General Motors wird den Buick Envision künftig nicht mehr für den US-Markt in China bauen. Ab 2028 soll die nächste Generation des Kompakt-SUV im Werk Fairfax Assembly & Stamping in Kansas City vom Band laufen. Damit reagiert der US-Konzern auf die von Präsident Donald Trump verhängten neuen Importzölle, die Fahrzeuge aus China deutlich verteuern.
GM bestätigte die Verlagerung offiziell und ordnet sie in eine Reihe jüngerer Entscheidungen ein, mit denen der Autobauer seine US-Produktion stärkt. Bereits im Juni hatte das Unternehmen Investitionen von rund vier Milliarden Dollar (aktuell umgerechnet 3,41 Milliarden Euro) angekündigt, um Produktionskapazitäten aus dem Nachbarland Mexiko in die Vereinigten Staaten zurückzuholen.
Warum ausgerechnet der Envision?
Der Buick Envision ist für GM ein Modell mit besonderer strategischer Bedeutung. Buick gehört zu den Marken des Konzerns, die in den USA stark von Importen abhängig sind: 2024 stammten rund 86 Prozent der in den Vereinigten Staaten verkauften Buick-Modelle aus Südkorea und China. Den Envision hat GM bislang ausschließlich in China gefertigt.
Gleichzeitig ist der Absatz des Modells zuletzt rückläufig. Rund 42.000 Exemplare verkaufte Buick im vergangenen Jahr in den USA – 5.000 weniger als im Jahr zuvor. Der Envision steht damit exemplarisch für Fahrzeuge, bei denen steigende Importkosten durch Zölle die Wirtschaftlichkeit zunehmend infrage stellen.
Das Werk Fairfax sucht neue Auslastung
Die Entscheidung für Kansas ist kein Zufall. Das GM-Werk Fairfax ist seit einiger Zeit unterausgelastet. Nach dem Produktionsende der Chevrolet Malibu Limousine im Jahr 2024 und dem Auslauf des Cadillac XT4 im vergangenen Jahr fehlen dem Standort wichtige Volumenmodelle. Im Herbst 2025 hat der Hersteller zirka 900 Mitarbeiter zeitweise entlassen und eine zweite Schicht auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.
Mit dem Envision erhält Fairfax nun ein weiteres Modell, das zur Stabilisierung der Auslastung beitragen soll. Hinzu kommt der Chevrolet Equinox, dessen Produktion GM ebenfalls im Zuge der Rückverlagerungsstrategie nach Kansas holen will. Der Produktionsstart des Equinox ist allerdings erst für 2027 geplant.

Die Produktion des Buick Envision (im Bild das Modelljahr 2024) verlagert GM jetzt von China in die USA - wegen der erhöhten Zölle auf Fahrzeug-Importe.
GM setzt auf schrittweise Neuordnung
Branchenanalysten sehen in der Entscheidung keinen radikalen Strategiewechsel, sondern einen pragmatischen Schritt. Nach Einschätzung von Dan Ives vom in L.A. beheimateten Finanzdienstleister Wedbush Securities spart GM durch die Verlagerung des Envision zwar nicht in großem Stil Zölle ein, profitiert jedoch von Skaleneffekten und einer vereinfachten Lieferkette.
GM prüft nach Analystenangaben derzeit jedes Modell daraufhin, wo es unter den neuen handelspolitischen Rahmenbedingungen am sinnvollsten herstellbar ist. Die Rückverlagerung erfolgt schrittweise und modellbezogen – nicht als vollständige Abkehr von internationalen Produktionsstandorten.
Buick bleibt eng mit China verbunden
Trotz der Entscheidung für den US-Markt bleibt China für Buick von zentraler Bedeutung. GM wird den Envision auch weiterhin in China produzieren, um dort sowie in anderen Märkten außerhalb der USA präsent zu sein. Die Marke blickt in China auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück und genießt dort bis heute ein hohes Ansehen – schließlich war selbst der chinesische Kaiser war Kunde.
Diese starke Position war auch ein Grund dafür, dass Buick während der GM-Insolvenz 2009 erhalten blieb. Während andere Marken aufgegeben wurden, galt Buick dank seines Erfolgs in China als unverzichtbar für den Konzern.












