Wenig Informationen, wenig Vertrauen: Lkw-Fahrer schalten häufig Assistenzsysteme aus

Wenig Informationen, wenig Vertrauen
Lkw-Fahrer schalten häufig Assistenzsysteme aus

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.03.2026
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Beinahe jeder zweite Lkw-Fahrer deaktiviert lebensrettende Assistenzsysteme. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des UADS-Instituts im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). Befragt wurden für die Erhebung 507 Lkw-Fahrer im Zeitraum Oktober und November 2025. 59 Prozent der Befragten nutzen ihre Assistenzsysteme nicht durchgehend. Während 19 Prozent bestimmte Systeme häufig deaktivieren, schalten 40 Prozent die technische Unterstützung gelegentlich aus.

Diese Systeme werden abgeschaltet

Besonders häufig wird der Spurhalteassistent deaktiviert: Rund 56 Prozent der Befragten nutzen ihn regelmäßig nicht. Es folgen der Intelligente Geschwindigkeitsassistent mit rund 16 Prozent und der Abstandsregeltempomat mit etwa 15 Prozent. Der Abbiegeassistent wird von rund acht Prozent sowie der Notbremsassistent von etwa fünf Prozent regelmäßig deaktiviert.

"Assistenzsysteme sind keine Dekoration", betont Manfred Wirsch, Präsident des DVR. "Der Einbau bestimmter Assistenzsysteme ist gesetzlich vorgeschrieben – und das mit gutem Grund. Es reicht jedoch nicht, die Technik nur zu verbauen. Wir müssen ihre Akzeptanz und konsequente Nutzung sicherstellen. Nur fundiertes Wissen schafft Vertrauen. Umso wichtiger ist es, dass der Umgang mit Fahrerassistenzsystemen ein verpflichtender Bestandteil der Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung ist. Nur wer die Funktionsweise und die systembedingten Grenzen realistisch einschätzt, fährt sicher. Blinde Technikgläubigkeit kann ebenso riskant sein wie die Ablehnung von Technik, die nachweislich dazu beitragen kann, Unfälle zu vermeiden."

Mangelhafte Schulung führt zu Unsicherheit

Die Umfrageergebnisse legen ein massives Defizit bei der Qualifikation der Lkw-Fahrer offen: Knapp 32 Prozent der Befragten gaben an, keinerlei Einweisung in die Nutzung der Systeme erhalten zu haben. Weitere 45 Prozent wurden lediglich informell durch Kollegen eingewiesen, während nur rund 24 Prozent eine offizielle Schulung durchliefen. Diese mangelnde Aufklärung spiegelt sich im Kenntnisstand wider: 36 Prozent der Befragten fühlen sich unzureichend über die Systeme informiert. Etwa zwölf Prozent wissen nicht genau, welche sicherheitsrelevanten Systeme in ihrem Fahrzeug verbaut sind. Knapp 22 Prozent der Befragten empfinden die Technik der Systeme als unverständlich.

"Lediglich 24 Prozent der Befragten wurden von ihrem Transport- oder Logistikunternehmen professionell geschult. Allerdings stehen alle Unternehmen in der Pflicht, ihre Mitarbeitenden entsprechend zu qualifizieren", fordert Manfred Wirsch. "Nur wer versteht, wie ein System reagiert, kann dessen Schutzwirkung voll ausschöpfen. Es reicht nicht, den Fahrern nur die Technik bereitzustellen. Betriebe müssen aktiv über Funktionsweisen und Sicherheitsnutzen aufklären. Klar ist aber auch: Trotz Fahrassistenzsystemen bleibt die Verantwortung für das Fahrgeschehen immer beim Menschen. Die Technik ist eine Unterstützung, kein Ersatz für Aufmerksamkeit."

Akzeptanz leidet unter Fehlalarmen und Komplexität

Grundsätzlich bewerten die Befragten die Technik positiv. Fast 80 Prozent halten Assistenzsysteme für sinnvoll. Dennoch verlassen sich knapp 37 Prozent der Befragten eher nicht oder gar nicht auf die Systeme. Rund 53 Prozent der Befragten fühlen sich während der Fahrt durch Warnungen, Systemfehler oder Eingriffe des Systems gestört oder abgelenkt. Der DVR fordert daher klare und verständliche Warn- und Bedienkonzepte. Auch eine geringe Fehlalarmquote sowie einheitliche Symbole und Bezeichnungen können die Akzeptanz der Systeme bei den Fahrern deutlich erhöhen.

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