Nach Einschätzung des Deutschland-Vertriebsleiters von AutoScout24, Stefan Schneck, könnte das politisch aufgeweichte Verbrenner-Aus den Hochlauf der Elektromobilität beschleunigen. Allerdings brauche es eine sachliche Debatte, sagte er in einem beim Handelsblatt erschienenen Interview.
Weniger Verbote, mehr Rationalität
Schneck argumentiert, dass sowohl starre Verbote als auch Subventionen den freien Markt grundsätzlich verzerren. Das ursprünglich sehr strikt formulierte Verbrenner-Aus habe die Diskussion emotionalisiert und bei vielen Konsumenten eine Abwehrhaltung ausgelöst. Gerade bei einer Kaufentscheidung, die Jahre in der Zukunft liegt, führe politischer Druck eher zu Trotzreaktionen als zu rationalem Abwägen.
Wird das Aus nun flexibler gehandhabt, könne das die Debatte "entemotionalisieren". Entscheidend sei, dass Verbraucher wieder stärker wirtschaftlich denken: Wenn Strom günstig verfügbar ist und die Betriebskosten niedrig sind, setze sich das E-Auto von selbst durch – ganz ohne ideologische Aufladung. In dieser Logik könnte ein weniger dogmatischer Kurs den Markthochlauf sogar stabilisieren.

Stefan Schneck, Deutschland-Vertriebsleiter von AutoScout24, meint, dass ein aufgeweichtes Verbrenner-Aus der Elektromobilität sogar helfen kann.
Infrastruktur wichtiger als Kaufprämien
Die neue E-Auto-Förderung sieht Schneck nur bedingt als Gamechanger. Der größte Hebel liege im Flotten- und Dienstwagengeschäft, wo die Stückzahlen entstehen. Im Privatkundensegment erwarte er eher einen kurzzeitigen Nachholeffekt, da viele wegen unklarer Förderbedingungen abgewartet hätten.
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Grundsätzlich kritisiert Schneck jedoch die Einseitigkeit der Förderung: Sie bezieht sich auf Neuwagen – der Gebrauchtwagenmarkt bleibt außen vor. Gerade der wäre für preissensible Privatkunden viel wichtiger. Gleichzeitig sorgen ständige Technologiesprünge und subventionierte Neufahrzeuge für zusätzlichen Druck auf die Restwerte gebrauchter E-Autos. "Der gebrauchte Stromer ist der klare Verlierer", so Schneck sinngemäß.
Risiken bei Restwerten, ist Leasing die Lösung?
Wenn es der Politik ernst mit Nachhaltigkeit und sozialer Ausgewogenheit sei, hätte sie stärker in Ladeinfrastruktur investieren und auch gebrauchte E-Autos fördern müssen. Für viele Haushalte sei ein gebrauchtes Fahrzeug der realistische Einstieg in die Elektromobilität. Angesichts schneller technologischer Fortschritte und schwankender Restwerte empfiehlt Schneck Käufern, das Thema Wertverlust genau zu bedenken. Wer das Risiko nicht selbst tragen wolle, sei mit Leasing aktuell oft besser beraten – zumal viele Hersteller attraktive Konditionen anbieten.












