Fraunhofer-Studie zu Reifen-Abrieb

Autoreifen größter Verursacher von Mikroplastik

Reifenabrieb ist in Deutschland der mit Abstand größte Verursacher von Mikroplastik. Etwa ein Drittel der Mikroplastik-Emissionen entfallen hierzulande darauf. Das hat das Fraunhofer-Institut in einer neuen Studie herausgefunden.

Das Problem des Plastikmülls äußert sich nicht nur durch Tonnen von Plastiktüten oder -flaschen, die an Karibikstränden angeschwemmt werden oder die in den Mägen großer Fische landen. Auch Partikel oder Fasern, sogenanntes Mikroplastik, sind ein wachsendes Problem. Denn solche Stoffe, die maximal fünf Millimeter messen, gelangen über Fische zurück in die Nahrung des Menschen.

Drei Verkehrs-Quellen in den Mikroplastik-Top-Ten

Mit großem Abstand hauptverantwortlich sind Autoreifen: Pkw emittieren mehr als elfmal so viel Mikroplastik wie Lastwagen. Überhaupt spielt der Straßenverkehr innerhalb des Problemfeldes eine große Rolle. In der Liste der Verursacher landet der Abrieb von Bitumen in Asphalt auf Platz drei (hinter Freisetzungen bei der Abfallentsorgung). Der Abrieb von Fahrbahnmarkierungen ist die neuntgrößte Quelle. Aber auch Fußgänger leisten ihren Beitrag: Der Abrieb von Schuhsohlen landet auf Platz sieben im Fraunhofer-Ranking, das 51 Verursacher auflistet.

Top 10 der Mikroplastik-Quellen

Platz

Mikroplastik-Quelle

Emission pro Kopf in Gramm

1

Abrieb Reifen

1228,5

2

Freisetzung bei der Abfallentsorgung

302,8

3

Abrieb Bitumen in Asphalt

228

4

Pelletverluste

182

5

Verwehungen Sport- und Spielplätze

131,8

6

Freisetzung auf Baustellen

117,1

7

Abrieb Schuhsohlen

109

8

Abrieb Kunststoffverpackungen

99,1

9

Abrieb Fahrbahnmarkierungen

91

10

Faserabrieb bei der Textilwäsche

76,8

Insgesamt kommen in Deutschland pro Jahr 330.000 Tonnen an Mikroplastik zusammen. Jeder Bundesbürger ist also für etwa vier Kilogramm dieser Umweltbelastung verantwortlich. Überraschend auch: Glaubt man den Autoren der Studie, ist Mikroplastik ein weitaus größeres Problem als Makroplastik, also die eingangs erwähnten Plastiktüten und -flaschen oder die derzeit stark diskutierten Strohhalme und Plastikteller. Denn während Letzteres gerade einmal 26 Prozent der gesamten Umweltbelastung durch Kunststoffe ausmacht, liegt der Anteil von Mikroplastik bei 74 Prozent. „Dem, was für jeden offensichtlich ist, steht also eine in etwa dreifach größere Menge gegenüber, die zum Teil nur unter dem Mikroskop sichtbar wird“, heißt es dazu in der Studie.

Sechs Kilogramm Abrieb pro Reifensatz

Reifenabrieb Fraunhofer-Studie 2018 Foto: Fraunhofer Institut
Kuchendiagramm Reifenabrieb nach Fahrzeugtypen.

Wie die Autoren bekennen, war es nicht leicht, die Mikroplastik-Quellen vergleichbar in Zahlen zu präsentieren: „Bei den Quantifizierungen konnten wir uns nur auf wenig experimentelle Daten stützen“, schreiben die Fraunhofer-Forscher. Sie stützten sich deshalb in erster Linie auf Produktionszahlen oder Verbrauchsdaten. Beispiel Schuhsohlen: „Wir sind von der Gesamtzahl der pro Jahr in Deutschland verkauften Schuhe ausgegangen“, sagt Co-Autorin Leandra Hamann der dpa. Zusammen mit der durchschnittlichen Schuhgröße, der Sohlenfläche und der Annahme, dass pro Kopf und Jahr fünf Paar Schuhe ausrangiert werden, ergebe dies eine vergleichbare Zahl.

Ist es vor diesem Hintergrund realistisch, dass Reifenabrieb in Deutschland tatsächlich der Hauptverursacher von Mikroplastik in Deutschland ist? Auch hierzu haben die Fraunhofer-Forscher interessante Zahlen in petto. „Man sagt, dass ein Reifen innerhalb seines Lebens bei einer Jahreszahl von 15.000 Kilometern im Schnitt 1,5 Kilogramm an Gewicht verliert“, sagt Diplom-Ingenieur Ralf Bertling im Interview mit dem Deutschland-Funk. Angenommen, ein Satz Reifen wird alle vier Jahre ausgetauscht, verliert ein Auto in diesem Zeitraum ganze sechs Kilogramm. Das summiert sich hierzulande auf insgesamt 80.000 bis 110.000 Tonnen, die bei Niederschlägen entweder in die Kanalisation gespült werden oder ins Erdreich gelangen – jedes Jahr. Vor diesem Hintergrund erscheint das Mikroplastik-Ranking ziemlich plausibel.

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