen ID.3, der Volkswagen ID.4 sowie ein Porsche Taycan für den Autobahndienst. Die Fahrzeuge waren vollständig als Streifenwagen ausgerüstet und im regulären Dienst unterwegs.

Reichweite, Gewicht und Dauerbelastung

Nach Angaben des Innenministeriums zeigen die vorläufigen Ergebnisse, dass Elektrofahrzeuge für den operativen Polizeieinsatz nur eingeschränkt geeignet sind. Als zentrale Punkte nennt das Ressort die Ladeinfrastruktur sowie das erhöhte Gesamtgewicht durch einsatztaktische Ausrüstung.

Ein Polizeifahrzeug trägt zusätzliche Technik wie Funkanlage, Blaulichtbalken, Steuergeräte, Video- und Dokumentationstechnik sowie Sonderausstattung im Kofferraum. Diese Komponenten erhöhen das Fahrzeuggewicht deutlich und reduzieren die verfügbare Nutzlast. Gleichzeitig beansprucht die dauerhaft laufende Technik Energie, etwa bei längeren Standzeiten mit eingeschalteter Ausrüstung.

Hinzu kommt die Ladefrage. Streifenwagen sind über viele Stunden im Einsatz, häufig mit spontanen Einsatzfahrten und längeren Bereitschaftsphasen. Planbare Ladefenster sind im Alltag nicht immer gegeben. Vor allem außerhalb größerer Städte ist die Schnellladeinfrastruktur nach Angaben aus dem Projektumfeld nicht flächendeckend auf die Anforderungen eines 24-Stunden-Dienstbetriebs ausgelegt.

Geschwindigkeit im Autobahndienst

Auch die Fahrleistungen spielten eine Rolle. Serienversionen von ID.3 und ID.4 sind in der Regel elektronisch bei rund 160 km/h begrenzt. Im Autobahndienst kann das relevant sein, wenn Fahrzeuge über längere Strecken mit sehr hohen Geschwindigkeiten unterwegs sind.

Der eingesetzte Taycan bietet zwar deutlich höhere Leistungsreserven, ist jedoch ein hochpreisiges Fahrzeug und stellt damit keine realistische Lösung für eine flächendeckende Ausstattung des Streifendienstes dar. Zudem gelten auch hier Reichweite und Ladezeiten als Faktoren, die im Dauerbetrieb berücksichtigt werden müssen.

Einsatz nur außerhalb des Kernbetriebs

Positiv bewertet wird laut Innenministerium derzeit lediglich der Einsatz außerhalb des unmittelbaren Einsatzgeschehens. Als Botenfahrzeuge oder für administrative Fahrten seien E-Autos geeignet. Diese Einschätzung decke sich teilweise mit Erfahrungen anderer Blaulichtorganisationen.

Eine vollständige Abkehr von alternativen Antrieben ist damit nicht verbunden. Das Ministerium kündigt eine laufende Marktbeobachtung an. Technische Fortschritte bei Batterien, Ladeleistung und Energiedichte könnten die Bewertung künftig verändern.

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